Zürcher haben Nike und Co. übersprintet

Duathlon-Weltmeister Olivier Bernhard hat den preisgekrönten Laufschuh On entwickelt. Inspirieren liess er sich von einem Gartenschlauch.

An der Internationalen Sportmesse in München ausgezeichnet: Ein Schuh entwickelt von Olivier Bernhard.
Pia Wertheimer@Wertli

Die Geschichte gleicht jener von David und Goliath: An der Internationalen Sportartikelmesse (Ispo) in München sticht ein Zürcher Start-up-Unternehmen Giganten wie Nike, Asics und Adidas aus. Die 57-köpfige Jury aus 14 Ländern und drei Kontinenten hat einen Laufschuh der Firma On mit dem Gold Award ausgezeichnet. Entwickelt hat den prämierten Wettkampfschuh Cloudracer der ehemalige Duathlon-Weltmeister und sechsfache Ironman-Sieger Olivier Bernhard.

Für den früheren Spitzenathleten und sein Team stand bei der Entwicklung des Treters eine weiche Landung und ein harter Abstoss im Vordergrund. «Anders als beim Landen, will ich beim Abstossen als Läufer keine Dämpfung, sondern einen möglichst direkten Bodenkontakt», weiss Bernhard.

Sekundenleim und Gartenschlauch

Angefangen hat die On-Geschichte (siehe Box) in Olivier Bernhards Werkstatt. Gemeinsam mit einem ETH-Ingenieur tüftelte er im Jahr 2005 mit zerschnittenen Gartenschläuchen an einer Schuhsohle, um der chronischen Entzündung seiner Achillessehne Abhilfe zu schaffen. «Beim ersten Prototyp leimten wir die kleinen Gartenschlauchröhrchen mit Sekundenkleber an die Sohlen, was natürlich nur für wenige Schritte hielt.»

Später holte Bernhard seine ebenfalls laufbegeisterten Freunde David Allemann und Caspar Coppetti ins Boot. Coppetti, Bernhards früherer Manager, zeichnet für den internationalen Marktaufbau verantwortlich, während Alleman die Produktion aufbaut und sich um Marketing sowie Design kümmert. Inzwischen beschäftigt das Zürcher Start-up-Unternehmen weltweit 25 Personen. «Diese Zahl wird sich bis Ende 2013 wohl verdoppeln», sagt Bernhard.

«Engineered», nicht «made in Switzerland»

Die Zürcher Firma hat ihren Schuh mit einem kleinen Schweizer Wappen an der Ferse ausgestattet, trotzdem wird der Treter nicht in der Schweiz hergestellt. Damit unterscheidet er sich nicht von den internationalen Sportherstellergiganten, auch sie produzieren die Mehrheit ihrer Modelle in Asien. Ein Aufdruck auf dem On-Schuh lässt aber wissen: «Engineered in Switzerland».

Laut Bernhard sei eine Produktion made in Switzerland sehr schwierig, weil das Know-how zur Schuhherstellung in den asiatischen Raum abgewandert sei. «Wir könnten natürlich die Experten aus Asien in die Schweiz holen und sie hier beschäftigen.» On sei aber im Vergleich zu den Konkurrenten ein noch sehr kleiner Player auf diesem Markt. «Unsere Zahlen sind im Vergleich mit ihren lächerlich. Wir haben schlicht die Auslastung noch nicht, um eine Fabrik in der Schweiz zu betreiben.» Das soll sich aber mit dem Wachstum des Start-ups ändern. «Wir versuchen, sobald wie möglich mit der Fabrikation unserer Schuhe in die Schweiz zurückzukommen.»

Ehre für den Designer

Der Laufschuh hat Athleten wie Ironman-Vize-Weltmeisterin Caroline Steffen aus der Schweiz und den Franzosen David Hauss, Olympia-Vierter im Triathlon in London, überzeugt. Sie trugen ihn bei ihren jüngsten Erfolgen.

Nicht nur die Funktion der Schuhe des Zürcher Kleinunternehmens hat Aufmerksamkeit erregt, das tat auch sein Erscheinungsbild. Der 38-jährige Designer Thilo Alex Brunner hat mit seinem gestalterischen Auge dafür gesorgt, dass der Schuh in der permanenten Sammlung des Museums für Gestaltung Zürich aufgenommen wird.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt