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McKinsey verkauft nun BHs und Kosmetikprodukte

Warum der Beratungsriese nun plötzlich einen eigenen Laden in einem riesigen Einkaufszentrum betreibt.

Die Schmuckmarke Kendra Scott ist eine der Teilnehmerinnen im Laborladen. Foto: PD
Die Schmuckmarke Kendra Scott ist eine der Teilnehmerinnen im Laborladen. Foto: PD

Konsulenten von McKinsey, bislang stets in Büroetagen aufzufinden, steigen hinab in die Arena des Einzelhandels. Der Beratungsgigant eröffnete im riesigen Einkaufszentrum Mall of ­America bei Minneapolis einen eigenen Mode- und Kosmetikladen.

Unter dem Namen Modern Retail Collective verkauft McKinsey dort vorerst Büstenhalter und Schönheitsprodukte an eine Zielkundschaft von jüngeren ­Frauen. Die Beratungsfirma steht nicht selbst an den Kassen, sondern gibt Einzelhändlern ­abwechselnd Gelegenheit, neue Verkaufskonzepte und -technologien zu erkunden. McKinseys andere Partner sind Marketing- und Techno­logiefirmen, darunter Microsoft.

Präzises Tracking-System

In der ersten Pop-up-Runde erhalten vier Beauty-Ketten bis Ende Jahr Gelegenheit, ­innovative Verkaufsmethoden auszutesten, ohne selbst Ladenmiete zahlen zu müssen. Beim Schmuckhändler Kendra Scott können Kundinnen Armbänder und Ketten über Bildschirme selbst designen. Weitere Teilnehmer im Laborladen sind die Kosmetikverkäufer Elevé Cosmetics und type:A Deodorant sowie die ­Unterwäsche-Kette Third ­Love. Der Nutzen des Testladens für McKinsey und die am Versuch beteiligten Firmen ist gleichermassen gross: Wohin sich die Kundinnen bewegen und wie lange sie an den ­Verkaufsständen verweilen, wird von einem ausge­feilten Tracking-System präzise registriert. Die daraus hervorgehenden Daten und ­Analysewerte «helfen den Einzelhändlern, ihre eigene Vision für den Laden der Zukunft zu entwerfen», sagt der McKinsey-Partner Praveen Adhi. Und nicht zuletzt helfen die Erkenntnisse auch McKinsey bei künftigen Beratungsmandaten im Detailhandelsbereich.

Im McKinsey-Laden gibt es sogenannte Smart Mirrors, mit de­nen Kundinnen über spiegelnde Bildschirme ausserhalb der Umkleidekabinen anprobieren können. Interaktive Hotspots liefern auf Wunsch Produktinforma­tionen aufs Mobiltelefon. Neue Bezahlmodelle an den Kassen akzeptieren etwa auch Kryptowährungen.

Nach eigenen Angaben glaubt das Beratungsunternehmen an physische Läden. Doch ­McKinsey hat herausgefunden, dass in der Kleiderbranche für die Auswahl oder den Kauf in 60 Prozent der Fälle eine digitale Interaktion stattfindet. Gerade jüngere Konsumenten erwarten beim Kleider­kauf eine technologische oder Onlinekomponente.

Ladensterben in den USA

McKinsey ist überzeugt: Wenn Modeketten diesen Zug verpassen, sind sie nicht für die Zukunft gerüstet. Ein Beispiel könnte Forever 21 abgeben. Die Kette mit kostengünstiger Mode ging am Sonntag in Konkurs. Nach der Meinung von Fachleuten ­reagierte Forever 21 nicht schnell genug auf die zunehmende Neigung der jüngeren Kundschaft, Mode online einzukaufen.

Den Hintergrund für das Modern Retail Collective liefert ein sich beschleunigendes Ladensterben. Gemäss Coresight Research haben 2019 in den USA über 8000 Einzelhändler ihre Ladentüren geschlossen. Es wird erwartet, dass bis Ende Jahr – trotz gut laufender Konjunktur – weitere 4000 Lokalitäten eingehen werden.

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