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Pensionskassen: Die Leistungen müssen überdacht werden

Die Finanzkrise zeigt die Schattenseite des schweizerischen Pensionskassensystems auf. Mehr Rendite bringt höheres Risiko.

Die Schweizer Altersvorsorge steht auf drei Beinen: AHV, Pensionskassen und steuerlich privilegiertes, privates Sparen. Auf dieses System sind wir ein bisschen stolz. Zu Recht: In normalen Zeiten erfolgt dank der AHV ein gerechter sozialer Ausgleich. Das Pensionskassenvermögen ermöglicht uns nicht nur ein Alter in Wohlstand, es stellt auch der Wirtschaft günstiges Kapital zur Verfügung. Das private Sparen fördert schliesslich auch die Eigenverantwortung.

Derzeit sind die Zeiten jedoch alles andere als normal. Die Finanzkrise bringt die Schattenseiten dieses Systems zutage. Vor allem die Pensionskassen werden stark von einbrechenden Aktienmärkten und Währungsturbulenzen getroffen. Dummerweise ist die zweite Säule aber inzwischen die wichtigste geworden. Besteht also Grund zu Sorge?

System nicht in Gefahr

Vorläufig nicht. Auch wenn gemäss dem Branchenverband Asip viele Pensionskassen eine Unterdeckung aufweisen, ist das System grundsätzlich nicht in Gefahr. Sollte die Krise jedoch noch lange dauern, wird sich der Druck verstärken. Das bedeutet, dass die Leistungen überdacht werden müssen: Der obligatorische Mindestzinssatz des Pensionskassenvermögens – soeben auf zwei Prozent gesenkt – wird weiter sinken, genau wie der Mindestumwandlungssatz. Dieser legt die Höhe der Rente im Verhältnis zum Altersvermögen fest. Derzeit liegt er bei 6,8 Prozent, soll aber gemäss Nationalratsbeschluss 2015 auf 6,4 Prozent gesenkt werden. Bereits jetzt fordert der Asip, diesen Termin vorzuziehen.

Das Geld, das in die Pensionskassen fliesst, stammt von Beiträgen der beiden Sozialpartner. Es wird nicht, wie bei der AHV, an die Rentner weiter geleitet (Umlageverfahren), sondern gespart (Kapitaldeckungsverfahren). Das bedeutet jedoch nicht, dass es «sicherer» ist. Unser Pensionskassenkapital liegt nicht in einem Tresor, sondern es ist investiert, in Immobilien, Obligationen oder Aktien. Das erhöht die Rendite, aber auch die Krisenanfälligkeit. Die Renten aus der zweiten Säule sind trotz Kapitaldeckungsverfahren nicht sicherer als die AHV.

Handicap im Standort-Wettbewerb

Die zweite Säule hat einen weiteren Nachteil. Sie wird zum Handicap im Standort-Wettbewerb. Besonders deutlich zeigt sich dies derzeit in der amerikanischen Autoindustrie. Sie ist nicht nur wegen schlechten Produkten in der Krise, sondern auch, weil GM, Ford und Chrysler Milliarden an Pensionszahlungen ausschütten müssen. Wenn die US-Regierung derzeit der Autoindustrie 25 Milliarden Dollar an Subventionen zukommen lassen will und bereits ernsthaft an eine Verstaatlichung denkt, dann will sich auch einen wichtigen Teil des amerikanischen Altersversicherung schützen. Volkswirtschaftlich gesehen ist dieses Vorgehen allerdings fragwürdig.

Die Schweizer Pensionskassen sind weit weniger exponiert als die amerikanischen. Die Finanzkrise zeigt jedoch, dass auch bei uns das System an seine an Grenzen stösst.

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