Galenica baut das Apothekennetz weiter aus

Galenica steigert Umsatz, Gewinn – und die Anzahl Verkaufsstellen.

Quentin Schlapbach@qscBZ

Der Detailhandel ist seit Jahren am Darben. Immer weniger Leute kaufen ihre Kleider, Elektronika oder Bücher in einem Geschäft mit vier Wänden und Fachpersonal ein. Stattdessen boomt der Onlinehandel. Das Anliefernlassen der Konsumgüter vor die eigene Haustür ersetzt für viele zunehmend den Gang in die Innenstadt oder ins Dorfzentrum.

Es gibt aber Geschäfte, die mit der Onlinekonkurrenz weniger zu kämpfen haben als andere. Zu ihnen gehören die Apotheken. Laut dem Schweizer Apothekerverband Pharmasuisse nahm die Anzahl Verkaufsstellen zuletzt immer noch leicht zu – wenn auch im Verhältnis zur wachsenden Bevölkerung in einem bescheideneren Masse.

Acht weitere Standorte

Der Berner Gesundheitskonzern Galenica verfügt über das grösste Apothekennetz der Schweiz. Bekannt sind vor allem seine Ketten Amavita, Sun Store oder Coop Vitality. Am Dienstag veröffentlichte der Konzern seine Halbjahreszahlen. Und wieder einmal konnte Galenica einen Ausbau seines Apothekennetzes vermelden.

Seit Anfang Jahr stieg die Anzahl Verkaufsstellen von 500 auf 508. Neben neun Übernahmen eröffnete das Unternehmen vier neue Standorte. Fünf Apotheken seien derweil im Rahmen von Optimierungsmassnahmen aufgehoben worden.

Keine konkreten Zahlen

Die Annahme, dass der Gesundheitsmarkt von den Verwerfungen im Detailhandel gänzlich verschont bleiben wird, stimmt nämlich bereits heute nicht mehr. «Auch Apotheken spüren die Konkurrenz vom Onlinehandel», sagt Aline Clauss, Mediensprecherin von Galenica. «Darum setzen wir auf den konti­nuierlichen Ausbau unserer Onlineshops und die digitale Vernetzung der verschiedenen Angebote.»

Viele der typischen Apothekenprodukte wie Shampoos, Pflaster, Wundsalben oder Kondome kann man sich heute auch von Amavita und Co. problemlos per Mausklick nach Hause liefern lassen. Nicht so einfach ist es aber mit den Medikamenten. Die kann man zwar online bestellen, muss sie aber in einer Filiale vor Ort abholen gehen.

Der Umsatz des neuen Onlineangebots ist wohl nicht zuletzt deshalb noch vergleichsweise bescheiden. Zwar nennt Galenica die Entwicklung seiner Onlineshops «kontinuierlich und erfreulich». Konkrete Zahlen weist das Unternehmen aber noch keine aus.

Der Umsatz bewege sich etwa in der Grössenordnung einer grösseren Apotheke, sagt Clauss. Neben dem Onlineangebot soll deshalb auch das nach wie vor wachsende Apothekengeschäft weiter gestärkt werden. «Wir sind überzeugt, dass die Kunden in Zukunft insbesondere die Kombination von Onlineangeboten mit lokalen Apotheken in ihrer Nähe schätzen werden», sagt Clauss.

Mehr Umsatz und Gewinn

Das Umsatzwachstum im Apothekengeschäft fiel trotz des noch vergleichsweise kleinen Onlinegeschäfts im letzten Halbjahr beachtlich aus – es betrug 4,8 Prozent. Zusammen mit dem zweiten grossen Standbein des Unternehmens, den Logistikleistungen für Drogerien, Heime, Spitäler und Ärzte, erwirtschaftete Galenica in den ersten sechs Monaten des Jahres einen Umsatz von 1,6 Milliarden Franken.

Bei den Logistikleistungen war das Wachstum mit 1,3 Prozent geringer als beim Apothekengeschäft, nicht zuletzt, weil der Bund bei den Medikamentenpreisen bessere Bedingungen verhandeln konnte. Der Reingewinn legte im ersten Halbjahr insgesamt trotzdem stark zu, von 60,4 auf 65 Millionen Franken.

Galenica konnte seine Jahresprognose wegen der erfreulichen Zahlen leicht nach oben korrigieren. Das kam an der Börse gut an. Der Aktienkurs des Berner Gesundheitskonzerns stieg im Verlauf des Tages um über zwei Prozent an.

Berner Zeitung

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