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Noch trotzen IT-Konzerne der Finanzkrise

Nach IBM und Intel haben auch Google und AMD überraschend gute Geschäftszahlen bekannt gegeben. Die Frage ist: Wie lange hält das noch an?

Gute Nachrichten aus der amerikanischen Wirtschaft haben derzeit Seltenheitswert. Umso bemerkenswerter ist, dass in den letzten Tagen gleich mehrere Unternehmen positive Quartalsabschlüsse meldeten – alle in der IT-Branche. Google berichtete gestern, dass das Unternehmen im dritten Quartal 1,35 Milliarden Dollar Gewinn gemacht hat, 26 Prozent mehr als zur gleichen Zeit vor einem Jahr. Der Umsatz stieg um 31 Prozent auf 5,5 Milliarden. Zu verdanken hat der Internetriese dies den Online-Suchanzeigen, die trotz der Wirtschaftskrise blendend laufen. Konzernchef Eric Schmidt erklärte, dass das Umfeld zwar momentan generell unberechenbar sei, Google jedoch weiterhin gute Geschäfte machen werde. Analysten halten den Optimismus für gerechtfertigt, sind doch die Suchanzeigen das am schnellsten wachsende Segment im Internetmarkt. Sie werden unter anderem dazu verwendet, Surfer auf die eigene Webseite zu locken – auch in schlechten Zeiten etwas vom Letzten, für das die Werber das Budget streichen würden, glauben die Analysten. Ebenfalls optimistisch gibt sich Google-Mitbegründer Sergey Brin: «Meine Lieblingszeit als Manager sind Pleitezeiten – das bringt mehr Klarheit, was die Kunden wirklich wollen und wo die Prioritäten liegen sollten.»

Auch IBM sieht keinen Anlass, seine Geschäftsprognosen für 2008 zu reduzieren. Das gute Quartalsergebnis mit einem 20-prozentigen Gewinnsprung auf 2,8 Milliarden Dollar und einem Umsatzwachstum von 4,9 Prozent auf 25,3 Milliarden hat der Konzern neuen Aufträgen für seine IT-Dienstleistungen zu verdanken. Sie machen die Flaute im Hardware-Geschäft wett. Finanzchef Mark Loughridge betonte, dass sich die Konjunkturentwicklung weltweit schon dramatisch verschlechtern müsste, damit IBM seine Ziele für das Jahr noch verfehlen werde. Es gibt auch zurückhaltende Signale

Zurückhaltender geben sich Intel und AMD und signalisieren damit auch, dass sich die Branche nicht völlig von der kriselnden Finanzindustrie abkoppeln kann. Der Chip-Hersteller Advanced Micro Devices überraschte gestern seine Anleger mit einer deutlichen Verringerung seiner Verluste. Vor einem Jahr wies er noch einen solchen von 396 Millionen Dollar aus, nun sind es nur noch 67 Millionen. Konzernchef Dirk Meyer äusserte sich jedoch sehr vorsichtig zum vierten Quartal.

Deutlicher wurde Intel-Chef Paul Otellini, als er am vergangenen Dienstag die guten Zahlen seines Unternehmens präsentierte. So sagte er: «Die Finanzkrise kreiert Stresssignale, die unser Geschäft beeinträchtigen könnten. Für einige unsere Kunden hat die Krise nur geringe Folgen, andere sind allerdings sehr besorgt.» Dass ausgerechnet Otellini, der sonst eher als Optimist in der Branche gilt, derart skeptisch klingt, deuten die Analysten als schlechtes Zeichen.

Schwacher Absatz von Heimelektronik

Gespannt erwarten nun alle die Quartalszahlen von Apple, die nächste Woche veröffentlicht werden. Generell ist die Lage ziemlich düster für die Verkäufer von Heimelektronik. Die Nachfrage für Computer, Fernseher, DVD-Geräte, Fotoapparate und Videospiele ist kräftig rückläufig – hier sparen die finanziell gestressten Konsumenten als Erstes. Billig-Discounter setzen weniger um

Laut Master Card sind die Ausgaben für diese Güter verglichen mit der Vorjahresperiode um 13,8 Prozent gesunken; der tiefste Fall, seit Master Card diese Statistik 2003 begonnen hat. Auch die grossen Billig-Discounter wie Wal-Mart oder BJ's Wholesale Club melden fallende Umsätze in dieser Sparte. Schon jetzt bereitet sich die Branche auf das schlechteste Weihnachtsgeschäft seit Jahren vor. Für einige Händler wie Circuit City, die von der Heimelektronik leben, könnte der Einbruch existenzbedrohlich werden, falls die Verkaufsflaute länger anhält.

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