«Ich freue mich auf die Schweiz»

Hat der abtretende CS-Chef Brady Dougan schon Zukunftspläne? Mit welchen Vorsätzen übernimmt sein Nachfolger Tidjane Thiam? thunertagblatt.ch/Newsnetz berichtete live von der Pressekonferenz.

«Tidjane und ich sind Freunde»: Brady Dougan (rechts) und sein Nachfolger Tidjane Thiam an der Pressekonferenz. (10. März 2015)

«Tidjane und ich sind Freunde»: Brady Dougan (rechts) und sein Nachfolger Tidjane Thiam an der Pressekonferenz. (10. März 2015)

(Bild: Keystone)

15.30 Uhr – Die Pressekonferenz beginnt

Der zukünftige CEO Tidjane Thiam, Verwaltungsratspräsident Urs Rohner und der abtretende CEO Brady Dougan nehmen Platz. Rohner beginnt mit einem persönlichen Statement: Er freue sich, die Zukunft mit Thiam zusammen zu bestreiten. Er lobt Thiam als erfahrenen CEO mit einem Fokus auf den asiatischen Markt.

«Brady Dougan hat unsere Bank bedeutend geprägt», so Rohner weiter. «Dafür sind wir ihm dankbar.»

15.35 Uhr

Dougan ergreift das Wort. «Ich bin auf vieles stolz», sagt er. Die CS sei vorwärtsgekommen in den letzten Jahren, «wir haben einen ausgezeichneten Job gemacht bei der Weiterentwicklung der Bank». Dougan lobt die Angestellten der CS, sie seien loyal und motiviert. «Ich liebe dieses Unternehmen.»

Dann kommt Dougan auf seinen Nachfolger zu sprechen. Er lobt ihn als erfahrenen Manager. Er freue sich sehr, dass Thiam Ende Juni den Posten übernehme.

15.40 Uhr

Thiam stellt sich persönlich vor, und zwar auf Deutsch. «Ich werde alles daransetzen, den Vertrauensvorschuss, der mit meiner Ernennung verbunden ist, zu rechtfertigen.» Die CS sei ihm gut bekannt, «ich weiss um ihre Bedeutung für die Schweizer Wirtschaft und für die Schweiz als Land». Er freue sich sehr auf seine neue Aufgabe. «Es ist mir bewusst, dass viel Neues auf mich zukommen wird.»

Thiam entschuldigt sich: «Mein Deutsch ist etwas rostig geworden. Aber: Im Alter von 18 Jahren war mein Deutsch besser als mein Englisch.» Er werde die nächsten Jahre nutzen, um die Sprache wieder auf den neusten Stand zu bringen. Dann wechselt Thiam ins Französische.

15.45 Uhr

«Tidjane und ich sind Freunde», sagte Brady Dougan. Die Credit Suisse verbreitet die Worte auf Twitter.

15.50 Uhr

Urs Rohner ergreift wieder das Wort. Er verweist auf die wichtige Rolle, welche die Vermögensverwaltung bei der CS in Zukunft spielen soll. Ausserdem wolle man die Stellung in neuen Märkten festigen. Dafür sei Thiam genau der richtige Mann.

16.15 Uhr

Die Fragerunde ist eröffnet. Ein Journalist spricht das Investmentbanking an: Wird der Geschäftsbereich weiter zurückgefahren? Man werde mit der bisherigen Strategie weiterfahren, antwortet Rohner.

Nächste Frage: Auf welche Kriterien wurde bei der Suche nach dem neuen CEO geachtet? Und wie wurde die Wahl gefeiert? Die zweite Frage könne er nicht beantworten, sagt Rohner, das sei privat. Zur ersten: Der Entscheidungsprozess habe sich über mehrere Monate erstreckt. «Wir suchten nach einer Kombination: Wir wollten jemanden, der Erfahrungen in der Vermögensverwaltung und als CEO hat.»

Frage an Thiam: Wie konnten Sie den Verwaltungsrat von sich überzeugen? Thiam hält sich vornehm zurück und will nicht antworten. «Er überzeugte uns mit allem», antwortet Rohner an seiner Stelle.

Und wie hat die Credit Suisse Thiam von sich überzeugt? Mehrere Faktoren hätten eine Rolle gespielt, sagt dieser. Er kenne die Bank schon länger, sie biete gute Wachstumsmöglichkeiten in Märkten, die ihn interessierten, namentlich Asien.

Wird Thiam in der Schweiz leben? «Diese Frage ist leicht zu beantworten: ja», sagt er. Er freue sich sehr darauf.

Die nächste Frage richtet sich an Brady Dougan: Wenn er zurückblickt auf seine Zeit als CS-Chef, was sieht er? Gibt es Dinge, die er bereut? Und was will er in Zukunft tun? Es gebe einige Dinge, auf die er stolz sei, antwortet Dougan. «Wir haben die Finanzkrise gut gemeistert.» Man habe auch viele Altlasten aus der Welt räumen können. «Habe ich Fehler gemacht? Nun, ich hätte vieles anders machen können.» Das sei aber eine längere, andere Geschichte, so Dougan. Jetzt gehe es darum, den Übergang so reibungslos wie möglich zu gestalten.

Welche persönlichen Fähigkeiten bringt Thiam mit? Er sei aufmerksam, interessiere sich für andere Menschen, antwortet dieser. Das Handeln sei ihm wichtiger als das Reden.

