Dieses Land ist von der Cook-Pleite am stärksten betroffen

Das kleine Gambia gilt als «Afrika für Anfänger». Der Konkurs des britischen Reiseveranstalters trifft das Land «verheerend».

Gambia hat den Ruf eines paradiesischen Urlaubsziel. Foto: Afolabi Sotunde (Reuters)

Gambia hat den Ruf eines paradiesischen Urlaubsziel. Foto: Afolabi Sotunde (Reuters)

Es kommt der Vorstellung vom Paradies ziemlich nahe: An einem blendend weissen Strand im westafrikanischen Gambia steht eine kleine Hütte unter Palmen, in der es kalte Getränke gibt, davor ein kleiner Grill, auf dem ein paar Hummer rösten und für ein paar Euro zu haben sind. Dahinter liegen einige Engländer auf Liegestühlen am Meer, die ihre weisse Haut gerade ebenfalls hummerrot rösten und schon am frühen Morgen ein paar Dosenbier kippen.

Letzteres mag für manche dann vielleicht doch eher nach Hölle klingen, als nach einem paradiesischen Urlaubsziel. Aber für Gambia sind die vor allem aus England stammenden Touristen in den vergangenen Jahren eine Erfolgsgeschichte gewesen. Bis zur Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook, der etwa ein Drittel der jährlich 200'000 Touristen nach Gambia brachte. Der Konkurs habe «verheerende Auswirkungen» auf die ganze Gesellschaft, sagte der Tourismusminister, Tausende Arbeitsplätze in allen Bereichen seien betroffen. In wohl keinem anderen Land wird die Insolvenz von Thomas Cook so zu spüren sein wie im kleinen Gambia.

Während viele Urlaubsdestinationen auf der Welt versuchen, sich eher weg vom Massentourismus zu bewegen, hatte Gambia den umgekehrten Weg eingeschlagen. Als einziges Land auf dem afrikanischen Kontinent konnte sich Gambia zum ernst zu nehmenden Reiseziel für Pauschaltouristen entwickeln, vor allem für englische Familien und für einige ältere Frauen, die auf der Suche nach etwas Liebe nach Gambia fuhren. In ein kleines und armes Land mit zwei Millionen Einwohnern, das sich durch den Tourismus aber nach oben gearbeitet hatte, 40'000 Arbeitsplätze sind entstanden.

Britische Touristen wollen dem Land treu bleiben

Gambia war jahrzehntelang eine ziemlich üble Diktatur, Präsident Yahya Jammeh liess sich die Schreie aus seinen Folterkellern aufs Handy stellen und behauptete, er könne Aids heilen. Die jungen Gambier wollten nur noch weg aus diesem Wahnsinn, viele Jahre war das Land führend in den Statistiken junger Afrikaner, die sich auf den Weg nach Europa machten. Nachdem der Diktator im Februar 2017 ins Exil verschwand und der Tourismus anzog, blieben viele in der Hoffnung auf bessere Zeiten. Sie heuerten als Taxifahrer an oder verkauften Souvenirs auf der Hauptstrasse von Serekunda, dem Küstenort, dessen einfache und günstige Hotels bei Briten und Holländern äusserst beliebt sind.

Als «Afrika für Anfänger» beschreiben manche Reiseführer das Land, es gibt wunderschöne weisse Strände, freundliche Menschen und recht viel fürs Geld. Danach kann man den Nachbarn dann vielleicht auch etwas spannendere Geschichten erzählen als vom immer gleichen Urlaub auf Mallorca.

Auf bis zu zwölf Direktflüge pro Woche hatte Thomas Cook die Frequenz zuletzt erhöht. Die nun ausgerechnet zu Beginn der Feriensaison weggebrochen sind. Man werde internationale Fluglinien einladen, die freien Verbindungen zu ersetzen, sagt die gambische Tourismusbehörde. Einige britische Touristen haben in den sozialen Medien angekündigt, notfalls auch über Brüssel oder Frankfurt zu fliegen. Sie wollen das Land nun nicht alleinlassen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt