Billig-Abos: Saas-Fee legt Ausmass des Fiaskos offen

Zuerst 222 Franken, dann 255 für die ganze Saison: So teuer kommt die spektakuläre Aktion den Walliser Wintersportort wirklich zu stehen.

Das war im Herbst 2016: Saas-Fee warb mit dem Saisonabo für 222 Franken.

Das war im Herbst 2016: Saas-Fee warb mit dem Saisonabo für 222 Franken.

(Bild: Keystone Bildmontage)

Ernst Meier@tagesanzeiger

Keine andere Aktion im Schweizer Wintertourismus sorgte für so viel Wirbel wie der «Hammer-Deal» von Saas-Fee VS. Das Winter-Card genannte Saisonabo gab es 2016 erstmals für 222 Franken. In der vergangenen und in der laufenden Saison wurde die Aktion für je 255 Franken wiederholt. Nun liegen die Zahlen des Geschäftsjahres 2017/18 der Saastal-Bergbahnen vor. Der Abschluss per Ende Oktober zeigt, wie der Tiefpreiseffekt bereits im zweiten Jahr verpuffte.

Das Modell Winter-Card habe nicht den gewünschten Erfolg verzeichnen können «und brachte die Gesellschaft in eine gefährliche Seitenlage», schreibt die Geschäftsleitung der Saastal-Bergbahnen im Jahresbericht 2017/18. Der Ertrag aus den Saisonabos ging gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent oder 2,5 Millionen Franken zurück. «Das geplante Verkaufsziel wurde deutlich nicht erreicht», schreibt Geschäftsführer Urs Zurbriggen.

Nicht nur auf der Einnahmenseite ist die Aktion gefloppt. Der «Hammer-Deal» wurde auch mit enorm viel Werbung vermarktet. Die Marketingkosten betrugen im ersten Jahr der Aktion 3,2 Millionen Franken, im Folgejahr 3,1 Millionen. Vor der Aktion beliefen sich die Werbeausgaben auf nur 600'000 Franken. Im Geschäftsbericht wird die Vermarktung der Winter-Card als «Fehlentscheidung» bezeichnet.

Das tönte ein Jahr zuvor noch ganz anders. Der damalige Bergbahndirektor und Mitinitiant des «Hammer-Deals», Rainer Flaig, rühmte die eigene Innovation. Für sein Unternehmen resultierte damals ein Umsatzplus von 30 Prozent und ein Mini-Reingewinn von 180'000 Franken.

Ziel auch in der laufenden Saison deutlich verfehlt

Nun herrscht Katerstimmung. Bei den Saastal-Bergbahnen stieg im Oktober die österreichische Schröcksnadel-Gruppe ein. Das Unternehmen besitzt Skigebiete in Österreich und eine Beteiligung an den Bergbahnen von Savognin GR. Ein Kapitalschnitt und neues Aktienkapital von 6,2 Millionen Franken bewahrten die Saastal-Bergbahnen vor dem Aus. Flaig verliess das Unternehmen noch vor dem Start in die dritte Winter-Card-Saison, er leitet heute die Sportbahnen Andermatt-Sedrun.

Auch wenn die laufende Saison viel Schnee und Sonne brachte, dürfte die Bilanz in Saas-Fee wiederum ernüchternd sein. Das Ziel, 66'666 Saisonkarten zu verkaufen, wurde deutlich verfehlt. Der «Hammer-Deal» ist Geschichte. Saas-Fee schliesst sich nun dem Magic Pass an, einem Verbund von 30 Westschweizer Skigebieten. Das Saisonabo gibt es ab 399 Franken.

Neues Glück für Saas-Fee? Der Magic Pass soll es nun bringen. (Keystone)

Trotz der teuren Folgen hat die Winter-Card auch positive Effekte für Saas-Fee. Hotels, Restaurants und Sportgeschäfte freuen sich über mehr Gäste. Andreas Keller vom Branchenverband Seilbahnen Schweiz sagt denn auch: «Saas-Fee hat die Branche aufgerüttelt. Vergünstigte Abos von Skiregionen wie den Magic Pass oder den Top-4-Skipass im Berner Oberland sowie dynamische Preismodelle würde es heute kaum geben.»

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