Bigla arbeitet am Büro der Zukunft

Solide Büromöbel aus Stahl sind die Spezialität der Bigla AG in Biglen. Zudem ist das Unternehmen Importeurin von Spezialmöbeln für Spitäler und Pflegeheime. Nun ist es für den Prix SVC Espace Mittelland nominiert.

Moderne Bürowelten: Monika Löffel-Bösch, Verwaltungsratsdelegierte der Bigla AG, im Ausstellungsraum in Biglen.

Moderne Bürowelten: Monika Löffel-Bösch, Verwaltungsratsdelegierte der Bigla AG, im Ausstellungsraum in Biglen.

(Bild: Andreas Blatter)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Hier möchte man arbeiten: Im Ausstellungsraum der Möbelherstellerin Bigla beim Bahnhof in Biglen ist die Zukunft des Arbeitens zu sehen. Eine violette Sitzgruppe mit hohen Lehnen mit einem Arbeitstisch in der Mitte lädt zum kreativen Arbeiten in der Vierergruppe ein. Einen zentralen Platz in der Ausstellung nehmen Büromöbel aus der Eigenproduktion von Bigla ein: Grosszügige Bürotische aus Stahl und Schränke für die Ablage von Dossiers.

Produzentin und Importeurin

An einem Bürotisch erläutert Monika Löffel-Bösch, Delegierte des Verwaltungsrats, die Philosophie des Unternehmens: «Unsere Spezialität ist die Herstellung von Büromöbeln aus Stahl. Dabei haben wir einen hohen Anspruch an Qualität, Design und Flexibilität unserer Produkte.»

Um den Kunden ein umfassendes Angebot zur Ausstattung von Büroräumen anzubieten, ergänzt Bigla das Sortiment mit Produkten, die das Unternehmen exklusiv von ausländischen Anbietern importiert. Ein Beispiel dafür ist das britische Unternehmen Orangebox, von welchem Sitzgruppen stammen, die zur Gestaltung von Loungebereichen dienen. Für Grosskunden entwerfen die Innenarchitekten von Bigla umfassende Einrichtungskonzepte. Kleinere und mittlere Unternehmen beliefert die Bigla AG über den Fachhandel.

Der Konkurrenzkampf ist hart: «Bei Ausschreibungen der öffentlichen Hand ist in fast allen Fällen der Preis das allein entscheidende Kriterium – der billigste Anbieter erhält den Zuschlag», erzählt die Bigla-Chefin. Wenig gewichtet würden hingegen Kriterien wie zum Beispiel Swissness, Funktionalität oder Nachhaltigkeit in der Produktion. Hier setzt Löffel-Bösch zu einer Forderung an: «Gerade von der öffentlichen Hand würde ich mir schon wünschen, dass nicht nur der Faktor Preis entscheidet. Schliesslich sorgen wir als in der Schweiz ansässiges Unternehmen hier für Arbeitsplätze, bilden Lehrlinge aus und bezahlen unsere Steuern hier.»

Die besten Zeiten sind vorbei

Das Unternehmen hat eine lange Tradition und ist seit der Gründung im Jahr 1904 in Biglen ansässig. Es war und ist einer der grössten Arbeitgeber in der Region. Bis in die 1960er-Jahre beschäftigte die Firma über 400 Mitarbeiter; heute zählt das Unternehmen 100 Angestellte.

Seit 1999 ist die Bigla im Besitz der Familie Bösch. Fritz Bösch, Gründer des Lysser Automobilzulieferers Feintool, kaufte die Firma damals dem befreundeten Unternehmer Ernst Badertscher ab. Bösch hatte ihm vor dessen Tod versprochen, sich um die Bigla zu kümmern. Heute gehört die Firma der nächsten Generation. Monika Löffel-Bösch und ihre drei Geschwister halten je einen Anteil von 25Prozent.

Ein Roboter arbeitet mit

Die Herstellung der Bigla-Möbel erfolgt in einer riesigen, dreistöckigen Produktionshalle. In einem ersten Produktionsschritt werden die Bleche von grossen Maschinen in die richtige Form gebracht. Ein besonderer Stolz von Löffel-Bösch ist ein grosser, gelber Roboter, der selbstständig einzelne Arbeitsschritte ausführt. Der Mensch ist aber nicht ganz wegrationalisiert: «Es braucht immer noch einen Mitarbeiter, der die Produktionsschritte des Roboters überwacht», sagt Löffel-Bösch. Haben die Blechteile einmal die richtige Form erlangt, beschichtet sie ein Mitarbeiter, der eine Schutzmaske trägt, mit Pulver. Dann werden die Teile auf 1300 Grad erhitzt, sodass sich das Pulver mit dem Metall verbindet.

Der Bigla-Chefin ist der Stolz anzusehen. Doch der Bereich Büromöbel macht ihr auch Sorgen. «Die Konkurrenz wird von Jahr zu Jahr grösser. Wir schreiben im Geschäftsfeld Office momentan rote Zahlen. Die Auslastung ist ungenügend», sagt sie.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Problematik hat Monika Löffel-Bösch Anfang Februar den 55-jährigen Daniel Weber als CEO eingesetzt. Sie will mehr Zeit haben, um die Strategie weiterzuentwickeln. So möchte sie die Exportchancen im Büromöbelbereich genauer ausloten.

Spitalbetten und Solaranlage

Das zweite Standbein von Bigla ist der Geschäftsbereich Care. Bigla ist Schweizer Vertreterin von verschiedenen ausländischen Herstellern, die spezielle Möbel für Spitäler und Pflegeheime herstellen. «Wir bieten unseren Kunden Beratung zur Gestaltung von einzelnen Zimmern bis hin zu ganzen Pflegeheimen», sagt Löffel-Bösch. Etwa 40 Prozent des Bigla-Umsatzes stammen aus diesem Bereich.

Seit dem Jahr 2012 ist die Bigla zudem Energieproduzentin. Damals nahm das Unternehmen eine Solaranlage in Betrieb, die auf dem Dach der Werkhalle installiert ist. Zudem gründete Bigla mit dem Stadtberner Energieversorger EWB ein Gemeinschaftsunternehmen, das andere Firmen bei der Installation von Solaranlagen berät.

Wichtig ist Monika Löffel-Bösch ihr Engagement für Kultur und Sport. In ehemaligen Fabrikräumen ist mit der Kulturfabrikbigla ein Kulturzentrum entstanden. Zudem unterstützt Bigla ein Profi-Frauenradrennteam. Und schliesslich ist Bigla im Jahr 2009 eine Partnerschaft mit dem Berner Radstar Fabian Cancellara eingegangen.

Berner Zeitung

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