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SBB droht Milliarden-Finanzloch

Die SBB fordern einen Marschhalt bei den Ausbauprojekten. Die Folgekosten seien laut CEO Andreas Meyer «erschreckend hoch».

«Irgendwann einmal kippt das System»: SBB-CEO Andreas Meyer. (3. August 2016)
«Irgendwann einmal kippt das System»: SBB-CEO Andreas Meyer. (3. August 2016)
Urs Flüeler, Keystone

Die SBB warnen vor einem ungebremsten Ausbau des Bahnsystems. Bis ins Jahr 2030 sind eine Reihe von Vorhaben in der Planung, die zusammen bis zu 18 Milliarden Franken kosten könnten. Die SBB haben sich nun einen Überblick über die Folgekosten verschafft, welche diese Vor­haben auslösen würden.

«Wir schätzen, dass sich bis ins Jahr 2030 eine Abgeltungslücke von drei Milliarden Franken auftut», sagt SBB-Chef ­Andreas Meyer in der «SonntagsZeitung». Eine Abgeltungslücke bedeutet, dass der öffentlichen Hand das Geld fehlt, um ihren Anteil an den durch die Ausbauten verursachten Betriebs- und Unterhaltskosten zu bezahlen. «Irgendwann einmal kippt das System», warnt Meyer.

Seine Befürchtung: Wenn neue Verkehrsangebote wie Fernbusse, Carsharing oder führer­lose Fahrzeuge an Marktanteilen zulegen, stehen die Schienenbetriebe mit einer gewaltigen Infrastruktur da, der es an Auslastung fehlt. Die SBB überlegen sich laut Meyer nun Möglichkeiten, wie das bis 2030 prognostizierte Verkehrswachstum «völlig ohne Ausbauten» bewältigt werden kann.

«Wir müssen vorausschauen, um nicht eines Tages wie der Esel am Berg zu stehen»: SBB-Konzernchef Andreas Meyer. (Video: Jürg Rüttimann und Mirjam Ramseier)

Mit Railfit haben die SBB diese Woche das grösste Sparprogramm ihrer Geschichte eingeleitet. Dies ist aber nur der erste Schritt, den Meyer für die Zukunft plant: Er will die Bundesbahnen in einen integrierten Mobilitätskonzern umwandeln. «Ich kann mir vorstellen, dass die SBB den Kunden künftig die ganze Mobilitätskette anbieten: vom Fernverkehr über die S-Bahn bis zum kleinen selbstfahrenden Fahrzeug, das eine oder mehrere Personen an der Haustür abholt und wieder absetzt», sagt der Konzernchef in der «NZZ am Sonntag».

Er sieht für die Bundesbahnen auch eine neue Rolle als Feinverteiler im Stadtverkehr. «Wir können uns vorstellen, ein solches System mit unserem Know-how zu betreiben», sagt Meyer. Dabei sei denkbar, dass die SBB die Autos selber beschaffen oder über Partnerschaften anbieten.

Mit diesem Wandel geht eine Konzentration auf das Wesentliche beim herkömmlichen Schienenverkehr einher. Die SBB wollen ihr Angebot überdenken, etwa beim Taktfahrplan oder im Regionalverkehr. Überall, wo es um neue Ausbauten geht, müsse man sich überlegen, ob es die Bahn brauche oder ob nicht ein Postauto rentabler und ökologischer wäre, erklärt Meyer.

Meyer greift Preisüberwacher Meierhans an

Zudem stellt Meyer in der «NZZ am Sonntag» die Funktion des Preisüberwachers Stefan Meierhans in Frage. Die Bahn sei mittlerweile in einem so harten Wettbewerb mit Fernbussen und Billigfliegern, dass den Preisüberwacher eigentlich gar nicht mehr bräuchte, sagt Meyer.

Zudem wirft er Meierhans vor, bei den Verhandlungen über die Tarife seine Kompetenzen zu überschreiten. «Ich finde, der Preisüberwacher mischt sich da in unternehmerische Marketingfragen ein, die eigentlich nicht seine Sache sind», sagt Meyer.

Der Preisüberwacher müsse kontrollieren, dass die SBB keine unangemessenen Gewinne erzielen – was nicht der Fall sei. Es sei aber Aufgabe der Branche, gute und bezahlbare Angebote zu erarbeiten. «Wenn der Preisüberwacher in das Sortiment eingreift, begibt er sich auf Glatteis», sagt Meyer.

Meierhans kontert, das Argument, dass der Wettbewerb seine Funktion unnötig mache, sei nicht nachvollziehbar. Er jedenfalls sei immer noch auf der Suche nach diesem starken Wettbewerb, sagt er. «Wenn der Druck so hoch ist, wieso steigen dann die Preise nun wieder um durchschnittlich drei Prozent?», fragt Meierhans in der «NZZ am Sonntag».

«Und wenn die SBB immer mit der Konkurrenz durch Fernbusse argumentiert, wieso lässt man solche Busse dann nicht auch im nationalen Verkehr zu und schafft so mindestens ansatzweise Wettbewerb?» Sein Fazit: Dass der Regulator unbequem sei und man ihn loswerden wolle, spreche nur für ihn.

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