«Der Zug bremste automatisch von Tempo 160 auf 0»

Premiere bei den SBB: Die Bahn testete in der Nacht einen Zug mit einem Autopiloten.

Und wie funktioniert der Autopilot? Im Führerstand der SBB-Lok, die in der Nacht auf Dienstag erste Tests mit dem Stadler-Zug durchführte.
Video: SDA-Keystone

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Auf der Strecke Bern - Olten sind erstmals Tests mit neuen digitalen Assistenzsystemen für Lokführer durchgeführt worden. Dabei wurde ein Doppelstockzug im Beisein des Lokführers automatisch gebremst und beschleunigt.

Die Schweizer Bahnen wollen die Digitalisierung Schritt für Schritt nutzen und die Automatisierung des Zugbetriebs mit dem gemeinsamen Programm SmartRail 4.0 gemeinsam vorantreiben, wie SBB, Stadler und der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) am Dienstag gemeinsam mitteilten.

Ziel sei es, die Kapazität und die Sicherheit im Schweizer Bahnnetz weiter zu steigern und Kosten zu sparen. Bei den auf der Bahn-2000-Strecke Bern - Olten von SBB und Stadler durchgeführten Automatisierungstests wurde ein Doppelstockzug im Beisein des Lokführers mit Hilfe eines neuen Fahrassistenzsystems automatisch gebremst und beschleunigt.


Video: Was SBB-Chef Andreas Meyer und Lokführer zum Autopiloten sagen

Im ersten SBB-Zug, der automatisiert unterwegs ist (5. Dezember, 2017/20min.ch).


Zusätzlich sei der Zug einem vorgegebenen Geschwindigkeitsprogramm für eine besonders energiesparende Fahrt gefolgt. Dieser Grad der Automatisierung sei vergleichbar mit einem Autopiloten: Der Lokführer sei im Führerstand, überwache und greife bei Bedarf ein.

Das neue Fahrassistenzsystem baue auf dem bestehenden Zugsicherungssystem European Train Control System (ETCS Level 2) sowie einem von der SBB entwickelten System für die energiesparende Fahrweise namens adaptive Lenkung (ADL) auf.

Um den grössten Nutzen für das Gesamtsystem zu erzielen, müsse die Technik für eine weiter automatisierte Zugsteuerung grenzüberschreitend ausgelegt und für den Güter- und Personenverkehr möglichst standardisiert sein. ETCS sei der internationale Standard. Entsprechend stünden die Schweizer Bahnen mit der europäischen Bahnbranche und der Industrie in Kontakt.

Wie die aktuellen Tests verdeutlichten, seien automatisierte Züge nicht gleichbedeutend mit selbstfahrenden oder unbegleiteten Zügen. SBB-Chef Andreas Meyer sagte in einem sda-Video, dass es aus seiner Sicht auch weiterhin Lokführer brauche. Fachkundiges Personal sei in den Zügen weiterhin notwendig.

Bereits heute sei der Schweizer Bahnbetrieb in vielen Bereichen automatisiert: Über 90 Prozent der Stellwerke werden laut SBB aus einer der fünf Betriebszentralen mit IT-basierten Systemen gesteuert. (SDA)

Erstellt: 05.12.2017, 06:46 Uhr

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