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Das Dilemma der China-Rückkehrer

Immer mehr Fluggesellschaften streichen Flüge wegen des Coronavirus. Besonders schwierig ist die Lage für Schweizer, die in China unter Quarantäne stehen.

Ausnahmezustand, selbst für Piloten: Internationaler Flughafen Wuhan.Foto: Cheng Mi (Keystone)
Ausnahmezustand, selbst für Piloten: Internationaler Flughafen Wuhan.Foto: Cheng Mi (Keystone)

Die Ausbreitung des Corona­virus in China hat dramatische Konsequenzen – auch für jene, die aus dem bevölkerungsreichsten Land aus Sorge ausreisen wollen. Weltweit waren es bis zum Donnerstag bereits rund 20 Fluggesellschaften, die Flüge strichen oder deutlich reduzierten – und die Fristen bis zur Wiederaufnahme des Flugverkehrs reichen bis Ende März.

Eine solche Konzentration an Ausfällen über eine derart lange Zeit hat es bisher noch nie gegeben. Am ehesten vergleichbar damit ist die Verbreitung des Sars-Virus in den Jahren 2002 und 2003. Auch damals war China das Ursprungsland. Zwar wurden auch damals Flüge gestrichen, doch reagierten die Airlines damit bloss auf eine ausbleibende Nachfrage.

Am Dienstag hat auch die Schweizer Fluggesellschaft Swiss bekannt gegeben, dass sie am Mittwoch und Donnerstag ihre letzten Flüge nach und aus den beiden Grossstädten Shanghai und Peking durchführt. Danach setzt sie alle Flüge bis mindestens zum 9. Februar aus. Hongkong wird allerdings weiter angeflogen. Betroffen sind damit wöchentlich sieben Flüge nach und aus Shanghai und fünf nach und aus Peking.

«Wer ohne Absprache etwas bucht und später einfach die Rechnung einreicht, droht auf den Kosten sitzen zu bleiben.»

Franco V. Muff, Ombudsmann

Für Swiss-Kunden, die aus China zurückreisen wollen und bereits ein Ticket gebucht haben, gibt es eine Alternative: Die Lufthansa, Muttergesellschaft der Swiss, arbeitet dazu mit Air China zusammen. Laut Swiss-Sprecherin Karin Müller können die insgesamt 4000 Passagiere, die von gestrichenen Flügen der Lufthansa und der beiden Töchter Swiss und Austrian Air betroffen sind, ohne Mehrkosten auf Flüge von Air China umbuchen. Möglich seien aber auch Umbuchungen auf andere noch fliegende Gesellschaften, doch hier besteht keine generelle Regelung.

Selbst wenn die Swiss und die anderen Lufthansa-Gesellschaften ab dem 10. Februar wieder nach China fliegen, können Passagiere bis Ende Februar Flüge kostenlos zulasten der Fluggesellschaft auf später verschieben oder stornieren und das Geld zurückerhalten. Diese Regelung galt bereits vor dem Ausfall der Flüge für Buchungen bis zum 23. Januar.

Wie Versicherungen helfen

Bei den Reiseversicherungen unterscheiden sich die Regelungen im Detail. Alle angefragten Versicherungsgesellschaften – Axa, Baloise, ERV und Zurich – erklären, für Rückerstattung bei ausfallenden Flügen seien die Fluggesellschaften oder die Reiseveranstalter in der Pflicht.

Anders sieht es bei den Kosten für den Aufenthalt aus. Wenn Epidemien explizit in einer Police erwähnt sind, kommen die Versicherungen dafür auf. Als Katastrophenereignis gilt eine Virusepidemie allerdings nicht, schreibt Baloise. Allerdings will diese Versicherung jenen Reisenden bei den Folgekosten entgegenkommen, die ursprünglich geplant haben, nach Wuhan – ins Zentrum der Krankheit – zu reisen.

«Es ist auch möglich, dass Sie nicht zu Ihrem Ausgangspunkt zurückkehren können», warnt die Schweizer Botschaft.

Ähnliche Regelungen für die am stärksten betroffenen Gebiete gibt es bei der Zurich und der Axa. Generell rät Franco V. Muff, Ombudsmann der Schweizer Reisebranche, dringend dazu, vor einer Hotel- oder Rückreisebuchung auf eigene Faust seinen Versicherer zu kontaktieren. «Wer ohne Absprache etwas bucht und später einfach die Rechnung einreicht, droht auf den Kosten sitzen zu bleiben», erklärt er.

Besonders schwierig ist die Lage aktuell für jene Schweizer, die in China unter Quarantäne stehen und in die Schweiz zurückkehren wollen. Ihre Zahl steigt an. Bisher sprach das Aussendepartement (EDA) von vier Bürgern in Wuhan. Neu heisst es in einer Stellungnahme des EDA: «Rund ein Dutzend Schweizer, die sich in der Quarantänezone befinden, haben gewünscht, in die Schweiz zurückgeführt zu werden.» Das Departement stehe in permanentem Kontakt mit ihnen.

Grosse Risiken in Wuhan

Unsere Recherchen haben ergeben, dass das Aussendepartement hofft, einige Bürger und Bürgerinnen schon dieses Wochenende mit einem von Frankreich auf die Beine gestellten Flug in Sicherheit zu bringen. Das Aussendepartement wollte das gestern weder bestätigen noch dementieren.

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Unabhängig davon gibt es ein weiteres Problem. Die Schweizer Botschaft warnt in einer Mail an die Schweizer Bürger in der Region eindringlich vor Risiken. So müssten die Schweizer ihre Reise zum Flughafen Wuhan oder zu den Treffpunkten in Wuhan selbst organisieren. Da die Stadtverwaltung von Wuhan wegen des Coronavirus ein weitgehendes Fahrverbot erlassen hat, ist schwer einzuschätzen, ob diese Anreise gelingt. Die Botschaft schreibt dazu: «Das Risiko, auf dem Weg hängen zu bleiben, ist hoch.» Und sie warnt die Schweizer: «Es ist auch möglich, dass Sie nicht zu Ihrem Ausgangspunkt zurückkehren können.»

Die blockierten Schweizer befinden sich also in einem besonderen Dilemma. Wer sein Zuhause verlässt, um zum Flughafen zu gelangen, bleibt möglicherweise auf dem Weg stecken und kann auch nicht mehr in sein Heim zurückkehren. Offen ist weiter, was mit den Schweizern passieren würde, wenn sie die Heimreise anträten. Deutschland will seine Rückkehrer zunächst während 14 Tagen in Quaran­täne nehmen.

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