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Stur und uneinsichtig

Besserung ist nicht in Sicht: Der Verwaltungsrat von Novartis will die Details zum Beratervertrag von Daniel Vasella erst im Geschäftsbericht veröffentlichen. Das ist zu wenig und kommt zu spät.

Novartis ist in der Lohnfrage stur wie kein anderes Unternehmen in der Schweiz. Das hat sich an der gestrigen Generalversammlung in Basel bestätigt, als die Firmenspitze zum Konkurrenzverbot für Daniel Vasella Stellung nahm, das Novartis nach einem Sturm der Entrüstung Anfang Woche aufhob. «Der Verwaltungsrat ist nach wie vor davon überzeugt, dass es unumgänglich war, ein Konkurrenzverbot in den Vertrag mit Daniel Vasella zu integrieren», sagte Ulrich Lehner, Vizepräsident des Verwaltungsrats. Dennoch habe Novartis den Bedenken der Aktionäre und weiterer Anspruchsgruppen Rechnung getragen. Der Konzern habe zwischen den Vorteilen eines Konkurrenzverbots und dem Rufschaden abwägen müssen.

Mit anderen Worten: Wäre der öffentliche Druck nicht derart enorm gewesen, hätte der Verwaltungsrat kaum von der 72-Millionen-Franken-Entschädigung für das Konkurrenzverbot Abstand genommen. Erst als die Verwaltungsräte realisierten, dass die Diskussion auch auf sie selber zurückfällt, haben sie reagiert.

Details erst im Geschäftsbericht

Besserung ist nicht in Sicht. Anfang Woche versprach der Verwaltungsrat, die Anstrengungen zur Transparenz zu verstärken. Wie sich gestern zeigte, folgen diesem Versprechen keine Taten. Dass Novartis mit Daniel Vasella einen Beratervertrag aushandeln wird, gab die Firmenspitze nur auf Nachfrage von Aktionären preis. Zudem will das Gremium die Details des Vertrags erst im nächsten Geschäftsbericht veröffentlichen. Das alles ist zu wenig und kommt zu spät.

Die Episode zeigt auch, dass der Verwaltungsrat dringend frische Köpfe braucht. Zwar wurden gestern vier neue Mitglieder gewählt. Dominiert wird das Gremium aber weiterhin von Personen, denen der Verdacht anhängt, stets abgenickt zu haben, was ihnen Novartis-Übervater Vasella vorgesetzt hat. Fünf Mitglieder, darunter Ulrich Lehner, sind schon Jahre oder länger im Verwaltungsrat. Sie sollten sich fragen, ob für sie die Zeit gekommen ist zu gehen. Schliesslich sind sie nie gegen die Millionensaläre vorgegangen und haben so zu verantworten, dass Novartis mit einem stark beschädigten Ruf dasteht. Nun steht der neue Präsident Jörg Reinhardt in der Pflicht. Bevor er sich aber um die Zukunft von Novartis kümmern kann, muss er die Scherben der Vergangenheit zusammenwischen.

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