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Michael Pieper will bei Feintool «klare Verhältnisse» schaffen

Die Beteiligungsgesellschaft Artemis des Industriellen Michael Pieper will den Lysser Industriekonzern Feintool vollständig übernehmen. Artemis besitzt bereits einen Drittel an Feintool.

Ein Mitarbeiter von Feintool bei der Arbeit.
Ein Mitarbeiter von Feintool bei der Arbeit.
Urs Baumann

Die Beteiligungsgesellschaft bietet den restlichen Aktionären 350 Fr. pro Namenaktie, wie sie am Montag mitteilte. Dies entspreche einer Prämie von 11,1 Prozent gegenüber dem letzten Kurs der Feintool-Aktie. Mit der vollständigen Übernahme will Artemis bei der in der Feinschneide- und Umformtechnologie tätigen Firma klare Mehrheitsverhältnisse schaffen für eine effiziente Führung und strategische Ausrichtung.

Die Angebotsfrist läuft voraussichtlich vom 15. Februar bis zum 14. März 2011. Das Angebot gilt unter anderem als erfolgreich, wenn die Artemis Beteiligungen III AG nach Ablauf der Frist mindestens 50,1 Prozent aller Feintool-Aktien besitzt, wie es weiter heisst.

Verwaltungsrat prüft Angebot

Pieper wird in der Medienmitteilung zitiert, Feintool brauche im Interesse aller klare Verhältnisse. Feintool teilte mit, der Verwaltungsrat habe vom Angebot Kenntnis genommen und werde es prüfen. Detaillierte Informationen zum Angebot will Artemis am 31. Januar veröffentlichen.

Pläne, Feintool mit anderen Unternehmen aus seinem Portfolio zu verschmelzen, bestehen einem Sprecher Piepers zufolge nicht. Neben seiner eigenen Firma, der im Küchenbau tätigen Franke, ist Pieper Grossaktionär der Industriefirmen Forbo, Adval Tech und Rieter.

Die anderen Grossaktionäre sind Fritz Bösch, der Gründer von Feintool (29,3 Prozent) und Geocent (9,1 Prozent). Bösch wollte am Morgen gegenüber der «Berner Zeitung» keine Stellung nehmen. Geocent ist eine Immobilien- und Vermögensverwaltungsgesellschaft, die der mit Uhrenherstellung (Rolex) zu Reichtum gekommenen Familie Borer gehört.

«Unseres Erachtens wäre die Übernahme von Feintool durch ihren grössten Aktionär angesichts des sehr geringen Streubesitzes und der äusserst geringen Liquidität der Aktie eine gute Lösung für alle Aktionäre, einschliesslich der Minderheitsaktionäre», schreibt Vontobel-Analyst Fabian Haecki im aktuellen Morgenkommentar. «Zudem halten wir den Kaufpreis für attraktiv und empfehlen den Aktionären, ihre Aktien anzudienen.»

Die Feintool-Aktie legte am Morgen um knapp elf Prozent auf 349,25 Franken zu.

Rosarote Zahlen im abgelaufenen Geschäftsjahr

Feintool hatte im Dezember für das Geschäftsjahr 2009/10 (Ende September) einen Reinverlust von 2,2 Millionen Fr. ausgewiesen. Der Verlust kam nach einem Jahr der Erholung wegen hoher Finanzierungskosten zustande. Der Umsatz stieg um über 10 Prozent auf 373,6 Millionen Franken, operativ war Feintool wieder profitabel.

Das Jahr zuvor war für die Lysser zum Katastrophenjahr geworden. Sie fielen so tief wie nie zuvor in der Firmengeschichte und hatten einen Rekordverlust von 67,5 Millionen Franken zu verkraften.

Die Gruppe griff hart durch und schloss die defizitäre Mühlemann AG in Biberist SO. Damit gab Feintool die unrentablen Kunststoff-Verbundkomponenten auf. Zudem wurde der Standort Aarberg dicht gemacht und verkauft. Restrukturierungen erfolgten daneben im kriselnden US-Geschäft. Die auf Feintool-Anlagen hergestellten Teile kommen in der Autoindustrie beispielsweise bei Sitzverstellungen, Bremsen und Getrieben zur Anwendung.

SDA/met

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