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Der Spielmacher

Die Hoffnungen bei Economiesuisse ruhen auf Strommanager Heinz Karrer. Wer ist der Mann? Selbst ein Flop bei Swisscom bremste seine Karriere nicht.

Wunschkandidat: Heinz Karrer, CEO der Axpo Holding AG, soll Präsident von Economiesuisse werden.
Wunschkandidat: Heinz Karrer, CEO der Axpo Holding AG, soll Präsident von Economiesuisse werden.
Ennio Leanza/Keystone
Karrierestart in Ostermundigen: 1987 war Heinz Karrer zuerst geschäftsführender Direktor der Intersport Schweiz AG und wurde dann Vorsitzender der Geschäftsleitung und Delegierter des Verwaltungsrats der Intersport Holding AG.
Karrierestart in Ostermundigen: 1987 war Heinz Karrer zuerst geschäftsführender Direktor der Intersport Schweiz AG und wurde dann Vorsitzender der Geschäftsleitung und Delegierter des Verwaltungsrats der Intersport Holding AG.
Lukas Lehmann/Keystone
Gut vernetzt: Dank diverser Verwaltungsratsmandate wie zum Beispiel bei Kuoni hat Karrer Einblick in viele Schweizer Unternehmen.
Gut vernetzt: Dank diverser Verwaltungsratsmandate wie zum Beispiel bei Kuoni hat Karrer Einblick in viele Schweizer Unternehmen.
Gaetan Bally/Keystone
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Die Gegner wandten auch unfaire Methoden an, um Heinz Karrer zu stoppen. Er war in den 70er- und 80er-Jahren Profihandballer bei St.Otmar St.Gallen. Meist spielte er im zentralen Aufbau, er war der Denker und Lenker. Daniel Buser, damals beim BSV Bern Karrers Gegner, erinnert sich: «Gegen ihn zu spielen, war schwer.» Oft habe man versucht, ihn mit Härte zu stoppen. Dennoch schoss der 53-fache Nationalspieler seine Tore.

Bald hat es Karrer auch auf dem Politparkett mit unzimperlichen Gegnern zu tun: Karrer, seit elf Jahren Chef des grössten Schweizer Stromkonzerns Axpo, soll Ende Monat Präsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse werden. Keine einfache Aufgabe: Der zerstrittene Verband verlor den Kampf um die Abzockerinitiative, und zuletzt quittierten der Direktor und der Präsident ihren Dienst. Der Uhrenverband FH will Economiesuisse nun sogar verlassen. Karrers Ziel muss es sein, den Verband aufzurichten und glaubwürdiger zu machen.

Adolf Ogi – der Entdecker

Adolf Ogi glaubt, Karrer sei der richtige Mann dafür. Der spätere Bundesrat sieht sich als Entdecker Karrers. Ogi, damals Generaldirektor von Intersport, holte den jungen Nationalökonomen an Bord. Ogi sagt: Karrer sei als Economiesuisse-Präsident eine Idealbesetzung. «Er hat eine gewinnende Art, und er ist kommunikativ stark.» Nach Ogis Wahl zum Bundesrat wurde Karrer Intersport-Chef. 1995 wechselte er zum Verlagshaus Ringier, wo er indes nur kurz blieb. Nach dem Medienintermezzo heuerte Karrer bei der Swisscom an, 1998 wurde er Marketingchef. In diese Zeit fällt sein grösster Flop. Karrer war mitverantwortlich für das Bonusprogramm Joker. Mit dem Punktesystem wollte die Swisscom treue Kunden belohnen. Das Programm wurde stark beworben, doch die Resonanz war mickrig. 2001 stellte die Swisscom das Programm ein. Der Verlust soll im zweistelligen Millionenbereich gelegen haben. Nur einige Monate nach dem Ende von Joker verliess Karrer die Swisscom.

Seiner Karriere tat das keinen Abbruch. 2002 wechselte er abermals die Branche, er wurde Axpo-Chef. In dieser Zeit entwickelte er sich zum Feindbild der Linken und Grünen. So sagt SP-Nationalrat und Solarlobbyist Roger Nordmann: Karrer habe «für klimaschädliche Gasimporte und für die AKW-Lebensdauer von über 60 Jahren gekämpft». Diese «rückwärtsgewandten Positionen» werde er bei Economiesuisse politisch durchsetzen. Das jedoch glaubt Ogi nicht: Karrer sei kein «harter Atombefürworter». Er sei bloss ein «loyaler Arbeitnehmer».

Etliche lukrative Mandate

In der Strombranche wird Karrer so oder so anders beurteilt. Kurt Rohrbach, früherer Chef der Berner BKW, sagt, Karrer habe «die Stromwirtschaft massgeblich geprägt». Dass der Axpo-Manager den Bau des riesigen Pumpspeicherkraftwerks Linth-Limmern GL aufgleiste und in die transadriatische Gaspipeline (TAP) investierte, findet Rohrbach richtig. «Das zeigt, dass er langfristig denkt.» Dafür, dass die Strompreise derzeit tief seien und damit die Rendite der Projekte schlecht aussehe, könne Karrer ja nichts. Auch Rohrbach traut dem Axpo-Mann zu, Economiesuisse erfolgreich zu führen. «Er strahlt Vertrauen aus, denkt systematisch und spricht auch Unangenehmes an.»

Karrer, der mit seiner Familie in Münsingen wohnt, häufte etliche lukrative Mandate an. So hat er unter anderem Verwaltungsratsmandate beim Reisekonzern Kuoni, bei der Privatbank Notenstein und bei der Berner Hasler Stiftung. Zudem sitzt er seit fünf Jahren im Vorstand von Economiesuisse. Mitglied einer Partei ist er nicht.

Karrer und die Gegner

In einer persönlichen Erklärung schreibt der 54-jährige Karrer, er bedaure, Axpo zu verlassen. Aber er komme langsam in ein Alter, «in dem man sich überlegt, ob man nicht noch einmal etwas Neues anpacken sollte».

Das kann der frühere Handballgegner Daniel Buser nachvollziehen. Der Professor für Zahnmedizin trifft Karrer auch heute noch regelmässig bei Spielen als Zuschauer. Dann lachen sie über vergangene Zeiten. Karrer scheint seinen Gegnern die überharte Spielweise nicht nachzutragen. Das ist sicher keine allzu schlechte Strategie als neuer Economiesuisse-Präsident.

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