So viel verdienen die CEOs der Berner Unternehmen

Vier Jahre nach Annahme der Abzockerinitiative nimmt der Druck auf hohe Managersaläre langsam zu. An mehreren Generalversammlungen haben die Aktionäre der Führungsriege einen Denkzettel verpasst.

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Nick Hayek ist mit einem Cheflohn von gut 6,1 Millionen Franken weiterhin mit Abstand der bestverdienende Manager im Wirtschaftsraum Bern. Das zeigt eine Auswertung dieser Zeitung. Das Salär des Chefs der Swatch Group ist 2016 zwar um 10 Prozent gesunken.

Dies vor allem, weil der Bonus kleiner wurde. Schliesslich ist auch der Umsatz des weltgrössten Uhrenkonzerns um 10 Prozent geschrumpft. Der Reingewinn hat sich sogar fast halbiert.

Nicht nachvollziehbar

Welche Kriterien sich wie auf die Höhe der Boni auswirken, bleibt bei den erfassten Unternehmen trotz teils ellenlanger Vergütungsberichte weitgehend unklar.

Selbst wenn man Hayek zugutehält, dass er ein langfristig orientierter Unternehmer ist, der nicht gleich wegen eines schlechten Quartals Angestellte entlässt: Auch sein Unternehmen muss als Folge der Abzockerinitiative die Vergütungen für die Geschäftsleitung und den Verwaltungsrat den Aktionären zur Abstimmung vorlegen.

Aktionärsvertreter wie die Anlagestiftung Ethos kritisieren, die Kriterien für die Boni seien nicht nachvollziehbar. So schreibt die Swatch Group im Vergütungsbericht nur, die Boni richteten sich nach der «Entwicklung des Konzerns und des von der betreffenden Person betreuten Unternehmensbereichs (Marken, Länder, Funktionsbereiche) sowie nach individuellen Leistungen».

Als Kriterien aufgeführt sind die Entwicklung von Umsatz, ­Betriebsergebnis, Marktanteilen, Lager und Debitoren, Aufbauprojekten, Verhandlungen, Kostensenkungen, Personalfluktuation sowie Mitarbeitermotivation. Ethos bemängelt, dass das Verhältnis von Bonihöhe und Unternehmensentwicklung nicht entschlüsselt werde.

«Die Vergütung für die Leitung der Swatch Group ist angesichts der erbrachten Leistung exzessiv.»Anlagestiftung Ethos

Die Anlage­stiftung beurteilt die Boni der Swatch Group als exzessiv. Sie kritisiert zudem die Vergütung von Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek als zu hoch, obwohl Nick Hayeks Schwester als Chefin der Tochtergesellschaft Harry Winston und für Swatch in Dubai zusätzlich operative Verantwortung trägt.

Mit ihrem Widerstand erzielte Ethos an der Generalversammlung der Swatch Group einen Achtungserfolg. Die Boni für die Konzernleitung wurden «nur» mit 76 Prozent der Stimmen gutgeheissen. Dies bei einem Stimmenanteil des Aktionärspools rund um die Familie Hayek von fast 40 Prozent.

Credit Suisse lenkt ein

Der Widerstand gegen sehr hohe Managerlöhne und unerklärbare Boni ist in dieser GV-Saison generell gestiegen. So lehnten die Aktionäre des Schaffhauser Industriekonzerns Georg Fischer den Vergütungsbericht gar ab. Das allerdings in einer konsultativen und nicht verbindlichen Abstimmung.

Bei ABB und Novartis verpassten die von Fondsgesellschaften angeführten Teilhaber den Konzernleitungen mit Nein-Anteilen von 40 Prozent einen Denkzettel.

Die Credit Suisse lenkte kurz vor der Generalversammlung ein und stutzte die Boni, weil gar Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann die vorge­sehenen Zahlungen angesichts des Milliardenverlusts der Grossbank als «eine Rücksichtslosigkeit» kritisierte.

Limiten bei Bundesbetrieben

Der Bundesrat selbst nimmt auf Druck des Parlaments die bundeseigenen Unternehmen an die kürzere Leine: Im vergangenen November beschloss er, dass die Chefboni bei Post, SBB, Ruag und Co. künftig noch maximal 50 ­Prozent des Fixlohnes betragen ­dürfen.

Bereits im letzten Jahr bremste die zuvor steile Entwicklung: Ruag-Chef Urs Breitmeier musste gar eine Einbusse von 8,6 Prozent hinnehmen. Er erhielt damit als Chef des bundeseigenen Rüstungs- und Technologiekonzerns leicht weniger als der Chef der Technologiefirma Comet, Ronald Fehlmann.

Dabei erzielte Ruag mehr als den fünf­fachen Umsatz sowie gut den vierfachen Gewinn von Comet und beschäftigt das Siebenfache an Mitarbeitenden.

Auf besonders gut entlöhnte Konkurrenten verweisen Konzernchefs gerne. Für viele Normalverdiener sind die Topsaläre aber zu hoch: In der alljährlichen Umfrage des Beratungsunternehmens HCM Hostettler & Company bei 1000 Personen haben sich zuletzt 48 Prozent für weitergehende Staatseingriffe ausgesprochen.

Travailsuisse fordert nun, dass die GV-Abstimmungen über die Vergütungsberichte zwingend verbindlich werden sollen. Der Arbeitnehmenden-Dachverband kritisiert zudem, dass – im Gegensatz zu Swatch – meist zum Voraus über Boni abgestimmt wird, bevor das für die Leistungsbeurteilung relevante Jahr abgeschlossen ist.

Löhne der Verwaltungsräte:

(Berner Zeitung)

Erstellt: 16.06.2017, 08:35 Uhr

Die Kriterien

Die Lohnliste stützt sich auf Angaben in den Geschäftsberichten der grössten Unternehmen im Espace Mittelland. Bei Schaffner und Ypsomed entspricht das Geschäftsjahr nicht dem Kalenderjahr. Die grössten Sprünge bei den Vergütungen von Verwaltungsräten erklären sich damit, dass Pierre-André Geiser, Antoinette Hunziker Ebneter und Jens Alder im Verlauf von 2015 das Präsidium bei Fenaco (Landi), der Berner Kantonalbank respektive Alpiq übernommen haben. Die Liste ist nicht vollständig.

Denn Vergütungsberichte publizieren müssen nur an der Börse kotierte Gesellschaften, den anderen ist es für eine gute Unternehmensführung bloss empfohlen. So macht etwa das Warenhaus Loeb seit dem Rückzug von der Börse keine Angaben zu den Topsalären mehr. Gerne wüsste man auch, wie viel der Chef der Mobiliar, Markus Hongler, verdiente. Oder die Chefs grosser Firmen wie CSL Behring, Ammann Group sowie der Baukonzerne Frutiger, Losinger Marazzi und Marti. jw

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