Zum Hauptinhalt springen

Insulinpumpen sind doppelt so teuer wie in der EU

Der Preisüber­wacher kritisiert das Geschäft mit Insulinpumpen. Der Burgdorfer Hersteller ­Ypsomed rechtfertigt die Preispolitik.

Viele Diabetiker schätzen den Komfort, aber für den Preisüberwacher sind die Preise für Insulinpumpen in der Schweiz nicht tragbar.
Viele Diabetiker schätzen den Komfort, aber für den Preisüberwacher sind die Preise für Insulinpumpen in der Schweiz nicht tragbar.
BSIP (Getty Images)

Willy Michel macht gerne Kostenvergleiche. So forderte der Burgdorfer Medizinaltechnikunternehmer kürzlich in dieser Zeitung, der Kanton Bern müsse die Unternehmenssteuern deutlich senken. Denn in Solothurn, wo Michels Ypsomed auch ein Werk betreibt, dürften die Unternehmenssteuern bald markant sinken. Die Differenz werde eine Stange Geld ausmachen.

Nun kommt Ypsomed zusammen mit anderen Herstellern bei einem Preisvergleich selber in die Kritik. Insulinpumpen kosten in der Schweiz nämlich fast doppelt so viel wie in Europa. Das zeigt eine Studie des Preisüberwachers Stefan Meierhans. Die Preise in neun nördlichen EU-Ländern betragen nur 55 Prozent der Schweizer Preise. Hierzulande gibt es nur drei Lieferanten: Medtronic, Roche und Ypsomed.

Unnötiger Gerätewechsel

Der Schweizer Markt spiele kaum, kritisiert Meierhans in ­seinem Jahresbericht. Und er ortet einmal mehr eine Hochpreisinsel: «Der Markt verschliesst sich auch gegenüber der Preiskonkurrenz aus dem Ausland.»

Das ist möglich, weil die Krankenkassen bislang nur in der Schweiz erhältliche Insulinpumpen bezahlen. Und die geschätzt rund 8000 Versicherten hierzulande, die auf eine Pumpe angewiesen sind, können die Geräte nicht kaufen, da einzig Mietkosten vergütet werden. «Die Versicherten sind also durch einen Mietvertrag mit vierjähriger Laufzeit gebunden. Danach müssen sie zwingend ein neues Modell mieten, obwohl ihre Pumpe in den meisten Fällen noch einwandfrei funktioniert», bemängelt der Preisüberwacher. Er fordert den Bundesrat auf, dass auch der Kauf von Insulinpumpen vergütet wird, und zwar auch Käufe im Ausland und von Verbrauchsmaterial. So würden die Preise sinken, ist er überzeugt.

Ypsomed wehrt sich gegen den Vergleich mit dem Ausland, weil in der Schweiz ganz andere Preisniveaus gelten würden. Und weil das hiesige System im Sinn der Patienten sei: Die Krankenkassen erstatten für die Insulin­pumpentherapie im Jahr bis zu 3942 Franken. «Unsere Insulinpumpe Mylife Ypsopump passt bei einem durchschnittlichen Normalverbrauch kostenseitig genau in dieses Rückvergütungsmodell, sodass dem Patienten keine Kosten zum Selbstbehalt entstehen», hält Ypsomed-Sprecher Julian Stressig fest.

Dazu komme ein weiterer Vorteil im Mietsystem: Sollte der Patient die Pumpentherapie vorzeitig abbrechen, tragen laut Stressig die Hersteller das volle Risiko und sämtliche Kosten – nicht der Patient und auch nicht die Krankenkasse oder das Gesundheitssystem. Denn die Insulinpumpe kann nicht an den nächsten Patienten weitergegeben werden. Auch sind während der Miete Wechsel auf neuere Pumpenversionen möglich.

«Rein wirtschaftlich hätten wir als Hersteller nichts gegen ein Kaufsystem», beteuert Stressig, «da uns dann keine Kosten bei Therapieabbrüchen mehr entstehen würden.» Aber das sei nicht im Sinne der Patienten oder des Gesundheitssystems und auch nicht im Sinne der Hersteller.

Kaufpreis vorschiessen

Das Bundesamt für Gesundheit hält zwar ebenfalls fest, das Mietsystem sei bisher von allen Seiten befürwortet worden. Denn die Miete umfasse nicht nur das Gerät, sondern auch Verbrauchsmaterial, Instruktion, Notfallpumpenlieferung, Ferienpumpe und so weiter. Zudem ist die Miete unabhängig vom System. Zusätzlich müssten die Versicherten teils für den Kauf einer Insulinpumpe zuerst mehrere Tausend Franken selber bezahlen, bevor sie das Geld von der Krankenkasse vergütet erhalten würden.

Trotzdem prüft das Bundesamt die Forderung des Preisüberwachers, dass Krankenkassen künftig auch den Kauf vergüten. Auf Anregung von Nationalrätin Bea Heim (SP, SO) klärt der Bundesrat ab, ob die Krankenkassen generell auch Einkäufe billigerer medizinischer Mittel und Geräte im Ausland vergüten sollen. Weiter für Preisdruck sorgen sollen tiefere Höchstvergütungsbeträge bei den Mieten.

Ypsomed warnt, dies könne auf lange Sicht dazu führen, dass die Firma in der Schweiz nicht mehr im bisherigen Mass produzieren könnte und Arbeitsplätze verloren gehen würden. Denn die Schweizer Herstellkosten seien mit denen im Ausland nicht vergleichbar. Solche Strukturen mögen Argumente dafür sein, warum die Preise für Insulinpumpen in der Schweiz höher sind als in Europa. Aber ebenso gibt es Gründe dafür, warum hiesige Unternehmenssteuern nicht so stark gesenkt werden sollten, wie Ypsomed-Präsident Willy Michel das fordert.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch