Zum Hauptinhalt springen

Warum die Migros schwächelt – und was Coop stärker macht

Trotz Rekordumsatz: Das Kerngeschäft der Migros schrumpft. Gewinn macht die Bank.

Im Kerngeschäft der Migros, dem Detailhandel, ging der Umsatz 2019 um 0,7 Prozent zurück. Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)
Im Kerngeschäft der Migros, dem Detailhandel, ging der Umsatz 2019 um 0,7 Prozent zurück. Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)

Der Migros-Genossenschafts-Bund publizierte gestern seine Umsatzbilanz für das vergangene Jahr. Und die fiel besser aus als erwartet. Insgesamt stieg der Umsatz um 0,7 Prozent auf 28,66 Milliarden Franken. Damit verzeichnet der Detailhändler erneut einen Rekord.

Ein zweiter Blick ins Communiqué zeigt, wo es bei der Migros nicht ganz so rund läuft: Im Kerngeschäft, dem Detailhandel, schrumpfte der Umsatz um 0,7 Prozent. In den Läden der zehn regionalen Genossenschaften belief sich der Rückgang im Inland sogar auf 1,4 Prozent.

Coop bleibt stabil

In direkter Konkurrenz zur Migros steht Coop. Die beiden Detailhandelsriesen haben den Markt in der Schweiz quasi unter sich aufgeteilt. Und sind auch über ihr Kerngeschäft hinaus stetig gewachsen. In den letzten 20 Jahren haben sich die zwei Detailhändler ein Wettrüsten geleistet, wenn es um Zukäufe ging: Globus, Schild, Interio, Denner, Digitec oder Tegut gingen an die Migros. Coop verleibte sich Unternehmen wie Toptip (heute Livique), Interdiscount, die Import Parfumerie, Marché, Fust, Waro oder die Transgourmet-Gruppe ein. Und die Umsätze wuchsen mit.

Im Vergleich zur Migros stieg der Konzernumsatz von Coop im letzten Jahr nicht, sondern blieb mit 30,7 Milliarden Franken stabil. Sein nach wie vor grösstes Standbein, der Detailhandel, verzeichnet jedoch ein Wachstum von 1,4 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr, als das Wachstum noch bei 2 Prozent lag, musste zwar auch Coop zurückstecken. Doch im Supermarkt-Geschäft führte der Detailhändler das Wachstum der letzten Jahre fort. Die gestiegene Nachfrage nach nachhaltigen Produkten trug laut Coop ihren Anteil dazu bei.

Zahlen des Marktforschungsinstituts GFK zeigen, dass die Umsätze der Coop-Supermärkte seit 2010 mehr oder weniger stetig steigen. Demgegenüber zeigt sich bei der Migros ein anderes Bild: Über den gleichen Zeitraum hinweg verzeichnen die Läden der zehn Genossenschaften einen leichten Rückgang. Hier muss jedoch angemerkt werden, dass auch die Migros-Fachmärkte wie Micasa, SportXX oder M-Electronics mit 1,75 Milliarden Franken in diese Rechnung fallen. Was bei Coop nicht der Fall ist. Doch auch ohne die Fachmärkte ist die Migros – trotz Umsatzrückgang – in diesem Segment immer noch grösser als ihr Konkurrent.

Träge Strukturen

Die Gründe für die unterschiedliche Entwicklung im Supermarktgeschäft der beiden Detailhändler sind vielschichtig. Zum einen erhöhen Discounter wie Lidl und Aldi den Preisdruck, was die Grossverteiler zum Handeln zwingt. Die Migros reagierte, ­indem sie letztes Jahr die Preise der 1500 beliebtesten Produkte senkte. Das schlägt sich nun in den Umsatzzahlen nieder. Der Rückgang sei neben den Preissenkungen auf weitere Effekte wie die Verlagerung zu Online im Non-Food begründet, heisst es auf Anfrage bei der Migros.

Ein Brancheninsider sieht ein weiteres Problem in der Geschäftsstruktur der Migros. Die einzelnen Genossenschaften hätten zu viel Mitspracherecht über neue Strategien oder das Sortiment. Die Entscheide müssten von den regionalen Chefs im Ausschuss Detailhandel des Migros-Genossenschafts-Bundes abgesegnet werden. Dass diese als Regionalfürsten bezeichnet werden, spreche für sich. Diese Konstellation führe zu trägen Strukturen innerhalb der Migros.

Grafik vergrössern

Bei Coop führte Hansueli Loosli bereits 1999 mit Coop Forte die damals 15 regionalen Genossenschaften in eine einzige mit sechs Regionen über. Jede Region wurde mit einem Regionalrat besetzt. Diese neue Struktur vereinfachte die Entscheidungsfindung.

Im Februar und März kommunizieren die Detailhändler zudem noch ihre Gewinnzahlen. Bei der Migros schrumpfen diese seit Jahren: von 826 Millionen Franken 2014 auf 475 Millionen 2018. Und im letzten Jahr stammte fast die Hälfte des Gewinns der gesamten Gruppe von der Migros-Bank. In diesem Jahr sieht es dort wieder gut aus: 255 Millionen Franken beträgt der Gewinn, wie die Migros-Bank mitteilte. Noch einmal deutlich mehr als im vergangenen Jahr. Zumindest von dieser Seite wird das Ergebnis der Migros gestützt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch