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Die geheimen Supercomputer der Schweizer Börse

Hochfrequenz-Rechner haben den Börsenhandel revolutioniert – und an den Märkten schon einmal für Turbulenzen gesorgt. Ein Fernsehteam hat nun erstmals Zutritt zu den Computern der Schweizer Börse erhalten.

An der Börse entscheiden oft Millisekunden. Und diese machen sich grosse Börsenhändler und Banken zunehmend mit Hilfe von Hochleistungscomputern zunutze: Sie lassen nicht mehr einen Menschen, sondern eine Maschine handeln, die komplexe Algorithmen verwendet. Statt eines Händlers gibt somit der Rechner den Auftrag zum Kaufen und Verkaufen.

Bereits ein Drittel des weltweiten Aktienhandels ist heute automatisiert. In den USA sind es bereits 50 Prozent, in Europa 40 Prozent. Auch an der Schweizer Börse nimmt der Hochfrequenzhandel zu, er macht ungefähr 20 Prozent aus. Die Schweizer Börse betreibt zu diesem Zweck in und um Zürich mehrere Supercomputer.

Die Standorte sind streng geheim

Zu einem von ihnen hat zum ersten Mal ein Fernsehteam Zutritt erhalten. Das Wirtschaftsmagazin «Eco» besuchte eine Anlage in einem Zürcher Industriequartier, deren genauer Standort aus Sicherheitsgründen geheim bleibt. Auch welche Kunden die Supercomputer benutzen, will Christian Katz, Chef der Six Swiss Exchange, nicht verraten.

Für ihn gilt die gleich strenge Zugangskontrolle wie für alle übrigen Besucher: Der Börsenchef muss mehrere Sicherheitsschleusen passieren, um an den Ort zu gelangen, an denen Computer autonom über Kauf und Verkauf von Wertpapieren entscheiden. «Wenn Sie so viele Titel an so viel verschiedenen Börsen haben, können Sie nur noch mit einem elektronischen Auge überwachen, wie sich die Preise bewegen», sagt der Börsenchef im Interview mit «Eco».

Beinahe-Crash an New Yorker Börse

Doch der Hochfrequenzhandel birgt Risiken, die kaum absehbar sind. In Erinnerung dürfte vielen Börsenhändlern noch der 10. Mai des vergangenen Jahrs sein. Damals wurden an der New Yorker Börse Optionen für 4,1 Milliarden Dollar verkauft. Ein Händler benötigt normalerweise für diese Menge fünf Stunden. Doch dieser Verkauf erfolgte über den Hochfrequenzhandel, der nur 20 Minuten dauerte. Nicht nur der Verkäufer, auch die Käufer waren Hochfrequenzcomputer.

Doch das Geschäft unter den Rechnern endete in einer Abwärtsspirale. Die Roboter schoben sich die Papiere gegenseitig zu. In wenigen Minuten verlor der Dow Jones 9 Prozentpunkte – Experten vermuten, dass die Computer dafür verantwortlich waren. Der Handel musste vorübergehend ausgesetzt werden und erholte sich erst später.

Risiken sind schwierig abzuschätzen

Die genauen Gründe für den Aussetzer sind bis heute nicht bekannt. Und die Worte von Mary Schapiro, der Chefin der US-Börsenaufsicht, erweckten nach dem Zwischenfall nicht viel Vertrauen: Die Frage, ob dies nicht mehr geschehen werde, würde sie gerne mit Ja beantworten, sagte sie damals. «Doch das kann ich nicht.» Eine Erkenntnis habe Wallstreet aber aus dem Zwischenfall gewonnen: In einer angespannten Marktsituation, so lautete das Fazit, könne die vollautomatisierte Abwicklung grosser Verkaufserträge extreme Preisschwankungen auslösen.

Christian Katz von der Schweizer Börse klingt dagegen zuversichtlicher: «Die Schweiz ist den USA technologisch zwei Jahre voraus, wenn es darum geht, Risiken vorauszusehen und im Griff zu haben», sagt er. Der Handel werde ausgesetzt, bevor eine Kettenreaktion eintrete.

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