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Das Sorgenkind UBS findet langsam, aber sicher in die Normalität zurück

Die Grossbank legte gestern einen überraschend hohen Quartalsgewinn von 2 Milliarden Franken vor. Die Grossbank weist einen überraschend hohen Quartalsgewinn von 2 Milliarden Franken aus.

«Wir haben in einem volatilen Marktumfeld ein gutes Ergebnis erzielt»: UBS-Chef Oswald Grübel.
«Wir haben in einem volatilen Marktumfeld ein gutes Ergebnis erzielt»: UBS-Chef Oswald Grübel.
Keystone

Konzernchef Oswald Grübel konnte gestern seine Freude darüber nicht ganz verbergen, dass er die ganze Analystengemeinde ausgetrickst hatte. Auf zwischen 850 Millionen und 1,5 Milliarden Franken hatten diese den Quartalsgewinn der UBS geschätzt. Gut 2 Milliarden wies die Bank nun aus.

Zur Ehrenrettung der Analysten muss man die Sonderfaktoren in der Bilanz der UBS erwähnen. Da gibt es beispielsweise einen Buchgewinn auf eigenen Verbindlichkeiten von knapp 600 Millionen. Dieser schönt den Gewinn. Sonderfaktoren gibt es aber auch auf der Aufwandseite. Die britische Bonussteuer etwa kostete die UBS 228 Millionen Franken. ZKB-Analyst Andreas Venditti kommt zum Schluss: «Der bereinigte Gewinn dürfte etwas näher bei unserer Schätzung liegen, aber die Erwartungen noch immer übertreffen.» Auf den Punkt gebracht: Selbst der um die Sonderfaktoren bereinigte Gewinn ist noch immer überraschend hoch.

UBS lässt Konkurrenz stehen

Das wird auch im Konkurrenzvergleich deutlich. Im zweiten Quartal schnitt die UBS besser als die meisten internationalen Konkurrenten ab. Zwar lief auch den Schweizern das Geschäft im zweiten Quartal weniger gut als in den ersten drei Monaten des Jahres. Während aber der Gewinneinbruch bei der Deutschen Bank fast 30 Prozent und bei Credit Suisse 22 Prozent betrug, konnte die UBS den Rückgang auf 9 Prozent beschränken.

Damit hat die Grossbank, die seit der Finanzkrise den Verliererstempel trägt, zumindest im zweiten Quartal geschickter agiert als die Konkurrenz. Nach den Gründen gefragt, sagte Finanzchef John Cryan an der Medienkonferenz: «Wir haben die Volatilität der Märkte vorausgesehen. Der Situation haben wir nach dem guten ersten Quartal nicht getraut.» Da liege wohl der Unterschied zur Konkurrenz.

Durchzogen sieht die Situation bei den Kundengeldern aus. Negativ formuliert heisst die Botschaft: Noch immer ziehen Kunden Geld von der Bank ab. Insgesamt flossen im vierten Quartal netto 4,7 Milliarden Franken ab. Das Kapitel lässt sich indessen auch in positive Worte fassen: Die UBS konnte den Geldabfluss noch einmal massiv reduzieren. Im ersten Quartal war der Abfluss mit netto 18 Milliarden noch wesentlich höher und im zweiten Quartal 2009 betrug er gar fast 40 Milliarden.

Keine blosse Jagd auf Neugeld

Konzernchef Oswald Grübel unterstrich gestern das bereits früher geäusserte Ziel, den Geldabfluss bis Ende Jahr zu stoppen. Er sagte aber auch: «Wir müssen die Kundengelder besser verwalten.» In den letzten Jahren habe man sich vor allem in der Schweiz darauf konzentriert, nach Neugeld zu jagen. Gutes Verwalten des Geldes führe aber automatisch zu einem Zufluss von Kundengeldern. Es erhöhe die Rentabilität nicht nur für die Kunden, sondern auch für die Bank.

Genaues zum Geldabfluss liessen sich die UBS-Chefs nicht entlocken. Finanzchef Cryan liess nur durchblicken, dass vor allem in der Schweiz und in Europa Geld abgezogen wird – primär im grenzüberschreitenden Bereich. Der Druck der benachbarten Länder auf das schweizerische Bankgeheimnis scheint hier Spuren zu hinterlassen. Aber auch in den USA verliert die UBS nach wie vor Kundengelder. Alles andere würde auch erstaunen, nachdem die Bank Kundendaten an die US-Behörden herausrücken musste. Der Geldabfluss hat sich im Vergleich zum Vorquartal aber deutlich verringert. Grübel rechnet damit, das Abkommen mit den USA demnächst abzuschliessen und den Konflikt bis Ende Oktober zu bereinigen.

Weiterhin keine Dividende

Für die Anleger ist es trotz des guten Quartalsabschlusses zu früh zum Aufatmen. Eine Dividendenzahlung wird es in diesem Geschäftsjahr nicht geben. Der Gewinn müsse weiterhin zurückbehalten werden, um Kapital aufzubauen, sagte Finanzchef Cryan.

Immerhin wurden die Aktionäre an der Börse belohnt. Die UBS-Aktie reagierte mit einem Kurssprung von 11,2 Prozent auf die guten Zahlen. Auch andere Finanztitel wurden durch das UBS-Ergebnis beflügelt. Die Aktie der Credit Suisse gewann 5,9, jene von Julius Bär 2,6 Prozent.

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