Zum Hauptinhalt springen

Valiant will mit eigenen Schulden verdienen

Die Berner Valiant-Bank geht neue Wege: Die Bank will demnächst eine Obligation herausgeben und darauf einen Negativzins ­kassieren. Dazu wird sie die Obligation mit eigenen Hypotheken absichern.

Der Valiant-CEO Markus Gygax nimmt im Videointerview Stellung zum Ausbau der Bank.

In ausserordentlichen Situationen entstehen oft neue Ideen. Ein Beispiel dafür ist die Berner ­Regionalbankengruppe Valiant. Bankchef Markus Gygax will das Negativzinsumfeld nutzen, um mit eigenen Schulden der Bank Geld zu verdienen, wie er am Mittwoch in Luzern bei der Präsentation der Jahreszahlen bekannt gab. Konkret läuft das so: Die Bank will in der zweiten Jahreshälfte eine ­Obligation im Umfang eines kleinen dreistelligen Millionen­betrags ­herausgeben.

Hypotheken als Zinssenker

Die sichersten Unternehmen können derzeit dank einem negativen Zinssatz gar mit Schulden Geld verdienen. Valiant indes müsste damit rechnen, dass die Investoren einen tiefen, aber positiven Zinssatz verlangen würden. Doch die Bankspitze lässt es dabei nicht bewenden: Sie arbeitet an der ­Herausgabe einer Obligation, für die auch sie einen ­Negativzins kassieren kann.

Dazu muss sie die Obligation mit einem Teil ihres Hypothekenportefeuilles absichern. Das bedeutet: Sollte Valiant in einem Krisenfall zahlungs­unfähig werden, gingen die Obligationäre nicht einfach leer aus, sondern sie könnten auf die ­Immobilie ­zugreifen, mit welcher der Hypothekarkredit gesichert ist.

Für die Kunden bedeutet dies, dass sie bei neuen Hypothekar­verträgen eine spezielle Klausel unterschreiben müssen. Diese besagt, dass die Valiant-Bank ihren Anspruch auf die Immobilie als Sicherheit weiter­reichen kann. Seit über einem Jahr enthalten die Hypothekarverträge einen solchen Passus. Aber sonst merke der Kunde nichts, heisst es bei Valiant.

Bei diesem Vorhaben geht es um viel Geld. So dürfte es das Ziel der Bank sein, ihre im Jahr 2012 aufgenommene, teure Obligation im Umfang von 150 Millionen Franken rasch abzulösen. Die ­Valiant-Bank hat die Möglichkeit, die Obligation, die sie zu vier Prozent verzinsen muss, im Jahr 2018 zurückzubezahlen. Dies würde die Jahresrechnung um sechs Millionen entlasten.

Neue Pakete schnüren

Die Bankspitze hat ein weiteres Vorhaben in diesem Bereich: Sie prüft die Möglichkeit, Hypothekenpapiere zu einem Paket zu schnüren und dieses an institutionelle Anleger wie Pensionskassen oder Versicherungen weiterzureichen. Diese Hypotheken wären nicht mehr in der Bilanz der Bank. So kann diese wachsen, ohne zusätzliches Eigenkapital aufnehmen zu ­müssen.

An der Kreditvergabe und einer kleinen Zinsdifferenz würde sie trotzdem noch etwas verdienen. Bei der ­Valiant-Spitze ist man sicher, dass man solche Papiere ohne Probleme wird platzieren können. Denn viele institutionelle Anleger ­suchen derzeit ver­zweifelt nach Möglichkeiten, ­Negativzinsen zu vermeiden.

Ob die Valiant-Bank dieses Instrument aber tatsächlich einsetzen wird, ist noch offen. Das hängt vor allem davon ab, wie stark sich die Nachfrage nach Hypothekarkrediten entwickelt. Bei ihrer Expansion ausserhalb des Stammgebiets in den Kantonen Bern, Aargau und Luzern hat die Bank festgestellt, dass es einfacher ist, Kredite zu vergeben, als zu neuen Spargeldern zu kommen: «Wir haben in der Westschweiz für eine Milliarde Franken Kredite vergeben, aber nur für 300 Millionen neue Spar­gelder entgegengenommen», erklärt Valiant-Chef Markus Gygax. Dank dem Weiter­reichen des Hypothekenportefeuilles könn­te die Bank wachsen, ohne ­zusätzliches Eigenkapital unterlegen zu müssen.

Eines steht dagegen fest. Die schweizweite Expansion von ­Valiant geht weiter: «Wir wollen künftig zwischen dem Genfer- und dem Bodensee präsent sein», erklärt Markus ­Gygax. Genaue Pläne für den Raum östlich von Zürich gibt es noch nicht. Aber für Gygax steht fest: «Wir werden sicher nicht mit einer ­Filiale an die Bahnhofstrasse in der Stadt Zürich ­gehen. Dort würden wir uns ­lächerlich machen», so der Valiant-Chef.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch