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Kurers Tage sind wohl gezählt

Zu viel war passiert. Seit über 18Monaten musste UBS-Konzernchef Marcel Rohner laufend üble Nachrichten verkünden: Milliardenverluste, Kundengeldabflüsse, Stellenabbau, der Bittgang zum Staat und zuletzt auch noch der Eklat in der US-Steueraffäre. Das zermürbte.Aber auch für Kurer wird die Luft dünn und dünner.

Rohner erschien persönlich integer und bodennah. Doch viele Beobachter fragten sich, ob er seiner Herkulesaufgabe gewachsen war. Er war als langjähriges Konzernleitungsmitglied mitverantwortlich für die Debakel der Vergangenheit, er war als Konzernchef kein grosser Kommunikator, er schreckte vor radikaleren Abbaukuren zurück, und er wirkte am Ende bei seinen öffentlichen Auftritten müde. Anfang Jahr, so schreibt Rohner, habe er dem Verwaltungsrat seine Absicht mitgeteilt, nach der Neuausrichtung der Bank und nach «dem Erreichen der Gewinnzone» als Konzernchef zurückzutreten. Der Umbau der Bank ist nicht abgeschlossen, und Konzerngewinne sind noch nicht sichtbar. Doch Rohner war spätestens mit der Eskalation der US-Steueraffäre in der vergangenen Woche zur Hypothek mutiert.So schlimm die erste UBS-Rettungsaktion des Staats im Oktober 2008 war: Die zweite Rettungsaktion mit der Herausgabe von UBS-Kundendaten an die amerikanischen Justizbehörden war kaum weniger schlimm – und dies nicht wegen der politischen Folgen für das Schweizer Bankgeheimnis. Es war vielmehr eine nationale Demütigung: Die Schweiz musste den normalen Rechtsweg aushebeln, «nur» weil die USA eine einzige Schweizer Firma (dummerweise eine Grossbank) in Geiselhaft nahmen.Rohner ist im Moment in den USA nicht persönlich angeklagt. Aber er trägt als langjähriger Vermögensverwaltungschef der UBS eine direkte Mitverantwortung für die Beihilfe der Bank zum mutmasslichen Steuerbetrug von US-Kunden. Und wenn er persönlich nichts gewusst haben sollte, muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er nichts wissen wollte – weil die Gewinne stimmten.Ähnliches gilt auch für Verwaltungsratspräsident Peter Kurer, der als ehemaliger Chefjurist der Bank ebenfalls eine Mitverantwortung für die Steueraffäre trägt. Nicht zuletzt deshalb sind wohl auch Kurers Tage an der Bankspitze gezählt. Ein gleichzeitiger Rücktritt von Präsident und Konzernchef wäre allerdings eher kontraproduktiv: Es sähe nach Panik aus und könnte ein erhebliches Vakuum hinterlassen. Gut denkbar ist aber dies: Kurer verkündet bis zur Generalversammlung vom 15. April, dass er auf die Ausdehnung seiner Amtszeit verzichte oder nur noch eine befristete Verlängerung anstrebe. Wie rasch sich ein besserer Nachfolger finden liesse, ist allerdings eine offene Frage.Immerhin: Für die Konzernspitze hat die UBS nun mit dem ehemaligen Credit-Suisse-Chef Oswald Grübel einen Nachfolger gefunden, den wenigstens die Märkte als deutlich besser als seinen Vorgänger einstufen: Wohl vor allem wegen der Ankündigung des Chefwechsels hat die UBS gestern ihren Börsenwert um fast 5 Milliarden Franken (16 Prozent) gesteigert.Der heuer 66-jährige Grübel kam 2002 aus seiner Frühpension, um die Credit Suisse zu sanieren. Nun kommt er zum zweiten Mal aus der Rente und soll auch noch die UBS sanieren. Warum tut er sich das noch an? Er hat seine Karriere gemacht, er verliess die CS im Mai 2007 auf dem Höhepunkt seines Ruhms (und der Marktkurse), und eigentlich müsste er niemandem mehr etwas beweisen. Vielleicht vermisste er den Adrenalinrausch. Vielleicht hofft er auf ein Denkmal als Sanierer beider Grossbanken – das ihm der Finanzplatz Schweiz im Erfolgsfall wohl setzen müsste.Grübel ist kein Netter. Und die Politik, die sich bei der Staatsbank UBS unweigerlich einmischt, ist nicht sein Ding. Zudem ist Grübel als jahrzehntelanger Credit-Suisse-Manager ein Mann des Systems. Er kritisierte zwar zuweilen aus seinem Rentnerdasein abzockende Bankmanager, hatte aber in seiner Aktivzeit selbst kräftig zugelangt. Und wie rein die Weste der Credit Suisse in Steuersachen ist, bleibt eine offene Frage.Grübel ist ein Mann fürs Grobe, ein Macher mit Leistungsausweis, ein Kenner der Finanzmärkte und ein erfahrener Bankmanager. Das verleiht ihm als neuem UBS-Chef sowie der Bank selbst kurzfristig ein Stück Vertrauen – an den Finanzmärkten und vielleicht auch bei den Kunden. Doch Vorschusslorbeeren sind schnell aufgebraucht. Am Ende werden die Resultate zählen.

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