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Taumelnde BP für Banken eine Gefahr?

Too big to fail können nicht nur Banken sein. Auch zusammenbrechende Industriekonzerne könnten ihr Umfeld mit in die Tiefe reissen. Darum hat das FED die Lage von BP analysiert.

Wenn Giganten stürzen: Öl-Plattform Deepwater Horizon versinkt am 21. April in den Fluten des Golf von Mexiko.
Wenn Giganten stürzen: Öl-Plattform Deepwater Horizon versinkt am 21. April in den Fluten des Golf von Mexiko.
Reuters

Die Federal Reserve Bank (Fed) in New York hat offenbar die Verbindungen grosser Finanzinstitute zum Energiekonzern BP untersucht. Es sei jedoch kein systemisches Risiko für die Wall Street entdeckt worden, sollte der Öl-Multi zusammenbrechen. Dies sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Der Konzern muss wegen der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko immense Kosten schultern.

Nach Durchsicht von Dokumenten und der Abfrage von Beziehungen in den vergangenen zwei Wochen habe die Fed auch kein Risiko für das globale Finanzsystem entdeckt, hiess es. Kein Institut sei aufgefordert worden, seine Kreditverbindungen zu BP zu verändern. An den Märkten herrscht Unsicherheit, ob der britische Konzern die Folgen der Ölpest bewältigen kann. Weder BP noch die Notenbank wollten sich offiziell äussern.

Der Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko hat den BP-Konzern bisher 2,65 Milliarden Dollar gekostet. Diese Summe schliesst neben den Kosten für die Eindämmung der Katastrophe auch Entschädigungszahlungen ein, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Von bislang 80'000 Schadensersatzforderungen seien mittlerweile 41'000 beglichen worden. Allein hierfür seien 128 Millionen Dollar geflossen.

Entlastungsbohrung kommt voran

Unterdessen nähern sich die Spezialisten mit der Entlastungsbohrung dem beschädigten Bohrloch. Horizontal sei man bis auf sechs Meter an die undichte Stelle herangekommen, teilte BP-Vizepräsident Kent Wells mit. Es müsse aber noch rund 270 Meter in die Tiefe gebohrt werden, bevor das Leck gestopft werden könne. Man bewege sich im Zeitplan, nach dem Anfang August die Entlastungsbohrung am Ziel sein werde.

Allerdings braute sich im Golf von Mexiko ein Sturm zusammen, der den Bohrteams zu schaffen machen könnte. «Alex» wurde zwar nicht in dem Gebiet der am 20. April untergegangenen Bohrplattform «Deepwater Horizon» erwartet, könnte aber allein schon mit hohem Wellengang für Schwierigkeiten sorgen, erklärten Meteorologen. Am Dienstag könnte Alex über dem Nordosten Mexikos und dem angrenzenden Texas Hurrikan-Stärke erreichen.

Konzernchef Hayward bleibt im Amt

Für Aufsehen sorgte am Montag ein russischer Bericht über einen bevorstehenden Rücktritt von BP-Chef Tony Hayward. Der Konzern dementierte umgehend Angaben, mit denen der stellvertretende russische Ministerpräsident Igor Setschin von der Nachrichtenagentur RIA Nowosti zitiert wurde. «Hayward verlässt seinen Posten, er wird seinen Nachfolger vorstellen», wurde Setschin vor einem Treffen mit Hayward in Moskau zitiert. BP-Sprecherin Carolyn Copland erklärte in London, diese Meldung sei «definitiv nicht korrekt». BP besitzt in Russland zusammen mit einheimischen Investoren eine Ölfirma namens TNK-BP. Nach dem Treffen sagte ein Sprecher von Setschin: «Das Thema Haywards Rücktritt wurde nicht diskutiert.»

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) zeigte sich unterdessen besorgt über das Moratorium für Tiefsee-Bohrungen im Golf von Mexiko. Tiefsee-Bohrungen seien angesichts schwindender Ölreserven wichtig, sagte Opec-Generalsekretär Abdalla Salem El Badri auf einer Pressekonferenz in Brüssel: «Wir sollten das nicht verbieten.» Die USA gehören der Opec nicht an.

SDA/cpm

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