Bodenständiger Holzspezialist

Ramsei

Am Anfang wurde die Kühni AG oft belächelt und «Migros-Zimmerei» genannt. Heute ­erzielt die Firma mit 160 Angestellten einen Jahresumsatz von 30 Millionen Franken. Sie ist für den Prix SVC Espace ­Mittelland nominiert.

Einblick in die Hallen der Kühni AG in Ramsei: Hier werden Fenster, Türen, Treppen, Böden und Möbel produziert. Video: Florine Schönmann/Christian Häderli
Rahel Guggisberg

Eine der Hallen der Kühni AG in Ramsei hat eine besondere ­Geschichte: In ihr wurde einst der berühmte Monolith für die Expo 2002 hergestellt. Die Kühnis konnten diese kaufen und auf dem firmeneigenen Areal aufbauen. Verwaltungsrat Ernst Kühni zeigt auf gestapelte Holzplatten.

«Hier steht Material für etwa sechs Fertighäuser bereit. Innerhalb von eineinhalb Wochen ­können wir ein Fertig­elementhaus produzieren», sagt er stolz. Je nach Kundenwunsch werden die Fertighäuser nach dem Baukastenprinzip in verschiedenen Längen und Höhen zusammengebaut.

«Keine Skandale»

Bei der Kühni AG bekommt man alles, was aus Holz ist: Häuser, Fenster, Türen, Treppen, Böden und Möbel. Die Firma ist kontinuierlich gewachsen. Und dies ohne Businesspläne. «Wir haben uns einfach der Nachfrage an­gepasst», sagt Ernst Kühni bescheiden. Wichtig sei die Mundpropaganda. Gewachsen ist das Unternehmen von einem Einmannbetrieb auf mittlerweile 160 Mitarbeitende mit 32 Lehrlingen.

Was ist das Erfolgsrezept der Kühni AG? «Wir hatten nie einen Skandal, keine Todesfälle, keine Entlassungswellen», erklärt ­Ulrich Kühni, der ebenfalls dem Verwaltungsrat angehört. Man geschäfte ehrlich und fair. Das Unternehmen erzielt einen Umsatz von 30 Millionen Franken.

Ein grosser Cashflow sei nie das Ziel gewesen. «Es ging uns nie ­darum, reich zu werden», betont Ulrich Kühni. «In unserem Fa­milienbetrieb machten wir, was uns Freude bereitet: Mit Holz arbeiten.»

Es gibt keinen Patron

Bei der Kühni AG herrscht kein patronaler Führungsstil: «Wir haben keinen Patron, der allein entscheidet», betont Ulrich Kühni. Entscheidungen fälle man immer gemeinsam im vierköpfigen Verwaltungsrat. Grosse Differenzen ­habe es noch nie gegeben.

Aktuell besteht der Verwaltungsrat aus den Brüdern Ernst und Ulrich Kühni und den beiden langjährigen Mitarbeitern und Mitinhabern Ueli Haldemann und Markus Gerber. Seit 2012 ist der dritte Bruder, Hans Kühni, nicht mehr Mitinhaber der Kühni AG, sondern als Projektleiter der Generalunternehmung Kühni ­tätig und deren Mitinhaber.

Alle Verwaltungsräte sind Frühaufsteher: Sie beginnen ihre Arbeit zumeist vor 6 Uhr und verlassen das Büro erst um 19 Uhr.

Bescheidene Anfänge

Den Grundstein für die Erfolgsgeschichte legte Fritz Kühni im Jahr 1960. Er kaufte mit seiner Frau in der Aeugstmatt in Oberfrittenbach bei Langnau ein Bauernhaus. Hier wuchsen die drei Brüder Hans, Ernst und Ulrich sowie die Schwester Ruth auf. «Unser Vater arbeitete schon ­immer gerne mit Holz», sagt Ernst Kühni.

Einfaches Erfolgsrezept: «Wir haben uns einfach der Nachfrage angepasst», sagt Verwaltungsrat Ernst Kühni. Bild: Walter Pfäffli

Zunehmend nahm der Vater Kundenaufträge für Holzwaren entgegen. Er stellte Stühle oder Tische her. Als Werkstatt diente ihm ein umfunktioniertes Hühnerhaus.

Als Erster trat der jüngste der Brüder, Ernst, in die Fussstapfen des Vaters. Nach der Lehre übernahm er 1985 die Werkstatt. Vier Jahre später gründete er mit Bruder Hans und Vater Fritz eine AG. Zeitgleich bauten die Brüder eine neue Werkstatt mit einem Zweifamilienhaus. 1990 trat der dritte Bruder Ulrich in das Unternehmen ein. Alle Söhne hatten den Beruf des Zimmermanns ­erlernt.

«Manche bezeichneten uns zu Beginn als ‹Migros-Zimmerei›, weil wir günstigere Offerten machten als die Konkurrenz», sagt Ulrich Kühni. Den ersten grösseren Erfolg hatte die Zimmerei im Jahr 1995: Sie bekam den ­Zuschlag für den Bau der Markthalle in Langnau.

Die Räumlichkeiten in der Aeugstmatt wurden rasch wieder zu klein. Im Jahr 2000 konnten die drei Brüder eine Liegenschaft in Ramsei ­kaufen. «Das war ein Meilenstein in unserer Firmen­geschichte», sagt Ernst Kühni.

Parkett im Bundeshaus

Im Jahr 2008 sorgte die Firma für Aufsehen: Sie erhielt den Auftrag, die Parkettböden im Bundeshaus zu renovieren. «Von da an traf man unsere Angestellten vermehrt auf Grossbaustellen an», sagt Ernst Kühni. Die Städter schätzten die bodenständigen Arbeiter aus dem Emmental.

Ein Jahr später folgte die Gründung der GU Kühni AG. Ein weiteres Kapitel in der Firmen­geschichte war 2013 die Übernahme der Zürcher Holzbau Bern AG mit rund zwölf Mitarbeitenden und drei Lehrlingen. Das breite Dienstleistungsangebot der Firma veranlasste die Geschäftsleitung dazu, den ­Namen anzupassen: Aus der Zimmerei Kühni AG wurde 2014 die Kühni AG.

«Lehre hat Stellenwert»

Ein zentrales Anliegen der Geschäftsleitung ist die Lehrlingsausbildung. Mit der Motivation der 32 Lehrlinge ist Ulrich Kühni sehr zufrieden. Er ist aber der ­Ansicht, dass die Lehrlingsausbildung nicht bei allen Lehrern im Kanton hohes Ansehen geniesse: «Viele Lehrer stellen heute Handwerksberufe nicht sehr positiv dar. Das ist hier im ­Emmental anders. Hier ­geniesst der Handwerker einen hohen Stellenwert», sagt Ulrich Kühni.

Ein eigenes Haus bauen

In diesem Jahr will der Verwaltungsrat für den Eigenbedarf bauen: Auf einem Grundstück, das auf der anderen Strassenseite des Hauptsitzes liegt, will die Kühni AG für 3,5 Millionen Franken ein dreigeschossiges Betriebsgebäude erstellen. Eine Brücke über die Strasse soll die Gebäude verbinden. ­Allerdings wartet die Kühni AG nach wie vor auf die Baubewilligung. Dennoch: «Wir sind zuversichtlich, dass wir bald bauen können», sagt Ulrich ­Kühni.

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