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Börsen hoffen auf Befreiungsschlag der EZB

EZB-Chef Mario Draghi plant, gemeinsam mit dem Euro-Rettungsschirm weiter Staatsanleihen von maroden Ländern zu erwerben. Er will das umstrittene Vorhaben heute im Notenbankrat vorstellen.

Will mit dem ESM zusammenspannen: EZB-Chef Mario Draghi.
Will mit dem ESM zusammenspannen: EZB-Chef Mario Draghi.
AFP

An den internationalen Finanzmärkten türmen sich die Erwartungen an die Europäische Zentralbank (EZB). Die Anleger an den Börsen blicken mit grosser Spannung der EZB-Ratssitzung von heute Nachmittag entgegen. Die US-Notenbank (Fed) hatte indes am Vorabend die Wall Street enttäuscht. Die Fed verzichtete trotz Wirtschaftsflaute vorerst auf eine neue Konjunkturspritze.

Der SMI lag um 9.30 Uhr 0,7 Prozent im Plus. Auch der deutsche DAX lag zu Handelsbeginn leicht im Plus. Viele Marktteilnehmer setzen offenbar darauf, dass die EZB ihr Programm zum Kauf von Staatsanleihen von Krisenländern in Kürze wieder anwirft, um deren Refinanzierungskosten im Zaum zu halten.

Minimal aufwärts ging es in Tokio, wo der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,1 Prozent im Plus auf 8653 Punkten schloss. Der breiter gefasste Topix-Index rückte 0,4 Prozent auf 733 Zähler vor. Auch der Aktienmarkt in Australien legte zu.

Doppelstrategie

Die Europäische Zentralbank (EZB) und der Euro-Rettungsschirm ESM wollen die steigenden Zinsen der Euro-Krisenländer einem Bericht zufolge mithilfe einer Doppelstrategie eindämmen.

EZB-Präsident Mario Draghi werde dazu bei der heutigen Sitzung des Rates der Zentralbank einen Plan für eine konzertierte Aktion beider Institutionen vorlegen, berichtet die «Süddeutsche Zeitung». EZB und ESM sollten demnach den Kauf von Staatsanleihen etwa aus Spanien oder Italien koordinieren, um so deren Zinslast zu senken.

Bereits 211 Milliarden investiert

Der Plan sieht laut dem Bericht vor, dass der ESM den Regierungen auf dem sogenannten Primärmarkt in kleinerem Umfang direkt Anleihen abnimmt. Die EZB solle dagegen zugleich Papiere aufkaufen, die bereits auf dem Markt gehandelt werden. Die Frankfurter Zentralbanker haben in der Vergangenheit bereits 211 Milliarden Euro in Bonds kriselnder Euroländer investiert.

Die Käufe sind allerdings umstritten, seit dem Frühjahr ruhten sie. Auf der regulären EZB-Ratssitzung zeichnet sich dem Bericht zufolge nun eine Mehrheit dafür ab, die Käufe wieder aufzunehmen und sie mit den Regierungen zu koordinieren.

Vor allem die Bundesbank hält wenig von Bond-Käufen allein durch die EZB. Die Regierungen der Krisenstaaten müssen dafür nicht im Gegenzug wirtschaftliche Reformen einleiten und den Haushalt sanieren. Wäre künftig auch der ESM beteiligt, müsste jedes Land dagegen zunächst einen offiziellen Hilfsantrag stellen, der an die Erfüllung von Auflagen geknüpft wäre und dem auch der Bundestag zustimmen müsste.

Finanzexperte hält Eingreifen der EZB für besten Weg

Dass die EZB eingreifen wird, glaubt auch Finanzexperte Markus Rudolf. «Ich vermute, dass das Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen fortgesetzt wird und die EZB dann spanische und italienische Papiere erwirbt», sagte der Professor für Finanzwirtschaft an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar im DAPD-Interview.

«Entweder wir Deutschen geben den Italienern Geld oder die EZB tut es», begründete Rudolf seine Ansicht. Ein Eingreifen der EZB sei der billigste und beste Weg, um die Währungsunion zu retten. «Es werden ein paar Dutzend Milliarden zusammenkommen», sagte Rudolf. «Das hat schon einen entlastenden Effekt.»

dapd/sda/wid/bru

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