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«Es gibt zu viele Airlines»

Die Fusion von American Airlines und US Airways soll verhindert werden. Das US-Justizministerium reichte gestern Klage ein. Luftfahrtexperte Kurt Hofmann erklärt, was ein Scheitern bedeuten würde – auch für die Swiss.

Sollen unter der gleichen Flagge abheben: Jets von US Airways...
Sollen unter der gleichen Flagge abheben: Jets von US Airways...
Keystone
und von American Airlines, hier auf dem Flughafen in Washington (August 2013).
und von American Airlines, hier auf dem Flughafen in Washington (August 2013).
Keystone
...bemalt und der Öffentlichkeit vorgestellt.
...bemalt und der Öffentlichkeit vorgestellt.
Keystone
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Herr Hofmann, das US-Justizministerium will die geplante Megafusion von American Airlines und US Airways verhindern. Platzt der Deal nun?

Ich bin überrascht, dass die Fusion auf der Kippe steht. Auch bei den zwei Airlines hat man nicht damit gerechnet. Trotzdem glaube ich, dass der Zusammenschluss noch zustande kommt. Er wäre eine logische Fortsetzung der Konsolidierung in der US-Luftfahrt: Viele Fluggesellschaften in den USA sind massiv unter Druck, sodass sie konsolidieren müssen. Einige wie American Airlines stehen unter Gläubigerschutz, dem sogenannten Chapter 11. Zusammen mit US Airways wäre sie sehr schlagkräftig.

Was würde ein geplatzter Deal für die betroffenen Fluggesellschaften, insbesondere ihre Mitarbeiter, bedeuten?

Aus wirtschaftlicher Sicht hätte vor allem American Airlines weiter zu kämpfen, auch wenn sie gestärkt aus Chapter 11 heraustreten wird. Es bliebe beiden Airlines nicht viel übrig, als etwa gleich wie bisher weiterzumachen. Das könnte immerhin einige Arbeitsstellen erhalten, die bei einer Fusion wohl abgebaut würden. Bezüglich der Fusionsvorbereitungen ist man schon relativ weit fortgeschritten. Hier müsste man einiges rückgängig machen.

Welche Konsequenzen hätte ein Nichtzustandekommen der Fusion für die Luftfahrtbündnisse Oneworld und Star Alliance?

Star Alliance könnte ihr Mitglied US Airways behalten, dadurch würde sie nicht 2000 tägliche Flüge an die Oneworld verlieren. Denn dies wäre ein grosser Verlust. Obwohl die Allianz noch die Flüge von United/Continental zu ähnlichen Zielen hat, würde die Häufigkeit ihrer Verbindungen stark sinken. Die CEOs der Star Alliance und Oneworld rechneten jedenfalls fest mit einem Zustandekommen der Fusion, wie sie mir sagten. Die Bündnisse bereiteten sich auf den Aus- respektive Eintritt von US Airways vor und sind nun überrascht von der Reaktion des US-Justizministeriums.

Welchen Einfluss hätte es auf das Star-Alliance-Mitglied Swiss, wenn US Airways dem Bündnis erhalten bliebe?

In diesem Falle behielte die Swiss ihren Partner in den USA. Das käme ihr vor allem an den Hubs Philadelphia und Los Angeles zugute. Käme die Fusion noch zustande, wäre das dennoch nicht weiter schlimm. Die Swiss würde zwar einige Partnerstrecken verlieren, doch sie hat ja mit United/Continental und Air Canada nach wie vor starke Nordamerika-Partner in derselben Allianz. Die Swiss kann so oder so entspannt bleiben.

Was bedeutet es für die Kunden, falls die Fusion nicht zustande kommt?

Vom Argument der Fusionsgegner, dass sich im Falle einer Fusion der Kundenservice verschlechtern würde, halte ich nicht viel. Der Service ist schon heute bei beiden nichts Besonderes, ausser man fliegt in der Business oder First Class. Bezüglich der Preise müssen die beiden Airlines ohnehin schauen, dass sie das Niveau wieder erhöhen können, um rentabel zu sein.

2010 wurde die Megafusion von United und Continental gutgeheissen, zwei Jahre zuvor diejenige von Delta und Northwest. Warum hat das US-Justizministerium gerade jetzt genug von Fusionen inländischer Airlines?

Offenbar hat man festgestellt, dass mit einer weiteren Fusion zu wenige Airlines zu viel Macht im Markt besitzen. Doch es gilt auch zu beachten, dass aus wirtschaftlichen Gründen kein Weg an den Fusionen vorbeiführt.

Hätte ein Scheitern der Fusion eine Signalwirkung auf andere Airlines und deren Fusionspläne?

Nicht wirklich. Die Fusionswelle rollt weltweit ungehindert weiter, weil es nicht anders geht. Wir haben zu viele Fluglinien auf der Welt. In Südamerika fusionieren die Airlines fleissig, und in Europa beteiligen sich die Golfcarrier zunehmend – so etwa spekuliert Etihad über einen Einstieg bei der polnischen LOT, und fix ist er bereits bei der serbischen JAT, die bald Air Serbia heisst. Dass Golf-Airlines mit anderen fusionieren, ist aus heutiger Sicht noch nicht auf deren Agenda, denn lieber investieren sie in andere Fluglinien. Qatar Airways, Saudi Arabian und Royal Jordanian sind zumindest einer Allianz beigetreten.

Und wie sieht es mit Fusionen von europäischen Luftfahrt-Grosskonzernen aus?

Dass Konzerne wie Lufthansa, Air France-KLM oder Iberia-British Airways sich zusammenschliessen, kann ich mir heute nicht vorstellen. Es ist eher denkbar, dass sie weitere kleinere Airlines übernehmen.

Wie geht es nun weiter in den USA?

Es dürfte noch massiver Druck auf das US-Justizministerium ausgeübt werden. Ein Grossteil der Mitarbeiter und Aktionäre befürwortet die Fusion, und zumindest die Oneworld-Allianz wird sich ebenfalls dafür einsetzen. Es wird spannend werden, ob der Deal noch zustande kommt.

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