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«Schulterschluss mit der AKW-Lobby»

Die Nominierung von Heinz Karrer als Präsident von Economiesuisse polarisiert. Rechte sind sich sicher: «Karrer kann das.» Linke werfen ihm vor, die Energiewende torpedieren zu wollen.

Wunschkandidat: Heinz Karrer, CEO der Axpo Holding AG, soll Präsident von Economiesuisse werden.
Wunschkandidat: Heinz Karrer, CEO der Axpo Holding AG, soll Präsident von Economiesuisse werden.
Ennio Leanza/Keystone
Karrierestart in Ostermundigen: 1987 war Heinz Karrer zuerst geschäftsführender Direktor der Intersport Schweiz AG und wurde dann Vorsitzender der Geschäftsleitung und Delegierter des Verwaltungsrats der Intersport Holding AG.
Karrierestart in Ostermundigen: 1987 war Heinz Karrer zuerst geschäftsführender Direktor der Intersport Schweiz AG und wurde dann Vorsitzender der Geschäftsleitung und Delegierter des Verwaltungsrats der Intersport Holding AG.
Lukas Lehmann/Keystone
Gut vernetzt: Dank diverser Verwaltungsratsmandate wie zum Beispiel bei Kuoni hat Karrer Einblick in viele Schweizer Unternehmen.
Gut vernetzt: Dank diverser Verwaltungsratsmandate wie zum Beispiel bei Kuoni hat Karrer Einblick in viele Schweizer Unternehmen.
Gaetan Bally/Keystone
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Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse will sich neu aufstellen. Heinz Karrer, bislang Axpo-Chef, soll neuer Präsident werden. «Karrer Präsident von Economiesuisse? Zu befangen für CH», twitterte gestern Abend der grüne Nationalrat Bastien Girod und wünschte sich eine in der Energiepolitik «neutralere» Person. Auch Roger Nordmann, SP-Nationalrat und Präsident von Swissolar, zeigt sich enttäuscht von der Nominierung.

«Mit seinem Gaspipelineprojekt TAP und seiner AKW-Fixierung verkörpert Karrer die gefährlichen, alten Energien im Quadrat», sagt Nordmann gegenüber Redaktion Tamedia. «Für die Economiesuisse wird das eine absolut rückwärtsgewandte Wahl.» Nordmann sieht in der Nominierung Karrers einen klaren Übernahmeversuch durch die AKW-Lobby mit dem Ziel, die Energiewende zu verlangsamen. «Diesen Schulterschluss mit der Economiesuisse haben wir schon lange befürchtet.»

Axpo soll Kehrtwende vollziehen

Etwas Positives kann Nordmann der Nomination Karrers dennoch abgewinnen: «Die Axpo wird endlich von ihren Altlasten befreit und kann sich neu orientieren.» Karrer habe mehr als jeder andere Axpo-Chef für die alten Energien gestanden. Diese Fixierung könne nun beendet werden. «Die Axpo kann in der Energiewende nun endlich neue Lösungen suchen», so Nordmann.

Zurück zum «Courant normal»

Gewerbeverbandspräsident und SVP-Nationalrat Jean-François Rime hingegen glaubt nicht an einen Schulterschluss der AKW-Lobby mit der Economiesuisse. «AKW-Befürworter haben ganz sicher nicht die Mehrheit in der Economiesuisse.»

Rime begrüsst die Nomination Karrers. «Es ist für die Economiesuisse wichtig, wieder zum Courant normal zu gelangen», sagt er. «Karrer wird da sicher beruhigend wirken.» Rime sei gespannt auf die Zusammenarbeit.

Als zukünftiger Präsident des Wirtschaftsdachverbands habe Karrer einen grossen Vorteil: «Er weiss, wie man mit den Medien umgeht.» Seit seinem Engagement bei Ringier und später bei der Swisscom pflege er gute Beziehungen zu Medienschaffenden und PR-Beauftragten. «Das macht es schwer, ihn zu überrumpeln», so Rime.

«Er kann das»

Auch FDP-Präsident Philipp Müller sieht in der Nomination Karrers kein Problem. «Heinz Karrer wird, wenn er denn gewählt wird, einen Verband führen, der etwa zwei Millionen Arbeitnehmer in allen Branchen vertritt», sagt Müller. «In diesem Umfeld ist es schlicht nicht möglich, eine einseitige Agenda zu führen.»

Müller lobt die politische und wirtschaftliche Vernetzung des Kandidaten. «Als Chef der Axpo ist Karrer national bekannt und verfügt über eine hohe Glaubwürdigkeit», so Müller. «Zudem hat er auch eine grosse Erfahrung in privaten Betrieben – genau diesen Mix braucht es bei der Economiesuisse.» Intime Kenntnisse der Medienlandschaft in der Schweiz seien zudem ein grosses Plus. «Die Voraussetzungen könnten nicht besser sein, Karrer kann das.»

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