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EFG-Aktie stürzt nach Riesenabschreiber ab

Die Zürcher Privatbank EFG International muss eine Beteiligung massiv wertberichtigen und weist deshalb einen hohen Verlust aus. An der Börse hat sie fast einen Viertel ihres Werts verloren.

Nach Abschreibern von 927 Millionen Franken und fast 800 Millionen Franken Verlust im ersten Halbjahr 2010 ist das Vertrauen der Anleger in die Privatbank EFG International offenbar gänzlich dahin. Kurz vor 14 Uhr hatte die Aktie gegenüber dem Vortagesschlusskurs 24,1 Prozent eingebüsst und war noch 11.95 Franken wert.

Analysten liessen wenig Gutes am Zwischenbericht des Unternehmen. Aus dem Kreis der Experten kam aber die Anerkennung, dass die EFG-Führung die Abschreiber mit einem Schlag vorgenommen hat und so für den Moment reinen Tisch gemacht hat. EFG International ist mit Hedge-Fonds-Geschäften und strukturierten Produkten tief in die roten Zahlen gefallen. Das Zürcher Unternehmen macht tabula rasa, schreibt 859,5 Millionen ab und weist einen Halbjahresverlust von 799,2 Millionen aus.

Finanzchef geht

Finanzchef Rudy van den Steen tritt zurück, wie EFG am Mittwoch weiter mitteilte. Den grössten Abschreiber nimmt die von der griechischen Reedereifamilie Latsis kontrollierte Bank auf der britischen Vermögensverwalterin Marble Bar Asset Management (MBAM) vor. Die in der Bilanz mit 499 Millionen Franken bewertete unbefristete Erfolgsbeteiligung wird vollständig aufgelöst.

EFG hatte erst im Mai angekündigt, die Mehrheitsbeteiligung an MBAM an deren Unternehmensleitung abzugeben und im Gegenzug die unbefristete Ertragsbeteiligung zu erhalten. EFG war Ende 2007 bei MBAM für rund 517 Millionen Dollar eingestiegen.

Keine Auswirkung auf Kapital

Weitere Löcher entstehen beim Funds-of-Hedge-Funds-Manager CMA, wo EFG den Goodwill und die immateriellen Vermögenswerte von 210 Millionen Franken voll abschreibt, und bei der auf strukturierte Produkte für Schweden spezialisierten DSAM, wo 168 Millionen aufgelöst werden.

Die Abschreiber hätten keine Auswirkungen auf den Cashflow und das regulatorische Kapital, hält EFG fest. Mit einer Kernkapitalquote (Tier 1) von 13,0 Prozent sei die Bank weiterhin gut kapitalisiert. Ende 2009 hatte die Quote 13,7 Prozent betragen. Für Ende 2012 strebt EFG nun 16 Prozent an.

Konzentration aufs Private Banking

Das Unternehmen will sich auf die Vermögensverwaltung reicher Kunden konzentrieren. Dieses Geschäft verfüge über intakte Wachstumsaussichten, schreibt EFG mit Verweis auf die Neugeldentwicklung im ersten Halbjahr: Die Netto-Neugelder von Privatkunden betrugen 6,3 Milliarden Franken. Die verwalteten Kundenvermögen erhöhten sich von 86,2 Milliarden per Ende 2009 auf 87,5 Mrd. per Ende Juni und lagen damit im Rahmen der Erwartungen von Analysten.

Unter Ausklammerung der Abschreiber konnte EFG den Reingewinn um 17 Prozent auf 88,4 Millionen Franken steigern. Die Anzahl Kundenberater stieg in den sechs Monaten von 650 auf 665. Neuer Finanzchef soll per 1. Oktober Jean-Christophe Pernollet werden, der von 2001 bis 2007 bei der Revisionsgesellschaft PricewaterhouseCoopers für EFG zuständig war.

SDA/se

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