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Die Pferdelasagne landet auf der Müllhalde

Hersteller Hilcona und Coop vernichten die Fertigprodukte, die undeklariertes Pferdefleisch enthalten. Die Sozialwerke Pfarrer Sieber bezeichnen diesen Entscheid als «moralischen Skandal».

In Tschechien wurde 760 Kilogramm der Ware zurückgerufen: Die Ikea-Fleischbällchen.
In Tschechien wurde 760 Kilogramm der Ware zurückgerufen: Die Ikea-Fleischbällchen.
Ikea
Im Zentrum des Skandals: Der Fleischlieferant Spanghero im südfranzösischen Castelnaudary. (11. Februar 2013)
Im Zentrum des Skandals: Der Fleischlieferant Spanghero im südfranzösischen Castelnaudary. (11. Februar 2013)
Keystone
Der Manager des Schlachthofes, Iulian Cazacut, erklärt während einer Pressekonferenz den rumänischen Medien den Unterschied zwischen Rind- und Pferdefleisch. (12. Februar 2013)
Der Manager des Schlachthofes, Iulian Cazacut, erklärt während einer Pressekonferenz den rumänischen Medien den Unterschied zwischen Rind- und Pferdefleisch. (12. Februar 2013)
Daniel Mihailescu, AFP
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Nun ist klar, wohin die aus dem Verkaufssortiment genommenen Essensprodukte gehen: Auf die Müllhalde. Gestern gaben Coop und Hersteller Hilcona gegenüber der Sendung «10vor10» bekannt, dass sämtliche Fertigprodukte, die einen Pferdefleischanteil aufweisen, entsorgt werden.

Kurz vor dem Entscheid hatte Hilcona noch geprüft, die aussortierten Produkte an Bedürftige abzugeben. Auch Coop wollte die Produkte verteilen. Diese Idee stiess auf offene Ohren: «Ich bin sicher, dass diese Produkte auch gegessen würden», sagt Christoph Zingg von den Sozialwerken Pfarrer Sieber gegenüber dem Schweizer Fernsehen.

Lieferweg nicht rückverfolgbar

Wenig später vollzog Coop eine Kehrtwende. In einer Stellungnahme liess der Grossverteiler verlauten, dass das Lebensmittelgesetz ihn dazu zwinge: «Weil die vom Gesetz geforderte Rückverfolgbarkeit (...) nicht über die gesamte Lieferkette möglich ist, kann Coop die Produkte nicht an Dritte abgeben». Lebensmittelprüfer Philipp Hübner kann das Vorgehen von Coop nachvollziehen: «Die Verteiler müssen genau wissen, von wo ihre Produkte stammen. Ich kann verstehen, dass Coop dieses Risiko nicht eingehen will», sagt der Basler Kantonschemiker gegenüber «10vor10».

Auf Unverständnis stösst der Entscheid von Hilcona und Coop bei Zingg, der nicht versteht, weshalb diese Lebensmittel nun einfach eingestampft würden: «Formaljuristisch mag der Entscheid korrekt sein, doch moralisch ist dies ein Skandal», sagt Zingg.

Letzten Montag liessen mehrere Schweizer Detailhändler im Zusammenhang mit dem Pferdefleisch-Skandal Produkte von Hilcona aus den Regalen entfernen. Die Liechtensteiner Firma hatte mitgeteilt, dass Rohwaren ihres deutschen Lieferanten Vossko möglicherweise Pferdefleisch enthielten.

Deutsche Politiker wehren sich gegen Entsorgung

Auch in Deutschland ist aktuell eine Diskussion darüber im Gang, was mit den aussortierten Produkten geschehen soll. Entwicklungsminister Dirk Niebel unterstützt den Vorschlag, mit Pferdefleisch versetzte Tiefkühlprodukte an Bedürftige zu verteilen. In der «Bild»-Zeitung sagte der FDP-Politiker: «Über 800 Millionen Menschen weltweit hungern. Und auch in Deutschland gibt es leider Menschen, bei denen es finanziell eng ist, selbst für Lebensmittel. Ich finde, da können wir hier in Deutschland nicht gute Nahrungsmittel einfach wegwerfen.»

Auch die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) warnt vor voreiliger Vernichtung von Pferde-Lasagne. Prälat Bernhard Felmberg sagte der Zeitung: «Wir als Kirche empfinden die Wegwerfmentalität in unserer Gesellschaft als bedenklich. Ob und wie eine Verteilung der fraglichen Produkte möglich ist, ist zu prüfen. Aber Lebensmittel zu vernichten, die ohne Risiko geniessbar wären, ist ähnlich schlimm wie Etikettenschwindel und kann keine Lösung sein.»

«Wir wollen gute Qualität für alle»

Als «absurd» bezeichnet Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Debatte. «Ob arm oder reich, jeder will wissen, was er isst – und das muss einwandfrei sein», sagte die CDU-Politikerin der Zeitung. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast bezeichnete den Vorschlag des CDU-Entwicklungspolitikers Hartwig Fischer als «absurd». Hinter der Idee stecke, «dass es beim Essen Menschen zweiter Klasse gibt. Wir wollen aber gute Qualität für alle.»

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles forderte in der Zeitung eine Entschuldigung von Fischer. Der Vorschlag des Bundestagsabgeordneten sei «menschenverachtend und unwürdig», eine «Beleidigung für Menschen mit wenig Einkommen». Waren, die schadstoffhaltiges Fleisch enthalten könnten, müssten entsorgt werden.

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