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Die Post-Roboter rollen an

Die Post beginnt nächsten Monat Tests mit selbstfahrenden Lieferrobotern. Die koffergrossen Fahrzeuge werden in Bern, Köniz und Biberist unterwegs sein. Paketboten, Velo- und Pizzakuriere müssen sich auf neue Konkurrenz einstellen.

Mit bis zu 6 km/h sind die Lieferroboter ab September in Bern, Köniz und Biberist unterwegs.

Er surrt und bewegt sich im Schritttempo. Der Lieferroboter scheint ein etwas grosses, ferngesteuertes Modellauto zu sein. Aber der sechsrädrige Bote des estnisch-britischen Herstellers Starship Technologies fährt selbst zum Ziel, ohne dass ihn jemand lenkt.

Dies kann er dank neun Kameras, vier Ultraschalldetektoren zur Hinderniserkennung, GPS und einer Software, welche all die Daten sammelt und daraus den besten Weg zum Abgabeort berechnet. Sein Können führte die Post am Dienstag auf einem grossen Parkplatz in Bern-Bümpliz vor.

«Kein Spielzeug»

Auf dem Parcours bremst der Lieferroboter vor einer querstehenden Hecke ab, hält inne und dreht dann ruckartig, um das Pflanzen-Hindernis zu umfahren. Am Abgabeort angekommen, schickt er dem Empfänger der Lieferung eine SMS. Es ist Dieter Bambauer, Leiter der federführenden Logistiksparte der Post.

Via App kann er den Deckel des Lieferroboters öffnen und die Fracht entnehmen. «Das ist kein Spielzeug, sondern ein sehr ernsthaftes Logistikfahrzeug», sagt Bambauer. Die Post erprobt den Liefer­roboter ab September exklusiv in der Schweiz. In den drei Test­gemeinden Bern, Köniz und in ­Biberist kann einem also in den nächsten Wochen ein solch futuristisches Gefährt auf Trottoirs, Zebrastreifen und in Fussgängerzonen begegnen.

Auf die Strasse dürfen sie nicht. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 6 Kilometern pro Stunde und 30 Kilogramm Gewicht sind sie zwar keine grosse Gefahr für Fussgänger. Dennoch werden sie bei den Testfahrten ständig von einer Person begleitet und bewacht.

Auch im Regelbetrieb wird eine Überwachungszentrale notwendig bleiben. «Aber zu 99 Prozent können die Lieferroboter selber fahren», sagt Henry Harris-Burland, Marketing- und Kommunikationsmanager des Herstellers Starship. Nur in Spezialfällen müssen Menschen helfen.

Preis unklar

Zum Preis für das Fahrzeug schweigt sich Harris-Burland aus. Denn Starship wolle die Lieferroboter nicht verkaufen, sondern vermieten oder leasen ­lassen. «Ziel ist, dass sie unsere Kunden pro Zustellung nicht mehr als ein Euro kosten.»

Die Post ist nicht die erste Interessentin. Getestet werden die Lieferroboter bereits in Grossbritannien und in Deutschland unter anderem vom Take-Away-Anbieter Just Eat, dem Paketversand Hermes oder dem Mediamarkt-Mutterkonzern Metro.

Neue Konkurrenz

Werden die menschlichen Paketboten und Briefträger von den selbstfahrenden Maschinen bald verdrängt? Bambauer winkt ab: «Wir machen das sicherlich nicht, um unsere Zusteller zu ersetzen, die täglich 500?000 Pakete an Haushalte und Geschäftskunden liefern.» Im Visier seien ergänzende Dienste, welche die Post bislang nicht erbringe. Expandieren wolle sie in der Sofortzustellung in Städten, denn der Markt mit im Internet bestellten Produkten boome. «Wir denken auch an Essenslieferungen oder Zustellungen von medizinischen Produkten», sagt Bambauer.

Konkurrenziert würden also Pizza- und Velokuriere. Doch das gestern präsentierte Pilotprojekt mit der MediService AG zeigt, dass Lieferroboter eben doch Paketboten bedrängen könnten: Denn die Post testet mit der Spezialapotheke die Zustellung von Medikamenten mit Lieferrobotern. Bislang setzt MediService hier auf den Post-Paketversand.

MediService-Chef Jürg Gasser sieht hingegen grosses Potenzial für beide Zustellarten: «Die chronischen Krankheiten nehmen fast exponentiell zu. Immer mehr Menschen müssen lebenslang mit rezeptpflichtigen Medikamenten versorgt werden.»

Die Lieferroboter können aber noch nicht alles: Randsteine bis 10 Zentimeter Höhe können sie erklimmen, ganze Treppen hingegen nicht. Die Nutzlast ist auf 10 Kilogramm beschränkt, die Reichweite mit einer Batterieladung beträgt beim Testmodell bloss rund 6 Kilometer.

Was ist, wenn jemand den Lieferroboter stoppt und aufbricht? «Das ist bei allen Fahrzeugen möglich», entgegnet Bambauer. Unerwartete Bewegungen melde der Roboter sofort und dank der Kameras wären die Täter erfasst. Allerdings könnten diese sich maskieren oder den Lieferroboter in ein Auto hieven und abtransportieren? Aber Bambauer macht sich andere Sorgen: «Die Lieferroboter weichen aus. Unsere Herausforderung ist, wenn das die Schulkinder entdecken.»

Vollautomatische Lieferkette

Neben den Lieferrobotern testet die Post weiterhin Drohnen für die Zustellung über grössere Distanzen. So wird folgendes vielleicht schon bald Realität: Ein Industrieroboter bestellt aus einem automatischen Lager ein Teil, welches eine Drohne in die Nähe der Fabrik und ein Lieferroboter in die Halle zum Besteller bringen und nach der Bearbeitung ausliefern. Menschen braucht es dafür nicht mehr.

SDA/mb

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