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Der Franken unter Aufwärtsdruck

Der Rücktritt des SNB-Chefs Philipp Hildebrand fordert einige Investoren dazu heraus, die Kursuntergrenze von 1.20 zu testen. Zwischenzeitlich notierte der Franken bei 1.2108 und erholte sich dann wieder auf 1.2136.

SNB-Chef Philipp Hildebrand ist zurückgetreten. Das bringt die von der Schweizerischen Nationalbank festgelegte Kursuntergrenze des Franken zum Euro von 1.20 unter Druck. Der Kursbalken im Finanzinformationssystem Bloomberg bewegt sich wieder um die Marke von 1.2134 herum. Zwischenzeitlich ist der Kurs mit 1.2108 des Franken zum Euro auf den höchsten Stand seit September geklettert.

Ebenso steil wie der Frankenkurs in den ersten Minuten reagierte, ging es sogleich wieder zurück auf das vorgängige Niveau von knapp 1,2140 Franken zum Euro. Ähnlich die Entwicklung beim Dollar, der von 95,2 Rappen kurz auf 94,9 Rappen fiel, um dann wieder auf 95,1 Rappen zu steigen.

Um 17 Uhr notierte der Euro bei 1,2136 Franken, der Dollar bei 95,29 Rappen. Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär, sagte auf Anfrage, er erwarte keine Attacke auf das Euro-Mindestkursziel der SNB. Das System der SNB funktioniere gut, ihre Integrität sei weiterhin gewährleistet.

Wetten nehmen zu

Die Wetten gegen den Franken nehmen zu. Darin sind sich viele Devisenhändler einig. Unsicherheiten im Direktorium können auch zu Unsicherheit bei geldpolitischen Entscheidungen führen, so die Spekulation. Die Folge: Die Entschlossenheit des SNB-Diektoriums, die Kursuntergrenze um jeden Preis zu verteidigen, leidet.

Futures und Optionen auf den Franken werden verstärkt gehandelt, um die Durchhaltekraft der SNB zu testen, das hört man bereits aus den Händlerräumen der Banken. «Wenn das zu lange anhält, dann könnte das Pulver der SNB bald verschossen sein», sagt ein Händler. Für jene Investoren, die nun mehr Franken nachfragen – das erhöht den Aufwertungsdruck auf den Franken –, muss die SNB wiederum Franken zur Verfügung stellen. Auf der Gegenseite muss die Nationalbank ihre Devisenposition dazu aufstocken.

Noch keine Inflationsgefahr

Für David Marmet, Devisenexperte der ZKB, sollte das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden: «Die Finanzmärkte können zwischen der Affäre Hildebrand und der Geldpolitik der SNB unterscheiden.» Selbst wenn Investoren die Kursuntergrenze nun herausforderten, habe die SNB genügend Reserven, um die Kursuntergrenze zu verteidigen. Sollte die SNB deutlich mehr Franken in Umlauf bringen müssen, dann könnte aus dem aktuellen Deflationstrend sogar Inflation entstehen. «Derzeit sehe ich diese Gefahr aber noch nicht», sagt Marmet.

Gewisse Fragezeichen brachte hingegen Thomas Flury, Devisenspezialist der UBS, an: Der unmittelbar erste Kursausschlag sei nicht irrelevant, der weitere Verlauf hänge aber auch von der Nachfolgeregelung ab und davon, wie international die Unabhängigkeit der Notenbank von der Politik eingeschätzt werde.

Einige Ökonomen und Devisenexperten glauben, dass SNB- Vizepräsident Thomas Jordan, der bereits bis auf weiteres den Vorsitz im Direktorium übernommen hat, definitiver Nachfolger von Hildebrand wird.

SNB hält an Strategie fest

Kurz nach dem Rücktritt Hildebrands hat die SNB mitgeteilt, dass sie trotz des Rücktritts unverändert gegen die Frankenüberbewertung kämpfen wolle. Die aktuelle Geldpolitik mit einem Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken werde mit aller Entschiedenheit weitergeführt, teilte die SNB mit. Ökonomen erklärten zwar, die Politik der SNB stehe und falle nicht wegen einer Person, die Schweizer Notenbank geniesse seit Jahrzehnten einen guten Ruf.

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