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Post-Chefin ist nicht aus dem Schneider

Auch wenn Ruoff von den Buchungstricks bei Postauto nichts wusste, so zeugt die Affäre von einem eigenartigen Führungsverständnis.

«Eine Vorverurteilung wäre falsch»: Präsident Urs Schwaller erklärt im Interview, weshalb der Verwaltungsrat der Post weiterhin hinter Susanne Ruoff steht.(Video: Tamedia mit Material von Lea Blum und SDA)

Der Verwaltungsrat der Post hat Konzernchefin Susanne Ruoff den Rücken gestärkt. Er lehne «Vorverurteilungen und Treibjagden» ab, begründete Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller. Damit hat er bestimmt recht: Eine Hexenjagd ist weder angebracht noch hilfreich. Gefragt ist nun vielmehr eine lückenlose Aufklärung der jahrelangen Missstände bei der Postauto AG.

Doch: Ruoff ist angezählt, auch das machte Schwaller klar. Denn er hielt fest, es handle sich bei dem Fall um ein «systemisches Problem ungeahnter Ausmasse» und ein Versagen von Führungs- und Kontrollinstanzen während vieler Jahre.

Damit hat Schwaller den wunden Punkt ge­troffen. Selbst wenn Ruoff tatsächlich nichts von den unrechtmässigen Buchungen bei der Postauto AG ­gewusst hat, wie sie beteuert, hat sie führungsmässig versagt. Seit 2012 wusste sie aufgrund von Interventionen hochrangiger Vertreter des Bundes und des Preisüberwachers von den verdächtigen Gewinnen bei der Tochtergesellschaft.

Eigenartiges Führungsverständnis

2013 mahnte die interne Revision in einer Aktennotiz an Ruoff und den damaligen Verwaltungsratspräsidenten Peter Hasler, es gebe bei Postauto gesetzeswidrige Umbuchungen. Wörtlich hiess es in dem Schreiben: «Der vom Regulator genehmigte Wertefluss wurde übersteuert.» Das heisst, die beiden obersten Führungskräfte der Post waren informiert, dass es Quersubventionierungen zulasten des öffentlich finanzierten Geschäfts gab – was nicht erlaubt ist.

Trotzdem griffen sie nicht ein – wollten vielleicht gar nicht genau wissen, wie die Tricks funktionierten. Hauptsache, die von ihnen vorgegebenen hohen ­Gewinnvorgaben wurden eingehalten. Damit machten es sich aber sowohl Hasler wie Ruoff zu einfach. Sie tun noch heute so, als ob die Gewinnvorgaben, die unerlaubten Quersubventionierungen und die Buchhaltungstricks nicht zusammenhängen.

Griff trotz Aktennotiz nicht ein: Post-Chefin Susanne Ruoff äussert sich an einer Medienkonferenz in Bern zu den Buchungstricks bei Postauto. (Foto: Peter Schneider, Keystone/6. Februar 2018)
Griff trotz Aktennotiz nicht ein: Post-Chefin Susanne Ruoff äussert sich an einer Medienkonferenz in Bern zu den Buchungstricks bei Postauto. (Foto: Peter Schneider, Keystone/6. Februar 2018)

Damit laden sie die Verantwortung auf die unteren Etagen – und beweisen damit ein eigenartiges Führungsverständnis. Eine Chefin, die ihre Verantwortung so definiert, kann sich die Post auf lange Dauer nicht leisten.

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