Thiam wird auf seine bescheidene Erfahrung im Banking-Sektor angesprochen. Er habe in seiner Karriere genügend mit Banking zu tun gehabt, sagt Thiam. Er sei zuversichtlich, dass er genug Wissen mitbringe, um eine Bank zu führen.

Dougan wird nochmals nach seinen Zukunftsplänen gefragt. Er habe sich noch nicht damit auseinandergesetzt, wiederholt Dougan, «das wäre nicht angebracht gewesen». Er habe seine ganze Energie in die Bank gesteckt. Man habe auch noch nicht darüber gesprochen, ob er für die Konkurrenz arbeiten dürfte.

Hat Thiam sich Gedanken darüber gemacht, wie die Schweizer der Immigration gegenüberstehen, als er den Posten antrat? «Ich bin positiv eingestellt», sagt Thiam. Er sei sehr nett willkommen geheissen worden in der Schweiz. Die Schweizer habe er immer als offen wahrgenommen.

16.30 Uhr – Die Pressekonferenz ist beendet

AUSGANGSLAGE

«Der richtige Zeitpunkt ist gekommen»

Wechsel an der Spitze der Credit Suisse: Konzernchef Brady Dougan tritt Ende Juni nach acht Jahren an der Spitze der Bank zurück. Sein Nachfolger wird Tidjane Thiam, bisheriger Chef des britischen Versicherers Prudential, wie die Credit Suisse mitteilte.

Spekulationen über einen Rücktritt von Dougan hatte es in den letzten Jahren immer wieder gegeben. Der US-Amerikaner hatte 2007 die Konzernleitung der Credit Suisse (CS) von Oswald Grübel übernommen. Er führte die Grossbank damit durch die Finanzkrise.

Dougan habe die CS in den vergangenen Jahren trotz sehr anspruchsvoller Rahmenbedingungen und erheblichem Gegenwind auf Kurs gehalten und zusammen mit der Geschäftsleitung auch schwierigste Herausforderungen gemeistert, wird Verwaltungsratspräsident Urs Rohner denn auch in der Mitteilung zitiert.

Die CS sei Dougan «für seinen langjährigen beispiellosen persönlichen Einsatz, seinen grossen Beitrag und seine Führungskraft zugunsten der Credit Suisse sehr dankbar», hiess es weiter. Es sei für ihn «der richtige Zeitpunkt gekommen, die Aufgabe des CEO abzugeben», wird Dougan seinerseits zitiert.

Kritik wegen hohen Lohns

Dougan war allerdings auch wegen exorbitanten Lohnbezügen in der Kritik gestanden – so hatte er 2010 zusätzlich zu seinem branchenüblichen Gehalt einen Bonus von 71 Millionen Franken erhalten.

In den letzten Jahren war ihm zudem vermehrt vorgeworfen worden, dass die CS ihr Geschäftsmodell weniger stark umstellte als etwa die UBS und stärker am Investmentbanking festhielt.

Kritik und gar eine Rüge der Nationalbank erhielt die CS nicht zuletzt wegen eines deutlich langsameren Aufbaus der Eigenkapitaldecke als bei anderen Instituten. Insgesamt hatte sich auch der CS-Aktienkurs schwächer entwickelt als derjenige der Konkurrenten.

Aktienkurs schiesst in die Höhe

Nach der Ankündigung von Dougans Rücktritt ist der Kurs der Credit-Suisse-Aktie an der Börse allerdings in die Höhe geschnellt. Bei Handelseröffnung notierten die Wertpapiere bei 25.25 Franken und damit 8,8 Prozent höher als am Vorabend. Auf dieser Höhe konnte sich der Kurs dann mehr oder weniger halten.

Der 55-jährige Dougan war im Handelsgeschäft, dem Investmentbanking, gross geworden. Er begann als Manager im Derivategeschäft einer US-Bank und wechselte 1990 zur Credit Suisse First Boston.

Bei der früheren CS-Investmenttochter arbeitete er sich nach oben. Ab 2004 leitete er das Investmentbanking. Dougan, der an der Universität Chicago Wirtschaftswissenschaften studiert hat, ist mit einer Professorin für Biomedizin verheiratet und Vater eines Sohns und einer Tochter aus erster Ehe.

Nachfolger von extern

Dougans Nachfolger Tidjane Thiam sei im Rahmen eines sorgfältigen Auswahlprozesses, in den sowohl interne als auch externe Kandidaten einbezogen waren, vom Verwaltungsrat ausgewählt worden, hiess es.

Thiam ist in der Elfenbeinküste geboren und wuchs in Frankreich auf. Dort studierte er auch. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit bei McKinsey in Paris und New York arbeitete er in der Elfenbeinküste für die Regierung, zuletzt als Minister für Planung und Entwicklung, bevor er als Partner wieder zu McKinsey nach Paris zurückkehrte.

Von 2002 bis 2008 war Tidjane Thiam gemäss Credit Suisse in leitenden Funktionen für die Versicherungsgesellschaft Aviva tätig. Beim britischen Versicherer Prudential war er zuerst Finanzchef, ehe er 2009 die Konzernleitung übernahm.

Thiam ist verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Kindern und spricht Englisch, Französisch und Deutsch. Er ist Bürger von Frankreich und der Elfenbeinküste. (sda)

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