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«Einfach mal den Mund halten»

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat Zweifel daran geäussert, dass Griechenland seine Kredite zurückzahlen kann. Sein TV-Auftritt löst heftige Kritik aus.

Jede Menge Redezeit: Ackermann war im ZDF-Talk der einzige Gast.
Jede Menge Redezeit: Ackermann war im ZDF-Talk der einzige Gast.
ZDF

Die deutsche «Financial Times Deutschland» äussert sich im Leitartikel auf ihrer Webseite in selten deutlichen Worten. «Nicht nur gemeingefährlich, sondern auch dreist» nennt das Blatt die Äusserungen Josef Ackermanns im Polittalk «Maybrit Illner» im ZDF vom Donnerstagabend. Der Chef der Deutschen Bank äusserte Zweifel an Griechenlands Fähigkeit, seine Schulden zurückzuzahlen. Denn schon ein dürrer Satz des Chefs der Grossbank könne ausreichen, um den Effekt eines Rettungspakets von 750 Milliarden Euro zunichte zu machen. Fazit: Der «Deutsche-Bank-Chef sollte einfach mal den Mund halten».

Selbst wenn der Schweizer nur ausspreche, was der Markt ohnehin denke: Der Bankier sei schliesslich kein Oppositionspolitiker, der angebliche Wahrheiten «ja wohl mal wird sagen dürfen». Als «in die Politik verdrahteter Grossinvestor», so die Zeitung weiter, hätten seine Worte an den Märkten so viel Gewicht, dass sie zu einer Prophezeiung zu werden drohten, die sich selbst erfüllt.

«Er beisst die Hand, die ihn füttert»

Zudem findet das Blatt die Äusserungen insofern dreist, als die angeblichen Gelder für Griechenland vor allem die Banken retten sollten. «Die Europäer trieb die Angst vor hohen Abschreibungen bei Instituten um, die stark in Staatsanleihen von Pleitekandidaten engagiert sind», schreibt die Zeitung, «Ackermann beisst die Hand, die ihn füttert».

In diesem Zusammenhang erinnert das Blatt auch an frühere Äusserungen des Deutsche-Bank-Chefs, die in Deutschland sowohl Politikern als auch der Bevölkerung sauer aufgestossen waren. Zum Beispiel der Ausspruch in der Bankenkrise im Herbst 2008, dass er sich schämen würde, wenn sein Institut Geld vom Staat annehmen müsste.

Scharfe Kritik auch in der «Welt»

Auch die «Welt» widmet dem Auftritt Ackermanns auf ihrer Webseite einen Artikel. «Illner scheiterte an Ackermanns Teflonbeschlag», heisst es dort im Titel. Es sei ein «Musterauftritt in Sachen Eigen-PR und Verwirrungsrhetorik» gewesen – bis zu einer persönlichen Frage der Moderatorin Maybrit Illner: Er habe doch schon öfter darüber gesprochen, nach seiner aktiven Zeit etwas für das Gemeinwohl zu tun – ob er sich nicht vorstellen könne, in seinem Ruhestand so etwas wie ein oberster Finanzaufseher zu werden?

Der Lacher, der Ackermann daraufhin entfuhr, geriet für den Geschmack der Zeitung dann «doch etwas überheblich». So, als wolle er sagen: «Gute Frau, mein ganzes Leben widme ich dem Gemeinwohl. Nur will das niemand wahrhaben.»

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