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Verhängnisvolle Aktennotiz von 2013

Susanne Blanks Rücktritt aus dem Post-Verwaltungsrat erinnert an einen anderen Fall – welche Parallelen es gibt.

Zwei Wochen nachdem Post-Präsident Urs Schwaller sich über die Untersuchung zur Postauto-Affäre erschüttert zeigte und Massnahmen ankündigte, trat nun auch Verwaltungsrätin Susanne Blank zurück. (Video: Tamedia, 11.6.18)

Zuerst die Postchefin, dann der Vizepräsident des Verwaltungsrats und jetzt die Personalvertreterin im Aufsichtsgremium: Nach Susanne Ruoff und Adriano Vassalli hat im Zuge der Postauto-Affäre gestern auch Susanne Blank ihren sofortigen Rücktritt eingereicht. Der Schritt erfolgte am Tag der Generalversammlung des gelben Riesen. Ebenfalls auf die Generalversammlung hin zurückgetreten ist Adriano Vassalli. Er hat sein Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat bereits am 16. Juni 2018 mitgeteilt.

Susanne Blank sass als Vertreterin des Personalverbands Transfair seit zehn Jahren im Verwaltungsrat des staatlichen Betriebs. Als solche hatte die 46-Jährige Einsitz in verschiedenen Ausschüssen des Aufsichtsgremiums genommen: von 2010 bis Mitte 2014 im Ausschuss «Audit and Risk», zuständig fürs Risikomanagement, und seither im Ausschuss «Organisation, Nomination and Remuneration». Dieser Beirat ist daran, die Nachfolge von Ex-Postchefin ­Ruoff zu regeln.

Gehört ab sofort nicht mehr dem Postverwaltungsrat an: Susanne Blank. Foto: Keystone
Gehört ab sofort nicht mehr dem Postverwaltungsrat an: Susanne Blank. Foto: Keystone

Auslöser für Blanks Rücktritt ist ihre Amtszeit im Ausschuss für Risikomanagement. Es geht um die Frage, was sie von den Buchhaltungstricks bei Postauto wusste. Im Vordergrund steht eine Aktennotiz der internen Revision der Post vom 21. August 2013. Die Prüfer kommen darin zum Schluss, dass Verbuchungen getätigt würden, die nicht der vom Bundesamt für Verkehr genehmigten Praxis entsprächen.

Laut Untersuchungsbericht der Anwaltskanzlei Kellerhals Carrard richtete sich dieser Hinweis an den Ausschuss für Risikomanagement. Demnach war auch Blank auf dem Verteiler. Die Mitglieder hatten die Wahl, ob sie die Aktennotiz per E-Mail, auf Papier oder per Internetlink erhalten wollten. Diese Erkenntnisse aus dem Untersuchungsbericht erhöhten den Druck auf die Personalvertreterin. Parlamentarier wie SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi forderten Blanks Rücktritt, da sie ihre Pflichten als Verwaltungsrätin der Post vernachlässigt habe.

Blank weist Vorwürfe zurück

Dazu hielt Blank gestern fest: «Ich habe im Fall des Subventionsbetrugs bei Postauto keinerlei Pflichtverletzungen begangen und insbesondere die Aktennotiz vom 21. August 2013 zur Prüfung Ortsbus nie erhalten; weder per Briefpost noch per Mail.» Mit ihrem «freiwilligen Rücktritt» wolle sie «die falschen Spekulationen stoppen und der Post einen Neuanfang erleichtern».

Die Hintergründe von Blanks Rücktritt erinnern an die Umstände von Vassallis Abgang. Der frühere Vizepräsident der Post stand gemäss Untersuchungsbericht ebenfalls auf dem Verteiler der Aktennotiz. Und auch er machte geltend, diesen Hinweis nicht erhalten zu haben. Am Schluss nahm der Tessiner Wirtschaftsprüfer den Hut, beharrt aber auf seiner Unschuld.

Der Personalverband Transfair seinerseits verurteilte die «politische Hetzjagd» gegen Blank. Bemerkenswert ist, dass Blank das Post-Verwaltungsratsmandat für Transfair im Nebenamt wahrnahm. Seit Mai 2013 arbeitet sie für das Staatssekretariat für Wirtschaft. Zuvor leitete Blank den Bereich Wirtschaftspolitik bei Travailsuisse, einem gewerkschaftlichen Dachverband, dem auch Transfair angegliedert ist. Transfair teilte dazu mit: Es sei üblich, keine Profigewerkschafter in den Verwaltungsrat der Post zu schicken, um Interessenkonflikte zu vermeiden.

Noch keine Nachfolge

Eine Nachfolge für Blank präsentierte der Personalverband nicht. «Die Suche läuft», sagte René Fürst, Branchenleiter Post und Logistik. Er gehe davon aus, in «zwei bis drei Monaten» einen Namen vorschlagen zu können.

Wie die Post im Anschluss an die Generalversammlung mitteilte, scheidet Andreas Schläpfer ebenfalls aus dem Verwaltungsrat aus. Er muss altersbedingt Platz machen. Auf Schläpfer folgt Peter Hug. Der 60-Jährige ist Mitglied des weltweiten Pharmaführungsteams von Hoffmann-La Roche. Zumindest eine gute Neuigkeit gibt es aus Sicht des Steuerzahlers: Der Bund als alleiniger Aktionär erhält von der Post eine Dividende von 200 Millionen Franken.

Bilder: Susanne Ruoff tritt als Postchefin zurück

Hat ihren Rücktritt eingereicht: Susanne Ruoff anlässlich der Bilanzmedienkonferenz der Schweizerischen Post AG. (8. März 2018)
Hat ihren Rücktritt eingereicht: Susanne Ruoff anlässlich der Bilanzmedienkonferenz der Schweizerischen Post AG. (8. März 2018)
Peter Schneider, Keystone
Die Konzernchefin ist wegen des Buchungsskandals bei Postauto zurückgetreten.
Die Konzernchefin ist wegen des Buchungsskandals bei Postauto zurückgetreten.
Peter Schneider, Keystone
Die Post musste einräumen, dass ihre Tochtergesellschaft zwischen 2007 und 2015 zu hohe Gewinne im abgeltungsberechtigten Busverkehr erzielt und in andere Geschäftsfelder umgebucht hatte: Ruoff mit Finanzchef Alex Glanzmann (links) und Kommunikationschef Marco Imboden (6. Februar 2016)
Die Post musste einräumen, dass ihre Tochtergesellschaft zwischen 2007 und 2015 zu hohe Gewinne im abgeltungsberechtigten Busverkehr erzielt und in andere Geschäftsfelder umgebucht hatte: Ruoff mit Finanzchef Alex Glanzmann (links) und Kommunikationschef Marco Imboden (6. Februar 2016)
Peter Schneider, Keystone
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