Die Krönung des Unternehmers Peter Spuhler

Der Bahnbauer wagt den grossen Sprung an die Börse. Warum tut er das? Ist Stadler Rail bald ausländisch? 8 Fragen und Antworten.

Klein angefangen, den Schweizer Bahnbau wieder gross gemacht: Peter Spuhler macht den nächsten Schritt. (Video: Jan Derrer)

Warum geht Stadler Rail an die Börse? Stadler Rail kann durch den Börsengang weiteres Wachstum finanzieren. Für Peter Spuhler, Stadler-Patron und Mehrheitsaktionär, ist die geplante Notierung an der SIX Swiss Exchange in Zürich «ein logischer, nächster Schritt in der Wachstumsgeschichte von Stadler», wie er in der Mitteilung zum Börsengang zitiert wird. Spuhler denkt demnach an die langfristige Wettbewerbsposition von Stadler Rail. Häufig schwingt bei einem Börsengang mit, dass in Zukunft auch grössere Zukäufe möglich wären – dies dürfte auch in diesem Fall nicht anders sein.

Bis wann erfolgt der Börsengang? Das Unternehmen soll in den kommenden Monaten an die Börse gehen. Allerdings behält sich Stadler vor, die Notbremse zu ziehen, wenn die wirtschaftliche Entwicklung drehen würde oder falls die Aktien nicht gezeichnet werden sollten. In welcher Preisspanne sich die Aktien bewegen, wird erst noch festgelegt. Es handelt sich um einen der grössten Schweizer Börsengänge der letzten Jahre.

Der Börsengang dürfte das Bahnunternehmen Stadler Rail in neue Sphären bringen: Patron Peter Spuhler. (Bild: Dominique Meienberg/2016)

Was zeichnet das Unternehmen aus? Stadler ist einer der führenden Schienenfahrzeughersteller in Europa und beschäftigt 8500 Mitarbeiter, davon am Hauptsitz Bussnang rund 1700. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben mehr als 8000 Züge und Lokomotiven in 41 Länder verkauft, und Stadler-Fahrzeuge legen pro Jahr mehr als 170 Millionen Kilometer zurück. Annähernd 90 Prozent des Umsatzes macht Stadler mit dem Verkauf von Schienenfahrzeugen. Daneben ist das Unternehmen auch im Service und Unterhalt tätig. Der Eisenbahnmarkt ist stark von nationalen Eigenheiten geprägt – ein Umstand, auf den Stadler gezielt eingeht und sich so Vorteile gegenüber der Konkurrenz verschafft hat. Stadler baut Hochgeschwindigkeitszüge, Intercity- und Regionalzüge und Waggons für den Personenverkehr sowie Lokomotiven, Metro- und Strassenbahnen. Gegründet wurde das Thurgauer Unternehmen 1942. Erst Anfang der 90er-Jahre gewann dessen Entwicklung aber an Dynamik.

Wie sind die Erfolgsaussichten für Stadler? Die Voraussetzungen für den Börsengang sind gut. Der Umsatz bewegt sich auf einem Rekordniveau von zwei Milliarden Franken und soll bis 2020 sogar noch verdoppelt werden. Stadler hat Aufträge in Höhe von 13,2 Milliarden Franken zum Jahresende 2018 in seinen Büchern stehen. Dabei verdient das Unternehmen auch noch gut: 7,5 Rappen bleiben von jedem umgesetzten Franken in der Kasse des Unternehmens. Die Konkurrenz schneidet schlechter ab. Insgesamt machte das Unternehmen 151 Millionen Franken Betriebsgewinn im vergangenen Jahr, nach 191 Millionen Franken im Vorjahr. Das Unternehmen ist laut Schätzungen drei Milliarden Franken wert.

Woher stammen die Aktienanteile? Beim Börsengang sollen ausschliesslich bestehende Aktien aus dem direkten Besitz von Peter Spuhler oder aus seinem indirekten Besitz angeboten werden. Spuhler hält derzeit privat 25 Prozent und über eine Holding 55 Prozent an Stadler Rail. An der Bilanzmedienkonferenz sagte Spuhler am Dienstag, dass er mindestens 40 Prozent der Aktien behalten will. Bis drei Jahre nach dem Börsengang möchte er noch mindestens 30 Prozent in seinem Besitz haben.

Was plant Patron Peter Spuhler? Peter Spuhler lässt sich nicht gerne in die Karten schauen: Er wurde schliesslich seit Jahren gefragt, wann er sein Unternehmen an die Börse bringen will. Der Börsengang krönt nun seine jahrzehntelange Aufbauarbeit: 1989 übernahm er das Unternehmen mit damals 18 Mitarbeitern, und er war über 30 Jahre als Chef von Stadler tätig. Heute spielt Stadler eine führende Rolle bei den Bahnbauern in Europa. Es schwingt stolz mit, wenn sich Spuhler in der heutigen Ankündigung zitieren lässt: «Eine Börsennotierung ist ein starkes Reputations- und Qualitätsmerkmal.» Auch nach dem Börsengang bleibt Spuhler Verwaltungsratspräsident und mit Sicherheit der starke Mann im Unternehmen. Dass sich der SVP-Mann und Alt-Nationalrat durch den Börsengang auch mehr Freiheit für seine politischen Aktivitäten zurückholen will, ist wenig wahrscheinlich: «Meine Karriere als Politiker hänge ich an den berühmten Nagel», hatte er der «Handelszeitung» im Dezember gesagt. Spuhler wurde seit Jahren immer wieder als möglicher Bundesrat genannt.

Wer bestimmt die Geschicke von Stadler? Im Verwaltungsrat des Unternehmens sitzen neben Spuhler einige prominente Namen: Christoph Franz, Verwaltungsratspräsident von Roche, ist neben anderen dort vertreten, aber auch der deutsche CDU-Politiker Friedrich Merz, der sich zwischenzeitlich als Nachfolger der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Position gebracht hatte. Zudem ist Barbara Egger-Jenzer, frühere Regierungsrätin des Kantons Bern, in den Verwaltungsrat gewählt worden.

Kommt Stadler Rail nun in ausländische Hände? Das ist wenig wahrscheinlich – vorerst zumindest. Mit Peter Spuhler bleibt schliesslich der starke Mann im Unternehmen auch in Zukunft der grösste Aktionär – und er wird sein Erbe nicht ohne weiteres aus den Händen geben.

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