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USA leiten Ermittlungen gegen VW ein

Die manipulierten Abgaswerte dürften für Volkswagen bald auch strafrechtliche Folgen haben: Die US-Justiz nimmt sich nun nämlich des Falles an.

Skandal zieht in den USA immer weitere Kreise: VW-Emblem. (21. September 2015)
Skandal zieht in den USA immer weitere Kreise: VW-Emblem. (21. September 2015)
Damian Dovarganes, Keystone

Im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen haben die US-Behörden nach Berichten mehrerer Medien strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Das berichtete am Montag unter anderem das «Wall Street Journal» unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Kreise.

Demnach leitet die Umweltabteilung des US-Justizministeriums die Ermittlungen. Das Justizministerium und VW wollten sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP zunächst nicht zu den Berichten äussern. Die Vorwürfe gegen Volkswagen und die Tochter Audi waren am Freitag öffentlich geworden. Im US-Repräsentantenhaus soll es in den kommenden Wochen eine Anhörung zu dem Fall geben.

Auch andere Autobauer untersuchen

Die EPA erklärte, gemeinsam mit der kalifornischen Partnerbehörde Carb die Modelle weiterer Hersteller auf mögliche «Abschalteinrichtungen» zu überprüfen, die den Schadstoffausstoss bei offiziellen Emissionstests verringern. Die Umweltschutzbehörde machte keine Angaben dazu, welche Autobauer betroffen sind.

Auch die deutschen Konzerne Daimler und BMW sind auf dem US-Markt mit Diesel-Fahrzeugen vertreten. Die Unternehmen hatten in den vergangenen Jahren die sogenannte «Clean Diesel»-Technologie als sparsame und umweltfreundliche Alternative präsentiert.

In Südkorea kündigte das Umweltministerium am Dienstag an, den Schadstoffausstoss von Diesel-Fahrzeugen der Marken VW und Audi zu untersuchen.

Betroffen seien 4000 bis 5000 Autos der VW-Modelle Jetta und Golf sowie des Audi A3, die 2014 und 2015 produziert worden seien. «Sollten die südkoreanischen Behörden Probleme in den VW-Diesel-Wagen finden, könnte die Untersuchung auf alle deutschen Diesel-Wagen ausgeweitet werden», sagte ein Ministeriumsvertreter.

Amerika-Chef entschuldigt sich

Im Skandal entschuldigte sich der Amerika-Chef von VW, Michael Horn am Montagabend bei der Präsentation eines neuen Passat-Modells in New York. «Wir waren unehrlich zur Umweltbehörde EPA, wir waren unehrlich zu den Behörden in Kalifornien und, am schlimmsten von allem, wir waren unehrlich zu unseren Kunden. Um es auf gut Deutsch zu sagen: Wir haben Mist gebaut.»

«Wir müssen unsere Autos in Ordnung bringen. Und wir müssen unser Verhältnis zu unseren Händlern und Kunden in Ordnung bringen», sagte Horn. Der Hamburger ist seit Anfang vergangenen Jahres Chef von Volkswagen in den USA. Im Werk Chattanooga in Tennessee wird der Passat auch produziert.

480'000 Autos betroffen

Die Vorwürfe gegen Volkswagen und die Tochter Audi waren am Freitag öffentlich geworden. Laut EPA entwickelte Volkswagen eine Software, mit der Vorgaben zur Luftreinhaltung zwar bei Tests, nicht aber beim normalen Betrieb der Autos erfüllt wurden. Die Dieselfahrzeuge stiessen folglich im regulären Strassenverkehr mehr gesundheitsschädliche Stickoxide aus als erlaubt.

Betroffen von den Manipulationsvorwürfen sind rund 480'000 Fahrzeuge. Dem Wolfsburger Konzern droht in den USA nun eine Milliardenstrafe. Auch Schadenersatzforderungen vor Kunden könnten auf VW zukommen. Weitere Kosten drohen durch Rückruf und Umrüstung der betroffenen Modelle.

Die EPA stellte allerdings klar, dass sie noch keinen formalen Rückruf angeordnet habe. Zunächst müsse VW aber in einem «angemessenen Zeitraum» einen Plan für die Umrüstung der beanstandeten Modelle entwickeln. Die Besitzer würden über den Rückruf informiert, sobald die EPA dem Plan zugestimmt habe. Dieses Verfahren könnte laut EPA «bis zu einem Jahr dauern».

Dieselmodelle in Deutschland untersuchen

Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt kündigte strenge Nachprüfungen bei VW-Dieselmodellen in Deutschland durch unabhängige Gutachter an. VW-Chef Martin Winterkorn habe ihm «seine absolute Unterstützung» dafür zugesagt, teilte das Verkehrsministerium in Berlin mit.

Die «Bild»-Zeitung zitierte Dobrindt mit den Worten, Winterkorn habe ihm versichert, dass es in Deutschland keine Manipulationen an VW-Diesel-Fahrzeugen gebe und «dass alle aktuellen Neufahrzeuge frei von unzulässiger Beeinflussung durch Software» oder andere Veränderungen seien.

Der frühere Continental-Manager Thomas Sattelberger forderte in den Zeitungen der «Funke Mediengruppe» Winterkorns Rücktritt. Zuvor hatte bereits der Duisburger Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer dem VW-Chef einen Rücktritt nahegelegt. Die Grünen im Bundestag verlangten eine Aktuelle Stunde zu dem Skandal.

Talfahrt der VW-Aktie

Die VW-Aktie schmierte am Montag in Frankfurt am Main um 18,6 Prozent ab. Die Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) sprach von einem strategischen «Super-GAU» für die Weltmarktstellung von VW. DSW-Präsident Ulrich Hocker riet im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland VW-Aktionären allerdings von einem vorschnellen Verkauf ihrer Anteile ab.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnte vor massiven Folgewirkungen des Skandals für die deutsche Wirtschaft. «Der Imageschaden wird VW nicht nur in den USA, sondern auch global teuer zu stehen kommen. Damit werden auch Jobs bei VW und vielen Zulieferern in Deutschland gefährdet sein», sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher der «Bild». Da VW bislang ein «Aushängeschild» für Produkte aus Deutschland sei, könnten «auch andere deutsche Exporteure Schaden nehmen».

AFP/sda/chk

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