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Info-Chaos bei Swisscom nach Datenklau

Im Gegensatz zu den VIP erfahren normale Kunden nur auf Anfrage, ob sie vom Datenleck betroffen sind. Das reicht nicht, wie ein prominenter Fall zeigt.

Caroline Freigang

Die Meldung kam versteckt: Gestern um 9 Uhr früh verschickte die Swisscom die Medienmitteilung: «Swisscom verschärft Sicherheitsmassnahmen für Kundenangaben». Erst nach drei Absätzen wird klar: 800'000 Swisscom-Kunden sind von einem gigantischen Datenleck betroffen. Unbekannte haben Zugang zu Telefonnummern, Namen, Adressen und Geburtsdaten von Swisscom-Kunden erhalten. Ob sie betroffen sind, konnten Kunden nur herausfinden, indem sie den Begriff «Info» an die Nummer 444 schickten.

Die Verunsicherung unter den Kunden ist gross – vor allem bei Nutzern mit mehreren Verträgen beim Telecomanbieter. Dass hier die Info-Hotline nicht ausreichen dürfte, legt zumindest ein Fall nahe. Balthasar Glättli, Nationalrat der Grünen und Swisscom-Kunde, berichtet, er sei von der Swisscom angeschrieben worden: Auch Glättlis Rufnummer und Kundenangaben seien vom Datenleck betroffen. Glättli machte den Test via der Nummer 444. Die überraschende Antwort: Er sei nicht betroffen.

«Müssen an der Korrektheit der Info zweifeln»

Glättli sagt, er sei überrascht und verunsichert. «Andere Kunden, die von der Swisscom die SMS-Auskunft erhalten, dass sie nicht betroffen seien, müssen nun an der Korrektheit der Info zweifeln.»

Konfrontiert mit dem Fall, schreibt die Swisscom, dass der betreffende Kunde mehrere Anschlüsse bei der Swisscom habe: einen Datenanschluss und einen Voice-Anschluss. «Nur sein Datenanschluss war betroffen, deshalb hat die Anfrage über den Voice-Anschluss keinen Treffer ergeben», so Sprecher Armin Schädeli.

VIP-Kunden per Mail informiert

Glättli bestätigt, er habe eine SIM-Karte für Daten im Laptop und eine für Telefonate. Ohne das Mail der Swisscom wäre er aber nicht darauf aufmerksam geworden, dass der Datenanschluss im Laptop betroffen sein könnte. Doch da im E-Mail nicht explizit die Nummer der betroffenen SIM-Karte genannt ist, kam Glättli nicht auf die Idee, dass seine Datenkarte betroffen sein könnte. Die Information der Swisscom war seiner Meinung nach in diesem Fall also unzureichend.

Und das, obwohl Glättli bereits eine Spezialbehandlung des Telecomanbieters geniesst: Parlamentarier werden gemäss «Schweiz am Sonntag» automatisch ins VIP-Programm «Priorité» der Swisscom aufgenommen. Auf die Frage, welche Personen proaktiv via E-Mail informiert wurden, sagt Sprecher Schädeli: «Neben Herrn Glättli wurden einige VIP-Kunden zeitgleich informiert.» Angaben, wer als VIP-Kunde geführt wird und wie viele Personen das betrifft, will Swisscom nicht machen.

Kunden müssen sich aktiv informieren

Möglich ist also, dass weitere «normale» Kunden mit mehreren Anschlüssen keine ausreichenden Informationen über die Info-Hotline erhalten. Eine Zahl, wie viele der Swisscom-Kunden mehrere Anschlüsse haben, will Swisscom-Sprecher Schädeli nicht nennen. «Es wäre falsch, aus diesem Beispiel den Schluss zu ziehen, dass die Informationen über die SMS-Anfrage unzureichend sind», sagt er. Glättli dagegen meint: «Ich habe noch nie SMS via Laptop-SIM gesendet und hätte auch nicht daran gedacht.»

Auch Personen mit nur einem Anschluss dürften weiterhin im Dunklen tappen, dass ihre Daten missbraucht wurden: Die breite Masse der Kunden muss sich nämlich weiter über die 444-Nummer aktiv informieren und erhält keine Mail. Glättli fordert deshalb: «Ich verlange, dass die Swisscom alle betroffenen Kundinnen und Kunden aktiv informiert, wo möglich per SMS und auf jeden Fall schriftlich im Rahmen der nächsten Rechnung.»

Ohnehin fragt sich, wieso die Swisscom erst jetzt – Monate nach Entdecken des Datenlecks ihre Kunden informiert. Schädeli sagt dazu: «Für uns war es wichtig, zuerst unsere Sicherheitsmassnahmen umzusetzen, bevor wir mit der Information an die Öffentlichkeit gehen.» Mittlerweile sei ein Grossteil der Massnahmen umgesetzt, und deshalb habe man umfassend informiert.

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