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Ehemaliger SBB-Manager von Aufgaben entbunden

Hansjörg Hess fällt bei der Deutschen Bahn in Ungnade wegen des Debakels am Mainzer Bahnhof.

Ist nun seinen Job bei der Deutschen Bahn los: Hansjörg Hess.
Ist nun seinen Job bei der Deutschen Bahn los: Hansjörg Hess.
Keystone

Der ehemalige Chef des Bereichs Infrastruktur bei den SBB, Hansjörg Hess, der wenige Monate nach der Übernahme von Andreas Meyer als Chef der SBB Anfang 2007 seinen Posten geräumt hatte, ist bei der Deutschen Bahn (DB) wegen grosser Probleme in Mainz in Ungnade gefallen.

Wie die «Stuttgarter Zeitung» am Samstag unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet hatte, wird Hess, Vorstand Produktion der DB Netz AG, von seinen Aufgaben entbunden. Der Schritt sei schon seit längerer Zeit geplant gewesen, die aktuellen Ereignisse hätten die Ablösung jedoch beschleunigt, war im Blatt zu lesen.

Krank oder in den Ferien

Seit einer Woche fallen laut «Spiegel online» viele Züge im Mainzer Hauptbahnhof aus oder werden umgeleitet. Die Deutsche Bahn begründet dies mit einem unerwartet hohen Krankenstand im Stellwerk sowie der Abwesenheit von Mitarbeitern wegen der Ferienzeit. Von 15 Fahrdienstleitern waren letzte Woche vier krank und drei im Urlaub. Laut «Bild am Sonntag» will die Bahn die Mitarbeiter, die sich in den Ferien befinden, zurück an die Arbeit holen.

Hansjörg Hess ist seit Juni 2011 Vorstandsmitglied der Netz-Sparte der DB. Von 2005 bis 2010 war er Leiter des Infrastruktur­bereichs und Mitglied der Geschäftsleitung bei den SBB. Unter seiner Ägide wurde in der Schweiz bereits 2006 als europäischer Vorreiter das neue europäische Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System) in Betrieb genommen.

Differenzen mit Meyer

Hess, Elektroingenieur ETH, begann seine berufliche Karriere bei der Siemens AG, wo er fast 20 Jahre lang bis 2004 tätig war. Die operative Leitung des Bereichs Infrastruktur bei den SBB hatte er bereits per Ende 2008 aufgegeben – offensichtlich wegen erheblicher Differenzen mit Andreas Meyer.

Er ist nicht der Einzige der ehema­ligen Führungscrew, der seinen Posten räumte, nachdem Meyer Benedikt Weibel an der Spitze der SBB ablöste. Paul Blumenthal, ehemaliger Leiter Personenverkehr, trat krankheitshalber zurück. Mitte 2010 ging Thomas Remund, Leiter Finanzen der Zentralbereiche. Nur ein halbes Jahr später, Ende 2010, gingen auch Martin Bütikofer, Leiter Regionalverkehr, und Vincent Ducrot (48), Leiter Fernverkehr. Daniel Nordmann, ehemaliger Chef von SBB Cargo, hatte wegen schlechter Ergebnisse im Güterverkehr bereits Ende 2007 seinen Posten geräumt.

Ende Mai 2010 sagte Hansjörg Hess im «Tages-Anzeiger»: «Meyer ist machtbesessen, hat einen Kontrollwahn und lässt einem kaum Gestaltungsspielraum.» Dass man nun bei der Deutschen Bahn mit den Leistungen von Hess nicht mehr zufrieden ist und er dort nicht zu reüssieren vermochte, relativiert die Kritik an Andreas Meyer.

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