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Steuerdeal und Integrationskosten belasten Bär-Ergebnis

30 Prozent weniger Gewinn im ersten Halbjahr: Auf dem Ergebnis der Bank Julius Bär lasten vor allem zwei Sonderposten.

Herausforderungen an mehreren Fronten: Das Logo der Privatbank Julius Bär am Eingang des Zürcher Sitzes. (Archivbild)
Herausforderungen an mehreren Fronten: Das Logo der Privatbank Julius Bär am Eingang des Zürcher Sitzes. (Archivbild)
Keystone

Die Bank Julius Bär hat in der ersten Jahreshälfte operativ überraschend viel verdient und damit die Anleger beglückt. Unter dem Strich sackte der Gewinn aber um 30 Prozent auf 114 Millionen Franken ab.

Dafür gibt es zwei Hauptgründe: Auch Julius Bär schreibt ihre Garantiezahlung von 28 Millionen Franken. für das Abgeltungssteuerabkommen mit Grossbritannien ab. Weil Kunden von Schweizer Banken weniger Schwarzgeld beim britischen Fiskus offengelegt haben als erwartet, können die Institute nicht mehr damit rechnen, die ausgehandelte Vorauszahlung von insgesamt 500 Millionen Franken zurückzuerhalten.

455 Millionen für US-Zukauf

Noch schwerer auf dem Nettoergebnis lasten die Kosten für den Kauf des internationalen Vermögensverwaltungsgeschäfts (IWM) der US-Bank Merrill Lynch. Dem abgelaufenen Semester werden Transaktions-, Integrations- und Restrukturierungskosten von 99 Millionen Franken verrechnet.

Die Gesamtkosten sieht Konzernchef Boris Collardi nicht mehr bei 400 Millionen, sondern bei 455 Millionen Franken. 50 Millionen Franken wurden bereits im letzten Jahr verbucht. Rund 126 Millionen Franken folgen im laufenden Semester und der Rest bis 2016, wie Finanzchef Dieter Enkelmann an der Ergebnispräsentation in Zürich erklärte.

Grund für die höheren Kosten sei, dass die Dokumentation der betroffenen Kunden bei den Behörden aufwendiger sei als gedacht. So sind insbesondere in Asien viele Guthaben via Trusts verwaltet worden, wo der Endberechtigte nicht immer klar ist.

«Sehr gut auf Kurs»

Die IWM-Integration ist laut Collardi aber «sehr gut auf Kurs». Er hatte sich für die Übernahme eine Prämie ausbedungen, welche seinen Gesamtlohn 2012 um 0,8 Millionen auf 6,7 Millionen Franken erhöhte. Die Generalversammlung lehnte den Vergütungsbericht in einer nicht bindenden Abstimmung allerdings ab, weil auch angelsächsische Anlegerberater die Boni-Kriterien nicht nachvollziehen konnten.

Im Zuge der Übernahme will Julius Bär weiterhin 850 bis 1030 Stellen streichen. Collardi bekräftigte zudem das Ziel, bis Ende Jahr 80 Prozent des erwarteten Zuflusses an verwalteten Vermögen von 57 Milliarden bis 72 Milliarden Franken aus dem Merrill-Lynch-Deal verbuchen zu können.

Allein in den letzten Tagen seien 22 Milliarden Franken hinzugekommen, sagte Collardi. Im ersten Semester waren es 24 Milliarden. Insgesamt stiegen die verwalteten Vermögen in den ersten sechs Monaten 2013 um 28 Milliarden Franken oder 15 Prozent auf 218 Milliarden Franken.

Der Neugeldzufluss belief sich netto auf 3,4 Milliarden Franken. Dies entspricht einer Jahresrate von 3,6 Prozent. Im Gesamtjahr werde Julius Bär das Ziel von 4 bis 6 Prozent erreichen, versprach Collardi.

US-Affäre in Endphase

Neugelder fliessen vor allem aus Wachstumsmärkten zu und auch aus dem lokalen Geschäft in Deutschland. Demgegenüber hielt die Selbstdeklaration von Kunden mit unversteuerten Vermögen an. Für Nachzahlungen und Bussen ziehen diese Geld ab.

Im Steuerstreit mit den USA hofft Julius Bär, im zweiten Halbjahr Klarheit über die Höhe der drohenden Busse zu erhalten. Wie die UBS und die CS sieht sich die Julius Bär mit einer Gruppenanfrage der US-Steuerbehörde IRS zu mutmasslichen Steuersündern konfrontiert. Der Herausgabeverfügung der Eidgenössischen Steuerverwaltung ist Julius Bär laut Collardi nachgekommen.

Weil die Busse noch nicht einzuschätzen sei, habe die Bank bislang keine Rückstellung gebildet. Operativ habe sich Julius Bär deutlich verbessert. Die Kundenaktivität erholte sich und die Kosteneffizienz stieg, wie Collardi erläuterte. So stieg der adjustierte Konzerngewinn (vor Sonderkosten) um 26 Prozent auf 261 Millionen Franken.

Dies übertraf die Erwartungen von Analysten ebenso wie die Bruttomarge von 1,02 Prozent. Die Julius-Bär-Aktie notierte daher nach Handelsschluss 5,68 Prozent im Plus.

SDA/rbi

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