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Europas Banken fehlen 115 Milliarden Euro

Gross – aber nicht so gross wie befürchtet: Die EU-Aufsichtsbehörde hat bei europäischen Banken eine Kapitallücke aufgedeckt. Am prekärsten ist die Lage im Süden, doch auch deutsche Institute sind betroffen.

Hier fehlen 3,2 Milliarden Euro: Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt.
Hier fehlen 3,2 Milliarden Euro: Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt.
Reuters

Europäischen Banken benötigen insgesamt Kapital von rund 115 Milliarden Euro, wollen sie sich gegen künftige Krisen absichern. Dies hat die europäische Bankenaufsicht EBA nach dem jüngsten Stresstest bekanntgegeben. Damit liegt der Kapitalbedarf der Institute tiefer als vorerst angenommen. Experten vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und anderen Organisationen hatten den Kapitalbedarf vor einigen Monaten noch auf rund 200 Milliarden Euro beziffert.

Den grössten Kapitalbedarf weisen aktuell die Banken in Griechenland aus, mit rund 30 Milliarden Euro. Sie müssen wegen der Rettungsbemühungen für das arg gebeutelte Land aber gesondert betrachtet werden. Besonders hart trifft es Institute aus Spanien und Italien. Bei den spanischen Grossbanken klafft eine Kapitallücke von 26 Milliarden Euro, bei den Italienern (darunter UniCredit) sind es insgesamt 15,37 Milliarden Euro.

Sechs deutsche Banken fallen durch

Aber auch deutsche Geldhäuser brauchen Geld. Sechs deutsche Banken benötigen nach Einschätzung der europäischen Aufseher für Krisenzeiten insgesamt 13,1 Milliarden Euro zusätzliches Kernkapital. Die grösste Lücke machte der aktuelle Stresstest hier bei der Commerzbank mit 5,3 Milliarden Euro aus, wie die deutsche Bundesbank und die Finanzmarktaufsicht BaFin gemeinsam mitteilten. Der Deutschen Bank fehlen 3,2 Milliarden Euro.

Kapitalbedarf haben auch die DZ Bank sowie die Landesbanken Helaba, NordLB und WestLB. Bei der letzten Schätzung nach den Juni- Zahlen lag der Kapitalbedarf der deutschen Institute erst bei 5,2 Milliarden Euro. Die weit höhere Summe sei wegen der «sehr harten Kernkapitaldefinition» entstanden.

Die europäische Bankenaufsicht berechnete, wie viel Kapital den Geldhäusern fehlt, um eine harte Kernkapitalquote von 9 Prozent zu erreichen. Das soll den Banken helfen, in Krisenzeiten ohne staatliche Hilfen über die Runden zu kommen. Diesen Wert müssen die europäischen Institute nach Vorgabe der Bankenaufsicht bis Ende Juni 2012 erreichen. Bis zum 20. Januar müssen sie den Aufsehern ihre Kapitalpläne vorlegen.

Kritik von Verbänden

Die EU-Regierungen wollten mit dem Blitz-Stresstest das Vertrauen der Investoren in das krisengeschüttelte Bankensystem wieder herstellen. Dabei unterstellten sie eine Bewertung aller europäischen Staatsanleihen zu Marktpreisen, was einer teils deutlichen Abschreibung entspricht.

Für deutsche Bankenverbände hat die Aktion kein Vertrauen geschafft. «Der Stresstest hat nicht zur Marktstabilisierung beigetragen», erklärte Michael Kemmer, Geschäftsleiter des Bankenverbandes (BdB). Die Kernkapitalquote von neun Prozent sei willkürlich festgelegt worden, Berechnungsgrundlagen seien wiederholt geändert worden und der Prozess wirke chaotisch, so die Kritik.

(AFP)

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