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Tödlicher Unfall mit Roboterauto – was bisher bekannt ist

Der Unfall mit einem Uber-Fahrzeug beherrscht die Schlagzeilen: Details und Hintergründe zum tragischen Vorfall.

Umstrittene Zukunftstechnologie: Ein selbstfahrendes Auto des Fahrdienstvermittlers Uber verletzte eine 49-jährige Frau tödlich. Video: Tamedia/AP

Nach einem tödlichen Unfall im US-Bundesstaat Arizona stoppt der Chauffeurdienst Uber vorerst die Erprobung von selbstfahrenden Autos. Die Unterbrechung gelte für Nordamerika, sagte eine Sprecherin am Montag.

Ein Testfahrzeug hatte in der Stadt Tempe eine 49-jährige Frau erfasst. Die obdachlose Elaine Herzberg erlag nach Polizeiangaben im Spital ihren Verletzungen. Es war der erste tödliche Unfall mit einem selbstfahrenden Auto und einer angefahrenen Person.

Uber-Chef Dara Khosrowshahi sprach auf Twitter von einer «unglaublich traurigen Nachricht» und sprach der Familie des Opfers sein Beileid aus. Ausserdem sagte Khosrowashahi, dass alles unternommen werde, um die Unfallursache nachvollziehen zu können.

Zur Kontrolle sass eine von Uber angestellte Fahrerin hinter dem Lenkrad. Brisant: Die 44-jährige Rafaela Vasquez ist vorbestraft, sass wegen eines bewaffneten Raubüberfalls fast vier Jahre im Gefängnis. Zuletzt wurde Uber mit einer Busse von 8,9 Millionen Dollar belegt, weil rund 60 Menschen mit krimineller Vergangenheit angestellt waren – im Bundesstaat Colorado ist das für Personentransport-Unternehmen per Gesetz verboten. Vasquez wurde 2005 aus dem Gefängnis entlassen, Verkehrsdelikte hatte sie allerdings nie begangen.

Uber trifft vermutlich keine Schuld

Nach Polizeiangaben fuhr der Unfallwagen vom Typ Volvo XC90 zum Zeitpunkt des Aufpralls in der Nacht zum Montag autonom, bei einer Geschwindigkeit von 65 km/h. Trotzdem trifft Uber vermutlich keine Schuld. Das Video einer Kamera im Auto zeige, wie die Frau «direkt aus dem Schatten auf die Fahrbahn getreten war», sagte Polizeichefin Sylvia Moir. «Es ist klar, dass dieser Zusammenstoss in jedem Modus, ob autonom oder manuell, schwer zu verhindern gewesen wäre.» Was allerdings noch untersucht werden muss: Offensichtlich habe das Fahrzeug auch kurz vor dem Aufprall «nicht signifikant abgebremst», schreibt die Zeitung «Phoenix New Times».

In Arizona hat ein selbstfahrendes Uber-Auto eine Fussgängerin überfahren.
In Arizona hat ein selbstfahrendes Uber-Auto eine Fussgängerin überfahren.
Screenshot Twitter
Der Unfall ereignete sich auf einer Hauptstrasse in Tempe, nahe der Phoenix, der Hauptstadt von Arizona. Bild: azcentral
Der Unfall ereignete sich auf einer Hauptstrasse in Tempe, nahe der Phoenix, der Hauptstadt von Arizona. Bild: azcentral
Keystone
Gemäss der Polizei trifft Uber am Unfall wohl keine Schuld.
Gemäss der Polizei trifft Uber am Unfall wohl keine Schuld.
Keystone
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Die Industrie selber erinnerte bei vergangenen Unfällen jeweils daran, dass der Autopilot der selbstfahrenden Autos nur ein Hilfsmittel sei: «Es obliegt dem Lenker, jederzeit Kontrolle über das Fahrzeug zu haben.» Auch deshalb ist die Rechtslage umstritten, ob sich Uber oder die Lenkerin einem allfälligen Verfahren stellen muss. Ein Angehöriger der lokalen Polizei sagte jedoch, dass Fahrerin Vasquez zumindest verhört werden muss.

Gemäss der Lokalzeitung «azcentral» ignorierte das Opfer ein Warnschild, das Fussgänger dazu auffordert, den Fussgängerstreifen etwas weiter nördlich zu benützen. Chris Zachar, ein auf Körperverletzungen spezialisierter Anwalt, sieht darin jedoch keine Ausrede für Uber, wie er dem Nachrichtenunternehmen «Bloomberg» sagt: «Wenn die Sensoren von selbstfahrenden Autos so gut sind, wie die Unternehmen behaupten, wieso braucht es dann einen Zebrastreifen?»

An dieser Stelle ereignete sich der Unfall. Bild: Google Maps
An dieser Stelle ereignete sich der Unfall. Bild: Google Maps

Noch kritischer zeigte sich ein früherer Entwickler von autonomen Fahrzeugen, der gemäss «Bloomberg» anonym bleiben möchte: «Eines Tages musste es so weit kommen.» Die Technologie sei noch nicht ausgereift, so der Ingenieur weiter. Auch Bryan Walker Smith glaubt, dass der Unfall von Arizona die Menschen im Bezug auf selbstfahrende Autos skeptischer machen könnte. «Viele waren überrascht, dass der Tesla-Todesfall von 2016 keine weitreichenderen Konsequenzen hatte», so Smith, der an der Universität von South Carolina Regulationen von autonomen Fahrzeugen studiert. Damals starb ein Fahrer eines Teslas mit so genanntem Autopilot. Die Radarsensoren hatten zwar ein Hindernis auf dem Highway erkannt, die Frontkamera hielt den von der Seite kommenden weissen Lastwagen allerdings für eine Brücke.

Dramatische Lage in Arizona

Total starben im Jahr 2016 37'000 Menschen auf US-Strassen, die Zahl von Unfällen mit Fussgängern steigt jährlich. Insbesondere in Arizona sei die Lage dramatisch, sagte Alberto Gutier, Direktor für Verkehrssicherheit, vor einer Woche: «Es ist schrecklich – aktuell unser grösstes Problem.» Alleine zwischen 5. und 13. März starben im Bundesstaat zehn Fussgänger nach Verkehrsunfällen, zwei weitere wurden schwer verletzt. «Die Leute glauben, sie seien unbesiegbar, und überqueren sorglos die Strassen», sagte Gutier dem «azcentral». Fussgänger und Velofahrer machen 26 Prozent aller Verkehrstoten in Arizona aus.

Aufgrund der steigenden Opferzahlen hat Gutier erste Aufklärungsmassnahmen eingeleitet. TV-Spots werden in Englisch und Spanisch ausgestrahlt, dazu mehr Warnschilder aufgestellt – wie am Unfallort in Tempe.

Ob diese Zahl dank selbstfahrenden Autos reduziert werden kann? Michelle Krebs, eine Analystin aus Detroit, ist davon überzeugt: «Auch wenn dieser Unfall möglicherweise ein Rückschritt ist, aber die Arbeit mit autonomen Fahrzeugen wird weitergehen.»

SDA/fas/woz

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