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Platz schaffen in Pendlerzügen

Arbeiten zu Hause und unterwegs: Ein Versuch von SBB und Swisscom ergab, dass sich so der Pendlerstrom in den Zügen deutlich verringern liesse.

Unterwegs statt im Büro arbeiten: Ein Pendler surft im Zug via mobilen Internetzugang.
Unterwegs statt im Büro arbeiten: Ein Pendler surft im Zug via mobilen Internetzugang.
Keystone

In Stosszeiten sind die Züge überfüllt, zu anderen Tageszeiten fast leer. Schon oft wurde über die regelmässigere Auslastung des öffentlichen Verkehrs debattiert. Nun machten SBB und Swisscom einen Versuch, die Pendlerspitzen zu brechen. Sie kommen in der Studie «Work anywhere» mit 264 Teilnehmern zum Schluss, dass die Züge spürbar entlastet werden, wenn mehr Leute flexibel arbeiten.

Zum zweimonatigen Versuch im Februar und März gehörte das Arbeiten im Homeoffice sowie unterwegs. In beiden Bereichen nahmen die Arbeitsstunden um einige Prozent zu. «Wir konnten zeigen, dass durch die neue Arbeitsweise signifikant Fahrten zur Hauptverkehrszeit gemieden werden können», sagte Hartmut Schulze, Professor an der Hochschule für Angewandte Psychologie an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und verantwortlich für die Studie.

Mehr Platz im Zug

In Zahlen heisst das: Laut Schätzungen hat ein Drittel der Beschäftigten in der Schweiz die Möglichkeit und den Willen, die Arbeit flexibler zu gestalten, was Zeit und Ort angeht. Je nachdem, wie intensiv dies gehandhabt wird, sollte eine Reduktion von bis zu zehn Prozent «durchaus möglich» sein, heisst es. Konkretes Beispiel: Angenommen, die erwähnten Arbeitnehmer würden nur jede fünfte Pendlerfahrt auf Zeiten ausserhalb der Stosszeiten verlagern, würden die Züge während der Stosszeiten um sieben Prozent entlastet.

«Wenn ich erst den Zug um 9 Uhr nehme, dann habe ich mehr Platz, eine bessere Internetverbindung, man kann vielleicht sogar telefonieren, weil es niemanden stört. Das Gleiche gilt für den Abend», sagte ein Teilnehmer in einem Interview zur Studie. Nahm doch jemand Fahrten zur Hauptverkehrszeit auf sich, waren die Gründe hauptsächlich Besprechungstermine und Teamarbeit, die die Anwesenheit erforderten. Private Gründe – inklusive familienbezogene – spielten der Studie zufolge kaum eine Rolle. Bezüglich Verkehr kommt die Studie zum Schluss: Um eine spürbare Wirkung auf den Pendlerstrecken zu erzielen, müssten ergänzend zu Swisscom und SBB weitere Unternehmen bei einem solchen Versuch mitmachen.

Motivierter und zufriedener

Während des Versuchs wurde ausserhalb des Büros mehr gearbeitet: Der Anteil der zu Hause geleisteten Arbeit stieg von 14 auf 21 Prozent, und von unterwegs nahm er von 9 auf 11 Prozent zu. Laut der Studie arbeiteten die Teilnehmer während des Versuchs jedoch nicht mehr und nicht weniger als vorher. Rund 40 Prozent gaben aber an, produktiver zu sein, und sie sagten, qualitativ sei ihre Arbeit besser geworden. Die Vorgesetzten sahen laut Studienautor Hartmut Schulze eine ähnliche Tendenz.

Zudem meinten fast 60 Prozent der Befragten, dass sich ihre Arbeitszufriedenheit verbessert hat. «Du gehst ins Büro und weisst, du hast schon was geschafft», so ein interviewter Angestellter. Ein anderer Teilnehmer sagt hingegen, es falle ihm schwer, ausserhalb seiner Arbeitszeiten nicht an die Arbeit zu denken.

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