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Orell Füssli und Thalia spannen zusammen

Zwei bisherige Konkurrenten werden Freunde: Die Buchhändler Orell Füssli und Thalia planen ihre 36 Filialen in Zukunft gemeinsam zu betreiben. 40 bis 50 Stellen dürften verloren gehen.

Joint Venture angekündigt: Buchhandlung von Orell Füssli in Zürich, Buchhandlung von Thalia in Basel.
Joint Venture angekündigt: Buchhandlung von Orell Füssli in Zürich, Buchhandlung von Thalia in Basel.
Keystone

Da die Konkurrenz von Amazon, Apple und Google den hiesigen Buchhändlern immer mehr das Wasser abgräbt, spannen Thalia und Orell Füssli zusammen. Beide fusionieren ihr Buchhandelsgeschäft in einem Gemeinschaftsunternehmen. Damit wolle man die Herausforderungen im hiesigen Buchmarkt vereint meistern, teilen die beiden Firmen mit.

Der Buchhandel sei in den letzten Jahren im starken Wandel, sagte Orell-Füssli-Chef Michel Kunz in einer Telefonkonferenz. Weil die Menschen weniger Bücher läsen, nehme der Absatz jedes Jahr um 1 bis 2 Prozent ab.

Onlinekonkurrenz stärker

Zudem wanderten die Kunden immer mehr ins Internet ab. Der amerikanische Internethändler Amazon habe in den letzten Jahren den deutschsprachigen Markt sukzessive erobert und dürfte mittlerweile einen Marktanteil von 20 Prozent erreicht haben, sagte Kunz.

Und die Lesegewohnheiten ändern sich: Die wegen des Booms der Tabletcomputer immer verbreiteteren elektronischen Bücher machen den gedruckten Ausgaben zu schaffen. Apple und Google drängen immer in das Geschäft.

Das Zürcher Traditionsunternehmen Orell Füssli erlitt im Buchhandel 2011 bei einem Umsatz von 114 Millionen Franken wegen eines Abschreibers einen Betriebsverlust von 3,5 Millionen Franken. Die zum deutschen Douglas-Konzern gehörende Thalia erzielte in der Schweiz im vergangenen Jahr einen Umsatz von 131 Millionen Franken. Über das Ergebnis wollte Thalia-Vizepräsident Jürg Bodenmann nichts sagen.

Kräfte bündeln

Das neue Gemeinschaftsunternehmen von Orell Füssli mit Thalia sei eine Antwort auf die zunehmende Konkurrenz durch Amazon & Co. «Wir wollen unsere Kräfte bündeln, insbesondere im Internet», wo die Investitionen erheblich seien, sagte Kunz. Nur dadurch könne man genügend Substanz erreichen, um den ausländischen Konkurrenten Paroli zu bieten.

Nach dem grünen Licht der Eidgenössischen Wettbewerbskommission (Weko) werde das Filialnetz von Thalia und Orell Füssli zusammengelegt, sagte Kunz. Thalia betreibt hierzulande 22 Filialen, während Orell Füssli 14 Buchläden hat.

Die Überschneidungen beim Filialnetz seien gering, sagte Kunz. Nur in St. Gallen, Basel und Winterthur seien beide Buchhändler präsent. Was an diesen Standorten geschehe, werde man erst nach dem OK der Weko entscheiden.

Auch im Internet werde der Auftritt vereinheitlicht. Es werde ein gemeinsames IT-System geben. Zu Orell Füssli gehört der Onlinebuchladen books.ch, Thalia ist mit buch.ch im Internet präsent. Die Weko muss über die Zusammenlegung innert maximal fünf Monaten entscheiden.

Stellenabbau

Die Zusammenlegung hat Folgen fürs Personal. In den nächsten eineinhalb Jahren dürften 40 bis 50 Stellen abgebaut werden, sagte Kunz.

Synergien gebe es bei der Logistik, beim Marketing und bei der Informatik. Grössenordnungen wollte Kunz nicht bekannt geben. Logistik und Einkauf würden zusammengeführt. Thalia beschäftigt 650 Mitarbeiter, die Orell Füssli Buchhandlungs AG hat 400 Angestellte.

Beifall und Kritik

Die Präsidentin des Buchhändler- und Verlegerverbandes (SBVV), Marianne Sax, begrüsste den geplanten Zusammenschluss von Orell Füssli und Thalia, der «vor 15 Jahren noch Entsetzen» ausgelöst hätte.

Ein gewisses Verständnis zeigte auch Syndicom-Co-Präsidentin Danièle Lenzin: Es sei nachvollziehbar, dass man mit geballter Kraft und einer Marke gegen die Konkurrenz im Internet vorgehen wolle.

Allerdings äusserte sich die Gewerkschafterin auch besorgt. Einerseits dürfte es beim geplanten Stellenabbau zu Entlassungen kommen. Anderseits könnten sich die Arbeitsbedingungen verschlechtern, weil Thalia im Gegensatz zu Orell Füssli keinen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) habe und tiefere Löhne bezahle.

Dies bestritten Kunz und Bodenmann: Bei einer groben Analyse der Anstellungsbedingungen habe man keine grossen Unterschiede zwischen beiden Firmen festgestellt. Im GAV von Orell Füssli seien beispielsweise Mindestlöhne geregelt, sagte Kunz: «An diese hält sich auch Thalia.»

SDA/mw

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