Japanische Unternehmen schliessen mangels Arbeitskräften Filialen

Die Überalterung der Gesellschaft lässt Japans Arbeiterschaft schrumpfen. Der Wirtschaft drückt dies auf die Gewinne – doch Arbeitnehmer profitieren.

Viele Firmen haben Probleme bei der Besetzung von Stellen: Arbeitswillige studieren die Broschüre eines Unternehmens.

Viele Firmen haben Probleme bei der Besetzung von Stellen: Arbeitswillige studieren die Broschüre eines Unternehmens.

(Bild: Reuters)

Japan kämpft mit ähnlichen Problemen wie die Schweiz: Japanischen Unternehmen fällt es immer schwerer, genügend Arbeitskräfte zu finden. In einer Umfrage gaben etwa 60 Prozent der Firmen Probleme bei der Stellenbesetzung an.

Die zunehmend schwierige Lage treibt demnach die Kosten hoch und schmälert den Gewinn. Besonders stark betroffen sind der Detailhandel, aber auch der Automobil- und Bausektor.

Überalterung der Gesellschaft

Der von Nikkei Research im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters vorgenommenen Umfrage zufolge gaben 80 Prozent der Detailhändler an, die Beschäftigungslage sei schwierig. Bei Bau- und Immobilienunternehmen betrug die Quote 72 Prozent sowie im Automobilsektor 70 Prozent.

Hintergrund der Engpässe ist die zunehmende Überalterung der Gesellschaft in Verbindung mit der begrenzten Einwanderung. Es wird erwartet, dass die Zahl der Japaner im Arbeitnehmer-Alter bis 2030 um 13 Millionen sinkt. Eine Lösung sei vielleicht in 30 bis 50 Jahren denkbar, sagte Shintaro Okuno von Bain & Co Japan. «In den kommenden fünf bis zehn Jahren könnte sich der Trend fortsetzen», warnte er.

Mehr Pensionäre und Ausländer

Zahlreiche japanische Unternehmen haben sich in jüngster Zeit über die Situation beklagt. «Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist sehr schwierig geworden», erklärte der Vize-Präsident des Detailhändlers Aeon, Yoshiki Mori, im vergangenen Monat. Sein Unternehmen versuche nun, Teilzeit-Arbeiter in die Vollzeit zu locken. Zudem sollten mehr Pensionäre und Ausländer angestellt werden.

Die Baumarktkette Komeri hat mit Hinweis auf fehlende Arbeitskräfte ihre Expansionspläne auf den Prüfstand gestellt. Andere Unternehmen – darunter auch Gaststätten – haben ganze Filialen schliessen müssen.

Ein Manager eines Elektronik-Unternehmens konnte der Situation trotz der gestiegenen Kosten allerdings auch etwas Positives abgewinnen. «Das bedeutet für die Angestellten ein besseres Leben und langfristig steigen die Konsumausgaben», schrieb er. «Es hat auch seine guten Seiten.»

Befragt wurden vom 4. bis zum 18. August 487 Unternehmen unter Zusicherung der Anonymität. Davon beantworteten 270 die Fragen zur Beschäftigungslage.

Fachkräfte fehlen auch in der Schweiz

In der Schweiz zeigt sich ein ähnliches Bild. Diese Woche etwa beklagte sich der Dachverband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie, Swissmem, über den Mangel an Fachkräften. Der Fachkräftemangel werde durch die Masseneinwanderungsinitiative zusätzlich befeuert.

Der Verband hat deshalb eine Strategie erarbeitet, um das inländische Arbeitskräftepotenzial besser auszuschöpfen. Die Strategie setzt auf die Nachwuchsförderung, will den Anteil der Frauen in der Industrie erhöhen sowie ältere Mitarbeitende länger im Arbeitsprozess halten.

mw/sda

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