Warum eine Schweizer Firma auf E-Mails verzichtet

Die App «Slack» soll die firmeninterne Kommunikation verändern. Ein Schweizer Unternehmen verwendet die App seit einem Jahr – und zieht nun Bilanz.

Slack will der elektronischen Post Konkurrenz machen: Eine Frau beim Verfassen einer E-Mail.

Slack will der elektronischen Post Konkurrenz machen: Eine Frau beim Verfassen einer E-Mail.

(Bild: Keystone Gaetan Bally)

Über 30 Jahre ist es her, seit die erste E-Mail über das Internet versandt wurde. Eine globalisierte Welt ohne den E-Mail-Verkehr wäre für viele kaum mehr vorstellbar. Denn heute wird die Firmenkommunikation durch die elektronische Post dominiert. Modernere Alternativen konnten sich bisher noch nicht durchsetzen. Ein amerikanisches Start-up würde das gerne ändern.

Slack heisst die App, die im Januar 2014 für Smartphones und Browser lanciert wurde. Das Gruppen-Chat-Programm hat einige Eigenschaften, die den Nutzern Vorteile bei der firmeninternen Kommunikation verschaffen sollen. So können beliebig viele Gruppen angelegt werden, die zum Beispiel Projekte und Teams zusammenfassen. Einen Posteingang findet man nicht, stattessen eine Art News-Feed, bei dem alle Kanäle für die Mitarbeiter öffentlich sind. Die Standard-Version der App ist gratis. Wie bei Dropbox kann jedoch weiterer Speicherplatz gekauft werden.

Schweizer Unternehmen ist überzeugt

Auch Schweizer Firmen sind auf den Geschmack gekommen. Die Webagentur Liip nutzt die App seit einem Jahr. Das Unternehmen zieht heute eine positive Bilanz: «Slack ist unser Haupt-Kommunikationstool», sagt Christian Stocker von Liip. «Alle unsere 100 Mitarbeiter nutzen das Programm.» Die Kommunikation sei direkter als beim klassischen E-Mail-Verkehr, und die Diskussionen könnten schneller geführt werden. «Für alle Interessen gibt es einen Channel, auch für Privates.» So werde neben «Ask Admin», wo Unklares diskutiert wird, auch ein Apple-Channel für Interessierte geführt. «Die App hilft sehr beim Transfer von Know-how», sagt Stocker.

Slack archiviert alle Nachrichten, diese sind jederzeit durchsuchbar. Damit übertrifft die App das Mail-Archiv, wenn es darum geht, eine Diskussion oder einen Link wiederzufinden. Das Programm ist laut den Herstellern spezifisch für die interne Kommunikation gedacht und weniger, um mit Aussenstehenden zu chatten. Ähnliche Dienste und Programme wurden schon oft als Mail-Alternative gestartet, viele sind jedoch gescheitert. So stellte Google 2009 den Dienst Google Wave vor, dieser wurde aber bereits wieder abgeschaltet. Neben Slack sind heute noch Yammer und Hipchat erfolgreich im Markt.

500'000 Nutzer nach einem Jahr

Bei Liip dient das Programm bereits heute als Teilersatz für die klassische E-Mail. «Slack ersetzt sehr viel Mail-Verkehr», sagt Stocker. «Wir brauchen diesen fast nur noch, wenn wir alle erreichen müssen.» Das sei zum Beispiel bei Team-Ausflügen der Fall. Laut Stocker kann die App auch bei grösseren Unternehmen hilfreich sein: «Es ist sehr umständlich, wenn eine E-Mail mit vielen Empfängern im CC verschickt wird», so Christian Stocker. Mit der App könnten sich die interessierten Nutzer gezielter informieren.

Laut der «New York Times» hat der Chat rund eine halbe Million Nutzer, die die App als Ersatz oder Ergänzung zu E-Mails einsetzen. Gegenüber der Zeitung prognostizierte der CEO Stewart Butterfield, dass Ende 2015 weltweit rund zwei bis drei Millionen Firmenmitarbeitende von der App Gebrauch machen werden.

Wie bei Google und Co. gibt es auch bei Slack Sicherheitsbedenken. Die Daten werden auf US-Servern gespeichert und es kann deshalb nicht ausgeschlossen werden, dass Informationen an Aussenstehende geraten. Auch bei Liip ist man sich dessen bewusst. «Wir verteilen keine Passwörter über die App», sagt Christian Stocker.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt