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Genfer Haifische im Krokodilbecken

Bei Lacoste sorgt eine Familienfehde samt «Putsch» für viel Aufregung. Und für neue Hoffnung bei Maus Frères in Genf.

Das Krokodil in Schwarz-Weiss-Look: Lacoste-Models in Paris im September 2009.
Das Krokodil in Schwarz-Weiss-Look: Lacoste-Models in Paris im September 2009.
Keystone

Die Marke mit dem kleinen Krokodil steht für grossbürgerliche Klasse, für zeitlose und schlichte Eleganz. Und so könnte man sich auch die Stimmung im Betrieb des französischen Poloherstellers Lacoste vorstellen: gediegen, harmonisch, einen Tick aristokratisch gar. Gerade jetzt, da es dem alten Familienunternehmen so gut geht wie nie zuvor in seiner bald 80-jährigen Geschichte. Lacoste ist wieder «in». Der Umsatz von Lacoste wird in diesem Jahr voraussichtlich um weitere 12 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro wachsen – ein historischer Rekordwert für das Unternehmen. «Jede Sekunde verkaufen sich weltweit zwei Produkte von Lacoste», lässt die Firma mit einigem Stolz ausrichten. Klingt gut, ist aber trügerisch.

Im Hintergrund sorgt ein Intrigantenstadl unter den 22 Erben für ein wüstes Kontrastprogramm. Firmengründer und Tennislegende René Lacoste (1904 bis 1996) – er gewann dreimal das French Open, zweimal das US Open, zweimal Wimbledon –, den sie in den 20er-Jahren wegen seines kompetitiven Bisses auf dem Platz auch «Le Crocodile» nannten, hat eine weitverzweigte Familie hinterlassen. Einen mit ausgeprägter Streitkultur dazu. Sein Sohn Michel, mittlerweile 68 Jahre alt, wurde unlängst von dessen 36-jähriger Tochter Sophie von der Unternehmensspitze verdrängt. Gestürzt, würde Michel Lacoste sagen, weggeputscht mit einem Überraschungscoup im Verwaltungsrat. Er zitiert die Tochter vor Gericht, um den Entscheid rückgängig zu machen. Sie sagt: «Ich schlafe ruhig, alles war rechtens.»

«Der Wolf steht im Schafstall»

Die beiden verstehen sich schon länger nicht mehr. Nun stehen sich ihre beiden Clans im Duell gegenüber: Michels Lager mit Neffen und Cousinen steht für 30 Prozent des Kapitals; Sophies Lager mit Onkeln und Cousins bringt es auf 35 Prozent. Der Vater sagt von seiner Tochter, einer gelernten Theaterschauspielerin: «Sie hat immer nur von den Dividenden gelebt, die ich ihr gegeben habe. In einem Unternehmen hat sie in ihrem ganzen Leben noch nie gearbeitet.» Vor allem wirft er ihr vor, das Familienunternehmen ins Ausland verkaufen zu wollen: nach Genf, an die Einzelhändler Maus Frères, Besitzer etwa der Kaufhausketten Manor und Jumbo.

Dem Konzern gehören seit 1998 auch 35 Prozent von Lacoste. Zudem kontrolliert sie jene Firma, Devanlay, die in Lizenz die Polohemden mit dem Krokodil fabriziert und vertreibt. Vor vier Jahren versuchten die Schweizer bereits, ­Lacoste zu übernehmen. Damals aber überwanden die Erben für einmal ihre Differenzen und blockierten Maus. Nun verhalfen deren drei Verwaltungsratsmitglieder Sophie zum Aufstieg in die Präsidentschaft. Michel kommentierte das so: «Der Wolf ist in den Schafstall getreten.» Er hätte auch ein anderes Bild aus der Tierwelt bemühen können, eines von Haien und Krokodilen.

Racheakt? Oder Konter?

Die Wirtschaftszeitung «Les Echos» erzählt die Geschichte andersrum und trägt damit zur allgemeinen Verwirrung bei. Das französische Blatt glaubt nämlich zu wissen, dass nicht die Tochter zum Verkauf des Unternehmens bereit sei, sondern der Vater – als letzten Rache­akt. Einfach wäre die Operation nicht, für keinen der Clans. Die Erben verbindet ein Pakt, der jedem ein Vorkaufsrecht zugesteht für den Fall, dass eines der Familienmitglieder seine Anteile verkaufen sollte. Über die Presse liess Sophie Lacoste ihrem Vater jetzt ausrichten, dass sie über genügend Mittel verfüge, um auch dessen Anteile zu kaufen. Ein klassischer Konter.

Der Wert des Unternehmens, an dem direkt und indirekt weltweit 20'000 Angestellte mitarbeiten, wird auf 1 Milliarde Euro geschätzt. Das Vermögen der Familie Lacoste wiederum beläuft sich auf etwa 300 Millionen Euro, was selbst dann noch eine stattliche Summe ist, wenn man sie durch 22 Begehrlichkeiten teilt.

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