Millionenverlust: BLS stampft Softwareprojekt ein

Bei Betriebsstörungen schneller reagieren – das war das Ziel eines neuen Programms. Der BLS ist dieses jedoch zu langsam. Kostenpunkt: Mindestens 20 Millionen Franken.

Die BLS plant den Einsatz ihres Personals und der Züge mit einem über 15 Jahre alten Tool.

Die BLS plant den Einsatz ihres Personals und der Züge mit einem über 15 Jahre alten Tool.

(Bild: Archiv/Tobias Anliker)

Die BLS stoppt die Einführung einer neuen Software, mit der der Einsatz von Personal und Rollmaterial hätte geplant werden sollen. In der Testphase erwies sich die Lösung als zu langsam.

Die neue Software hätte insbesondere auch bei Betriebsstörungen zum Einsatz kommen sollen. Gerade bei kurzfristigen Störungen erwies sie sich aber als zu langsam. «Das Risiko wäre zu gross, bei Betriebsstörungen nicht rasch genug reagieren zu können», schreibt das Bahnunternehmen in einer Mitteilung vom Dienstag.

Trotz gemeinsamer Anstrengungen mit dem Hersteller habe man schliesslich feststellen müssen, dass die Software die Anforderungen der BLS mittelfristig nicht erfüllen könne. Zusätzliche Anpassungen der Software wären unter dem Strich zu teuer geworden. Deshalb beschloss die BLS den Abbruch des Projekts.

Millionenschwere Wertberichtigung

Dies hat finanzielle Folgen für die BLS: So wird das Jahresergebnis 2019 durch eine Wertberichtigung belastet. Diese liege aus heutiger Sicht zwischen 20 und 23 Millionen Franken, so die BLS.

Mehr als 60 Prozent machen dabei Eigenleistungen wie Lohnkosten der Projektmitarbeitenden aus, welche durch ihre Aktivierung die vergangenen Jahresrechnungen entlastet.

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV begrüsste den Projektabbruch laut Mitteilung vom Dienstag. SEV-Vertreter hätten einen solchen Schritt intern bereits mehrfach gefordert. Der Projekt-Stopp «ist ein Vernunftsentscheid, der allerdings etwas spät kommt», heisst es in der SEV-Mitteilung.

Sorgen bereiten dem SEV die 20 bis 23 Millionen Franken, die die BLS ins Kamin schreiben muss. Es gehe nicht an, dass das Personal dafür bezahlen müsse, betont der SEV.

Das Personal habe in den vergangenen Jahren schon etliche Sparprogramme über sich ergehen lassen müssen. Zu weiteren solchen Massnahmen dürfe der finanzielle Schaden nicht führen. Denn: «die Verantwortung dafür liegt allein bei der Projektleitung.»

Vorläufig bleibt das alte System

Die BLS arbeitet seit 2003 mit einer Softwarelösung namens Rail-Opt. Die Planung mit diesem Instrument sei «sehr zeitintensiv», weshalb die Bahnverantwortlichen 2016 beschlossen, die Software bis 2021 durch ein neues, schnelleres System abzulösen.

Die BLS transportiert täglich 160'000 Personen. Eine funktionierende Einsatzplanung von Zügen und Personal sei für den Bahnbetrieb unerlässlich, betont die BLS. Gerade bei Störungen gelte es, rasch und flexibel zu reagieren, damit die Reisenden nicht unter Verspätungen litten.

Die Einsatzdauer von RailOpt kann um mindestens fünf Jahre verlängert werden, wie das Bahnunternehmen in seiner Mitteilung weiter schreibt. Unbestritten bleibt für die BLS aber, dass die Software für die Ressourcenplanung modernisiert und verbessert werden soll.

Bessere Abgeltung gefordert

Projekte wie die Einführung eines neuen Ressourcenplanungssystems seien betrieblich notwendig, würden aber Unternehmen im regionalen Personenverkehr Risiken aussetzen, betont das Bahnunternehmen. Diese Risiken könnten nicht über die Einnahmen, also Abgeltungen und Ticketeinnahmen, finanziert werden.

Damit Unternehmen im öffentlichen Verkehr risikofähiger werden, fordert die BLS «entsprechende Regelungen und Abgeltungen».

mb/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt