Verjüngungskur für Ragusa und Co.

Die Schokoladenherstellerin Camille Bloch ist dank den Marken Ragusa und Torino schweizweit bekannt. Nun ist das Unternehmen für den Prix SVC Espace Mittelland nominiert.

Daniel Bloch, CEO bei Camile Bloch, über die Masseneinwanderungsinitiative, die Aufhebung des Euromindestkurses und die Prix-SVC-Nomination. Video: Claudia Salzmann
Rahel Guggisberg

Von Bern aus erreicht man Courtelary im Berner Jura mit dem Zug in einer Stunde. Die Schokoladenfabrik von Camille Bloch – ein grosses, graues Gebäude – liegt direkt neben dem Bahnhof. Von weitem riecht man den Duft von Schokolade. Zwei- bis dreimal pro Woche besucht der Firmenchef Daniel Bloch die Fabrik. Sonst arbeitet er in seinem Büro im Hauptgebäude. Der gesamte Fabrikationsprozess, vom Rösten der Kakaobohnen bis zur Auslieferung der Produkte, erfolgt im Berner Jura.

Heute bespricht Daniel Bloch mit Angestellten in der Verpackungsanlage neue Produktedesigns. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht geht er von Mitarbeiter zu Mitarbeiter, schüttelt ihnen die Hand und fragt sie nach dem Wohlergehen. Die Fabrik stellt jährlich 3900 Tonnen Schokolade her. Die 180 Mitarbeitenden erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 64 Millionen Franken. Den Gewinn gibt Camille Bloch nicht bekannt.

Von schwarz bis blond

1997 hat der heute 51-jährige Daniel Bloch das Familienunternehmen in dritter Generation übernommen. «Als mein Vater die Verantwortung weitergeben wollte, hat er mir sein Vertrauen geschenkt», sagt der studierte Jurist. Er habe sich auf die Stärken des Unternehmens besonnen. In diesem Sinne nahm er Änderungen vor, um die Firma und Marken zu erneuern und das Image aufzufrischen. Die Verpackungen und das Logo wurden geändert. Bloch führte neue Schokoladenvarianten wie Mousse und Ragusa Noir ein.

Die neuste Innovation von Camille Bloch ist Ragusa blond, eine caramelisierte, helle Schokoladenvariante. Das Produkt wurde vor einem Jahr lanciert und macht heute fast 20 Prozent des gesamten Verkaufs von Ragusa in der Schweiz aus.

Lara Gut als Aushängeschild

Ragusa – der Schokoladenriegel mit Haselnüssen – ist der Hauptumsatzträger von Camille Bloch. Seit 2011 ist die Skirennfahrerin Lara Gut Markenbotschafterin. Bloch sagt dazu: «Mit Lara Gut als Aushängeschild ging es uns darum, Ragusa als Marke zu verjüngen. Auch eine Traditionsmarke muss sich immer wieder neu erfinden, damit sie aktuell bleibt.» Die Verjüngungskur irritiere bisherige Stammkunden nicht. Bloch sagt: «Traditionsbewusste Kunden werden das klassische Ragusa weiterhin in den Läden finden.» Beide Grossverteiler – Coop und Migros – bieten Ragusa an. Die Migros nahm das Produkt Anfang 2013 ins Sortiment auf. Das war ein Meilenstein für Camille Bloch. «Erfreulicherweise gab es bei anderen Detailhändlern keine Umsatzeinbussen deswegen», zieht Bloch Bilanz.

Er hat sich noch nie überlegt, dem Berner Jura den Rücken zu kehren. Als Chef eines mittleren Unternehmens sei er mit dem Standort verbunden. «An unseren etwas abgelegenen Standort können wir immer wieder Kaderleute locken», sagt Bloch. Ein klares Bekenntnis an den Berner Jura sind die 35 Millionen Franken, die über die nächsten vier Jahre in Courtelay investiert werden sollen. Das Ziel ist es, die Produktion zu verdoppeln. Den Umsatz will Daniel Bloch vor allem in angrenzenden Ländern steigern: «In Frankreich, Deutschland und Nordeuropa wollen wir bekannter werden», sagt er. Derzeit erziele das Unternehmen etwa 20 Prozent des Umsatzes im Ausland.

Sorgen bereitet Daniel Bloch der starke Franken. Wegen der Euroschwäche leidet die Marge. Konkrete Massnahmen wie längere Arbeitszeiten ergreift er jedoch momentan nicht. Ein Problem sei zudem, dass die Preise für den Kakao und die Haselnüsse explodiert seien. Letzterer habe sich innert einer Saison verdoppelt.

Stadtberner Wurzeln

Der Gründer Camille Bloch hatte seine kaufmännische Lehre beim traditionsreichen Berner Schokoladenhersteller Tobler gemacht und sei so auf den Geschmack der Süssigkeit gekommen, erzählt Daniel Bloch. Am Jägerweg 16 im Berner Breitenrainquartier eröffnete Camille Bloch die erste Fabrik. 1935, sechs Jahre nach der Gründung, zog die Firma in eine leer stehende Fabrik in Courtelary. Man benötigte mehr Platz, fand aber in Bern keinen Standort.

Ragusa wurde aus der Not heraus kreiert. Kakao war im Zweiten Weltkrieg auf dem Markt kaum erhältlich. Camille Bloch hatte die Idee, einen Teil des Kakaos durch eine Haselnussmasse und ganze Nüsse zu ersetzen. Auch heute noch wird Ragusa nach diesem Rezept hergestellt. Benannt wurde der Riegel nach dem früheren Namen der kroatischen Stadt Dubrovnik, wo Camille Bloch gerne Ferien verbrachte.

Daniel Bloch ist verheiratet und hat drei schulpflichtige Kinder. In der vierten Generation der Berner Chocolatier-Familie hat es zehn Nachkommen. Die Voraussetzungen stehen somit nicht schlecht, dass das Unternehmen auch langfristig eigenständig und in Familienbesitz bleibt. Daniel Blochs jüngste, 9-jährige Tochter interessiert sich derzeit intensiv für das Thema Schokolade. «Mit ihr bespreche ich alles rund um die Süssigkeit», sagt er.

Berner Zeitung

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