«Das wäre Gift für den Standort Schweiz»

Roche-Chef Severin Schwan warnt vor der Begrenzungsinitiative. Das Volksbegehren will der Personenfreizügigkeit mit der EU ein Ende setzen.

«Wir sind auf offene Grenzen angewiesen»: Roche-Chef Severin Schwan. Bild: Patrick Straub (Keystone)

«Wir sind auf offene Grenzen angewiesen»: Roche-Chef Severin Schwan. Bild: Patrick Straub (Keystone)

Holger Alich@Holger_Alich

Roche-Chef Severin Schwan ist einer der wenigen Schweizer Konzernchefs, die sich regelmässig auch pointiert zu politischen Fragen äussern. Auch wenn er nur «als Österreicher Gast in der Schweiz ist», wie er vor den Medien kokettiert.

Derzeit steht in der Schweiz wieder eine neue Flut an Initiativen an, die alle Folgen für den Standort haben könnten. So warnt Schwan vor den Folgen der von der SVP lancierten Begrenzungsinitiative. Diese hat zum Ziel, dass die Schweiz das Abkommen zur Personenfreizügigkeit mit der Europäischen Union kündigt. «Das wäre Gift für den Standort», warnte Schwan beim Pressefrühstück anlässlich der Ergebnisse des Pharmakonzerns.


Video: Begrenzungsinitiative

SVP-Präsident Albert Rösti nimmt Stellung zum Volksbegehren. Video: SDA


«Wir sind auf offene Grenzen angewiesen.» Gerade die Pharmaindustrie sei auf «die besten Köpfe aus dem Ausland» angewiesen, um die Forschung in der Schweiz auf Topniveau zu halten, warnte der Roche-Chef. Schwan verkniff sich zwar, mit einem Wegzug zu drohen. Aber er sagte: «Sollte die Begrenzungsinitiative angenommen werden, dann könnten wir unsere Aktivitäten nicht mehr fortsetzen.»

Martullo-Blocher klar in der Minderheit

Ems-Chemie-Chefin Magdalena Martullo-Blocher, die für die SVP im Nationalrat sitzt, unterstützt dagegen bekanntlich die Initiative. Sie sitzt in der Leitung des Branchenverbandes Scienceindustries, der vom Roche-Justiziar Gottlieb Keller präsidiert werde. «Wir haben dazu sehr kontroverse Diskussionen», sagte Keller am Rande der Medienkonferenz. Doch im Branchenverband sei Martullo-Blocher mit ihrer Haltung klar in der Minderheit.

Roche-Chef Schwan warnt auch vor der Konzernverantwortungsinitiative. Sie sieht vereinfacht gesagt vor, dass Schweizer Konzerne in der Schweiz für Fehlverhalten von Töchtern im Ausland haften sollen, etwa mit Blick auf Umweltschäden oder unmenschlichen Arbeitsbedingungen. «Das Vorhaben schiesst völlig über das Ziel hinaus», meinte dazu Schwan. So würde die Schweiz bei einer Annahme die Gültigkeit ihrer Gesetze auf das Ausland ausdehnen. «Das ist doch ein Widerspruch, dass die Schweiz selbst grossen Wert auf ihre Unabhängigkeit legt und dann andere Länder mit ihren Gesetzen bevormunden will», so Schwan.

Trotz Initiativenflut bezeichnete sich Schwan als «grossen Anhänger der direkten Demokratie.» Denn für den Standort gefährliche Vorhaben würden laut seiner Erfahrung vom Stimmvolk abgelehnt werden.

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