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Deutsche Fluglotsen vor dem Streik?

Nach der Rücknahme der Streikdrohung bei der Deutschen Lufthansa wächst nun die Wahrscheinlichkeit für einen Ausstand der Fluglotsen.

Unzufrieden mit Arbeitsbedinungen: Fluglotsen im Kontrollraum der Deutschen Flugsicherung in Langen im Bundesland Hessen.
Unzufrieden mit Arbeitsbedinungen: Fluglotsen im Kontrollraum der Deutschen Flugsicherung in Langen im Bundesland Hessen.
Keystone

Unsichere Zeiten für Flugreisende: Die Deutsche Flugsicherung (DFS) und die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) teilten am Donnerstag mit, ihre Tarifverhandlungen seien gescheitert. Während die DFS einen Streik der Fluglotsen für unwahrscheinlich hält, teilte die GdF mit, sie habe beim Bundesvorstand die Bewilligung von Arbeitskampfmassnahmen beantragt. Die Verhandlungen der Fluglotsen scheiterten nach Angaben beider Seiten am Ausarbeiten einer gemeinsamen Planung für den Personaleinsatz.

Im Tarifstreit der Lufthansa hatte die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) am Mittwoch den für kommende Woche geplanten Streik bei der grössten deutschen Fluggesellschaft abgeblasen. Das habe aber nichts mit der Drohung der Lufthansa zu tun gehabt, Schadenersatzansprüche geltend zu machen, sagte VC-Sprecher Jan Krawitz. Nun suchen die Tarifparteien rasch nach einem Schlichter. Die Fluggesellschaft sei an einer baldigen Lösung interessiert, sagte LH-Sprecherin Claudia Lange. Einen Zeitplan für das Schlichtungsverfahren gibt es noch nicht.

Der Piloten-Streik sollte von Dienstag bis Freitag stattfinden. Betroffen wären neben den Passagierfliegern der Lufthansa auch Frachtmaschinen von Lufthansa Cargo und die Billigtochter Germanwings gewesen. Bereits Ende Februar waren rund 4.000 Lufthansa-Piloten zu einem viertägigen Streik aufgerufen, der aber nach einem Tag nach einer Verhandlung vor dem Frankfurter Arbeitsgericht gestoppt wurde. Dennoch verursachte der Ausstand nach Angaben das Unternehmens einen Schaden von 48 Millionen Euro.

Schäden «in zweistelligem Millionenbereich»

Nach Darstellung von Lufthansa entstanden dem Konzern wegen der neuen konkreten Streikdrohung schon vorab grosse wirtschaftliche Schäden: Weil Kunden stornierten, umbuchten oder gleich zu einer anderen Gesellschaft gingen, habe man schon jetzt Einbussen «in einem grösseren zweistelligen Millionenbereich».

In dem Tarifstreit geht es um den Vergütungs- und Manteltarifvertrag für das Cockpitpersonal der Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Besonders umstritten sind Regelungen aus dem Konzerntarifvertrag, die festlegen, welche Flugzeuge von wem geflogen werden: Die VC wirft dem Konzern vor, mehr Flugzeuge bei Auslandstöchtern mit schlechterer Bezahlung einsetzen zu wollen.

LH-Sprecherin Lange sagte, man habe sich mit der VC auf die Eckpunkte eines Schlichtungsverfahrens geeinigt. In den kommenden Tagen würden Gespräche über die Modalitäten eingeleitet. Die Lufthansa wolle nicht, dass sich der bereits Monate währende Tarifkonflikt noch weiter in die Länge ziehe.

Im Jahr 2001 vermittelte Genscher

Zuletzt gab es vor neun Jahren eine grosse Auseinandersetzung zwischen der Lufthansa und ihren Piloten. Rund 4000 Piloten legten tageweise ihre Arbeit nieder. Nach einem Schlichtungsverfahren unter Leitung des früheren Aussenministers Hans-Dietrich Genscher erhielten sie letztlich etwa 10 Prozent mehr Geld. Die Lufthansa bezifferte die Umsatzausfälle und Kosten später auf 75 Millionen Euro.

(ddp)

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